Club | 12.01.2018

Interview mit dem FC-Präsidium

„Kämpfen bis zum Umfallen"

Zum Start in die Rückrunde spricht das Präsidium des 1. FC Köln im Interview über Gründe für die Krise, den Kontakt zu den Fans – und die Chancen auf den Klassenerhalt.

Herr Spinner, Herr Schumacher, Herr Ritterbach, nach einer extrem kurzen Winterpause geht es am Sonntag wieder los. Glauben Sie noch an den Klassen­erhalt? 

Toni Schumacher: Natürlich! Wir werden alles versuchen, um dieses Wunder zu schaffen. Vor uns liegen 17 Endspiele, wir müssen sie alle einzeln angehen, ohne dauernd auf die Tabelle zu schauen. Die Spiele gegen Gladbach und in Hamburg sind gleich sehr wichtig. Da müssen wir voll da sein und benötigen jede Unterstützung der Fans.

Was gibt Ihnen Hoffnung?

Werner Spinner: Durch den ganzen Club ist in den letzten Wochen ein Ruck gegangen. In der schweren Zeit im November und Dezember und speziell nach dem Spiel ­gegen Freiburg herrschte Untergangs­stimmung. Das hat sich geändert, wir schauen wieder nach vorne. Dass wir mit Armin Veh einen erfahrenen Mann für die Geschäftsführung gewinnen konnten, war ganz wichtig. 

Toni Schumacher:
Der Stimmungs­umschwung ist auch ein Verdienst des Trainer­teams um Stefan Ruthenbeck. Es ist wieder Leben in der Mannschaft, die Spieler strahlen das aus, und das macht sich im ganzen Club bemerkbar.  

Markus Ritterbach:
Das gilt nicht nur für den Club. Natürlich wollen viele auch drum herum wissen, was schiefgelaufen ist und warum wir welche Entscheidungen getroffen haben. Aber der Fokus ist eindeutig: Wir schauen jetzt nach vorne und kämpfen dafür, es zu schaffen. Die Unterstützung für den FC ist riesig.

Sie haben sicher die Tage zwischen den Jahren auch zur Rückschau genutzt. Konnten Sie den Absturz im zweiten halben Jahr verarbeiten? 

Markus Ritterbach: So einfach ist das nicht. Wir kommen uns vor wie in einem Albtraum, aus dem man nicht aufwacht. Vom Himmel in die Hölle. Schließlich sind wir nach fünf Jahren konsequenter Aufbauarbeit im Mai 2017 auf dem Höhepunkt gewesen. In schlechten Zeiten ist es umso wichtiger einen kühlen Kopf zu behalten und das Ziel konsequent zu verfolgen. Wir sind kein Vorstand nur für gute Zeiten – ich glaube, das haben wir schon bewiesen. So wie es in der Hymne heißt: Wir gehen auch „durch et Füer“.

Hat der FC die Situation im Sommer unterschätzt?

Werner Spinner: Dass wir vor einer schweren Saison stehen, haben wir bei aller Euphorie immer gewusst, denn der Sprung in den Europapokal war für den ganzen Club riesig und ist natürlich auch etwas glücklich zustande gekommen. Wir als Vorstand haben deshalb nie ein anderes Ziel ausgegeben als den Klassen­erhalt. Dass wir eine der schlechtesten Hinrunden der Bundesligageschichte ­spielen würden, konnte bei aller Vorsicht aber niemand ahnen. 

Toni Schumacher: Wenn wir ansprechen, welche Dinge im sportlichen Bereich seit längerem nicht mehr so funktioniert haben, wie das nötig gewesen wäre, dann ist das nicht als Nachtreten gemeint. Sondern es gehört zur ehrlichen Analyse, wenn man aus 14 Spielen drei Punkte geholt hat. So eine Bilanz fällt ja nicht vom Himmel.

Einige Fans fokussierten ihre Kritik ­zwischenzeitlich auf den Vorstand …

Werner Spinner:
Für die sportlichen ­Belange haben wir erfahrene Führungskräfte, denen wir vertrauen und auf die wir uns verlassen müssen. Die Haupt­verantwortlichen für die entstandene sportliche Situation sind nicht mehr da. Aber klar ist auch: Wir führen einen Fußball-­Verein, da nehmen wir uns nicht aus, wenn es um die Analyse fußballerischer Probleme geht. Mit Armin Veh und Frank Aehlig werden wir darauf achten, nicht mehr so viel auf einzelne, unersetz­liche Personen zuzuschneiden. Zudem geht es darum, intern eine transparente, authen­tische Führungskultur zu etablieren und unseren direkten Austausch mit ­Mitgliedern und Fans weiter auszubauen. Wir werden zum Beispiel bei Mitgliedertreffen in den kommenden Wochen Rede und Antwort stehen.

Markus Ritterbach: Wenn wir Probleme und Hintergründe nachvollziehbar erläutern, stoßen wir auf viel Zustimmung und Verständnis für unsere Entscheidungen. Das gilt auch für die Gremien. Sowohl der Aufsichtsrat als auch der Beirat haben sich Ende vergangenen Jahres nach langen ­Sitzungen, in denen alle Themen auf den Tisch kamen, klar hinter uns gestellt. Es gibt keinen Ersatz für das persönliche ­Gespräch. 

Toni Schumacher:
Bei den regelmäßigen Treffen mit unseren Fanclubs zeigt sich immer, dass die FC-Fans reflektiert und fair im Umgang sind. Natürlich gab und gibt es in der aktuellen Situation viele ­kritische Fragen und es geht auch mal kontrovers zur Sache. Aber das ist gut und am Ende immer konstruktiv. Der Ton, den es teilweise im Internet gibt, verzerrt die Realität. So etwas haben wir noch bei ­keinem unserer Fanclubbesuche erlebt.

Dazu passt: Der FC hat sich Ende des ­Jahres sehr deutlich zu Anfeindungen gegen Mitarbeiter geäußert, auch die Vorfälle von Belgrad sind noch nicht aufgearbeitet. Manche Fans fragen sich, ob das Verhältnis zwischen Verein und Teilen der Ultragruppen endgültig beschädigt ist.

Werner Spinner: Die Gruppen wissen, dass wir immer dialogbereit bleiben werden, endgültig ist gar nichts – das haben wir in den guten Zeiten, die es in der Zusammenarbeit mit der aktiven Fanszene ja auch gab, leider gelernt. Seit 2012 haben wir sehr viel Zeit und Vertrauen in eine Einigung der Fanszene investiert. Dass wir im Sinne der übergroßen Mehrheit unserer Fans und Mitglieder darauf achten müssen, dass die Regeln eingehalten werden, ist aber ebenso selbstverständlich. Belgrad war der Tiefpunkt, das Werfen von Pyrotechnik in Richtung von Menschen verstößt sogar gegen die schriftliche Selbstverpflichtung der Ultra-Szene. Die Reaktionen waren deutlich und haben uns gezeigt, dass die Mehrheit der Fans das nicht ­toleriert. 

Toni Schumacher: Wir sollten nicht ­vergessen: Der 1. FC Köln hat mehr als 100.000 Mitglieder, rund 26.000 organisierte Fans in Fan-Clubs, 25.000 Dauer­karteninhaber, Hunderte große und kleine Sponsoren. Der harte Kern der Ultras mag der lauteste Teil unserer Fans sein, aber er spricht nicht für alle Fans. Sobald wir die Strafe der UEFA für die Vorfälle in Belgrad vorliegen haben, müssen wir überlegen, wie es weitergeht. 

Markus Ritterbach: Es stimmt, dass es zwischen uns und der aktiven Fanszene momentan einige kontroverse Themen gibt – von der Initiative „100 %“, mit der wir uns übrigens treffen werden, über die Stadionpläne bis hin zum Fehlverhalten einiger Fans und der Reaktion des Clubs darauf. Aber genauso muss man auch mal festhalten, dass die Themen und Fragen, die von den allermeisten unserer Fans und Mitglieder kommen, in eine ganz andere Richtung gehen. Das wichtigste Thema ist der Sport. Wir müssen deshalb aufpassen, dass wir vor lauter Rückschau und Auf­arbeitung nicht aus den Augen verlieren, worum es geht. Nämlich darum, den ­Abstieg zu verhindern. Darauf sollten wir uns alle konzentrieren: Wir als Verantwortliche, die Mannschaft, die Fans. Es geht um den Klassenerhalt, nicht um ­Eitelkeiten und persönliche Interessen. 

Und was wäre, wenn der FC trotzdem absteigt?

Werner Spinner: Armin Veh und Alexander Wehrle planen mit ihren Teams nüchtern und realistisch, im Zweifelsfall geht es ­darum, für einen direkten Wiederaufstieg gerüstet zu sein. Der FC hat einen Plan B auf einer soliden wirtschaftlichen Basis, darauf kann sich jeder verlassen, und das ist ein wichtiger Unterschied zu der Situation, in der wir den Club 2012 übernommen haben. Aber wir sind nicht bereit, schon aufzugeben. 

Toni Schumacher: In der Vorrunde ist ­alles gegen uns gelaufen, was gegen uns laufen konnte. Von der Verletzungsmisere bis zum Videoschiedsrichter. Warum sollte es in der Rückrunde nicht genau anders rum sein? Die Mannschaft will unbedingt die Hinrunde korrigieren, wir haben drei der vier ersten Spiele in der Rückrunde zu Hause. Klar werden wir auch Glück brauchen, aber da gilt die alte Maxime: Glück muss man sich erarbeiten. Also ­arbeiten wir. Mit Leidenschaft. Wir nehmen den Kopf hoch und kämpfen bis zum ­Umfallen.

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Tabelle

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PL. Verein Pkt.
1 1. FC Köln 0
1 Hamburger SV 0
1 Holstein Kiel 0

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