Frauen | 08.06.2020

Zweite FC-Frauenmannschaft ist Meister

Aufstieg bei Klassenerhalt

Die Zweite Frauenmannschaft des 1. FC Köln ist Meister der Regionalliga West. Doch der Aufstieg in die 2. Bundesliga ist nicht sicher. Voraussetzung ist, dass die FC-Frauen den Klassenerhalt in der FLYERALARM Frauen-Bundesliga schaffen. Spannende Wochen stehen bevor.

Bierduschen. Knallende Sektkorken. Schlagermusik. Jubelnde Spielerinnen und Konfetti. In etwa so stellt man sich eine Meisterfeier vor. Ungefähr so ist es im Fußball seit Jahrzehnten Brauch. Doch nicht im Mai 2020. Nicht in Zeiten von Corona. „Es war seltsam“, sagt Yasmin Pietsch, Kapitänin der 2. Frauenmannschaft des 1. FC Köln, mit ein paar Tagen Abstand. 21 Spielerinnen saßen vor ihren Laptops oder an ihren Smartphones – jede für sich, jede allein zu Hause. Und so wurden sie Meister. 

Meister nach Saison-Abbruch

Am so genannten Grünen Tisch hatte der Westdeutsche Fußballverband entschieden, die Frauen-Regionalliga-West aufgrund der Corona-Pandemie abzubrechen und die 2. Frauenmannschaft des 1. FC Köln als Spitzenreiter zum Meister zu erklären. Pietsch sagt offen: „Es wurde schon gemunkelt, dass es so kommen könnte. Wenn ich ehrlich bin, fühlt es sich nicht so richtig wie eine Meisterschaft an.“ „Die Emotionen haben gefehlt“, sagt auch Gerd Orzeske, Cheftrainer der 2. FC-Frauen. „Das, was normalerweise auf dem Rasen passiert, wenn man Meister wird, ist mit der Entscheidung am Grünen Tisch nicht zu vergleichen. Wir lieben den Fußball schließlich für die Emotionen auf dem Platz.“ 

Mit Stolz erfüllt ihn das Erreichte dennoch. „Wir standen vor der Corona-Pause zurecht an der Spitze“, sagt Pietsch. Der Vorsprung auf den Zweitplatzierten Borussia Bocholt betrug bei Saison-Abbruch vier Punkte, die Partie in der Hinrunde gewann der FC mit 3:2. Zudem waren die 2. Frauen Herbstmeister. Vor der Saison-Unterbrechung hatten sie die SpVg Berghofen, zu Saisonbeginn als Aufstiegsfavorit gehandelt, mit 2:1 und 4:0 besiegt. „Wir wollten oben mitspielen und unter den ersten Vier landen“, sagt Orzeske. „Meister zu werden und eventuell in die 2. Bundesliga aufzusteigen, war nie ein klar formuliertes Ziel. Aber wir haben es geschafft – und das ist fantastisch.“

Meisterschaft als Belohnung für stetige Entwicklung

Vor rund zwei Jahren wechselte Gerd Orzeske als Trainer vom GSV Moers zum FC. Die 2. Frauenmannschaft war gerade aus der 2. Bundesliga abgestiegen, einige Spielerinnen hatten den Verein verlassen. Orzeske übernahm ein sehr junges Team, viele Talente aus der eigenen U17 kamen hoch. Zahlenmäßig stand ihm ein überschaubarer Kader zur Verfügung. Dennoch erinnert er sich gerne zurück: „Im ersten Jahr ging es nur darum, den Klassenerhalt in der Regionalliga zu schaffen und eine Mannschaft zu formen, mit der man im darauffolgenden Jahr oben mitspielen kann.“ Dieser Weg war bewusst gewählt, um verheißungsvolle Talente weiterzuentwickeln. Kleinere Rückschläge, die es gab, waren einkalkuliert. „In der ersten Regionalliga-Saison nach dem Abstieg haben wir teilweise echt auf die Mütze bekommen. Aber die Mädels waren fleißig. Wir sind den Weg über insgesamt zwei Jahre kontinuierlich und erfolgreich gegangen“, sagt Orzeske.

Die Regionalliga-Spielzeit 2018/19 beendeten die 2. Frauen auf dem achten Tabellenplatz mit neun Punkten Vorsprung auf die Abstiegsränge. Der Grundstein war gelegt, der Umbau gut angelaufen. Mit einer nach wie vor sehr jungen Mannschaft, zu der aber auch eine Handvoll erfahrene Spielerinnen wie die 28-jährige Yasmin Pietsch oder die zwei Jahre jüngere Pia Knobloch zählen, machten sich die 2. Frauen in dieser Saison auf, ganz vorne mitzuspielen. Für seine Führungsspielerinnen findet Orzeske lobende Worte: „Wenn man bei den Frauen auf die 30 zugeht, ist das etwas anderes als im Männerfußball. Yasmin war aufgrund ihrer Präsenz und fußballerischen Klasse ganz wichtig. Sie hat die Mannschaft geführt und angetrieben. Ich würde fast behaupten, sie war nicht zu ersetzen. Pia hat Zweitliga- und sogar Bundesligaerfahrung. Zu ihr konnten die jungen Spielerinnen aufschauen.“

Verheißungsvolle Talente

In der Innenverteidigung hatte die erst 17-jährige Lina Vianden großen Anteil daran, dass der FC mit nur 13 Gegentoren die beste Defensive der Liga stellte. „Lina sehe ich mit ihren Fähigkeiten mindestens eine Etage höher, auf jeden Fall im Kader der 1. Frauenmannschaft. Für mich ist sie die beste Innenverteidigerin der Regionalliga. Sie hat tolle Anlagen und gewinnt fast jeden Zweikampf“, sagt Orzeske. Auch Außenverteidigerin Antonia Langshausen, ebenfalls erst 17 Jahre alt, traut er den Sprung in die Bundesliga zu. „Sie ist technisch versiert und unheimlich schnell, auch handlungsschnell. Da wächst beim FC viel Gutes heran.“

Ligaunabhängig stehen zur neuen Saison wieder viele personelle Veränderungen an, da die 2. Frauenmannschaft zu einer U20 wird. In der 2. Bundesliga wäre das Pflicht, doch der FC hat sich dazu entschieden, diese Strategie auch im Falle einer weiteren Regionalliga-Saison umzusetzen. 

Daher wird auch Yasmin Pietsch den Verein verlassen. „Mir wurde es parallel zum Beruf ohnehin zu viel“, sagt sie, und fügt an: „Es fühlt sich schon ein bisschen wie Abschied an. Von daher glaube ich, dass es der gesamten Mannschaft sehr wichtig wäre, nochmal gemeinsam zu feiern. In dem Rahmen, wie es die Corona-Krise zulässt.“ Mannschaft und Trainerteam wollen den Ausgang in der FLYERALARM Frauen-Bundesliga abwarten. Orzeske sagt: „Wir haben eine WhatsApp-Gruppe, in der nach wie vor alle drin sind. Alle warten gespannt darauf, ob der Aufstieg klappt – ob es in die 2. Bundesliga geht.“

Aufstieg nur bei Klassenerhalt der 1. Frauen 

Denn das Schicksal der 2. Frauenmannschaft des FC hängt entscheidend vom Abstiegskampf der 1. Frauen ab. In der FLYERALARM Frauen-Bundesliga steht das Team von Trainer Sascha Glass aktuell auf einem Abstiegsrang. Der Rückstand auf das rettende Ufer beträgt jedoch nur zwei Punkte. Am Mittwoch könnte das Team mit einem Sieg im Nachholspiel gegen Schlusslicht USV Jena sowohl Leverkusen als auch Duisburg zumindest vorübergehend überholen und sich eine gute Ausgangsposition für die Endphase sichern. Die 2. Frauenmannschaft drückt jedenfalls fest die Daumen. „Wir alle hoffen, dass die 1. Frauen die Klasse halten und wir den Aufstieg feiern können. Vor allem unsere jungen Spielerinnen, die zum ersten Mal in die 2. Bundesliga aufsteigen würden, wünschen sich den Aufstieg sehr“, sagt Pietsch.

Sollte der Wunsch in Erfüllung gehen, knallen die Sektkorken bestimmt. Und zwar bei beiden Frauenmannschaften des FC.

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Tabelle

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Gesamttabelle
PL.VereinPkt.
131. FSV Mainz 0537
141. FC Köln36
15FC Augsburg36