Profis | 22.08.2019

Interview im GeißbockEcho

Beierlorzer: „Ich nehme mich nicht so wichtig“

Achim Beierlorzer hat klare Prinzipien und Erwartungen – nicht nur an seine Mannschaft und den Fußball, sondern auch an sich selbst. Der neue FC-Cheftrainer über seinen ­Werdegang, seine Familie und Authentizität im Profifußball.

Achim Beierlorzer, nach dem Pokal-Krimi in Wiesbaden hast du in Wolfsburg dein Bundesliga-Debüt erlebt. Wie fällt dein Fazit bislang aus?
Dass das Pokalspiel in Wiesbaden kein Selbstläufer wird, war uns allen klar. Als Bundesligist gegen einen Zweitligisten anzutreten, der schon zwei Spieltage absolviert hat, ist eine große Hürde. Es hat ja wieder einmal Beispiele gegeben, dass Bundesligisten ­gegen unterklassige Mannschaften ausgeschieden sind. Daher bin ich froh, dass wir eine Runde weitergekommen sind. Der Start in die Bundesliga verlief besser, als es das Ergebnis widerspiegelt. Wir können insgesamt besser spielen, aber wir waren nicht so weit weg. Es war eine unnötige Niederlage. Um etwas Zählbares mitzunehmen, hätten wir manche Dinge einfach besser machen müssen. Das Passspiel in die Spitze hätte präziser sein müssen, und wir hätten manche Ballverluste vermeiden müssen. Wenn wir diese Dinge angehen und verbessern, dann sehe ich uns auf einem sehr guten Weg.

Nicht nur für dich war es das erste Bundesligaspiel. Sieben ­Spieler haben in Wolfsburg debütiert. Welchen Eindruck ­hast du gewonnen?
Es ist schon ein anderes Spiel in der Bundesliga. Hier sind das Tempo und die Intensität deutlich höher als in der 2. Bundesliga. Daran muss man sich gewöhnen. Das Niveau, das jetzt verlangt wird, müssen wir alle permanent abrufen. Ich sehe darin aber kein Problem. Nur: Die Anpassung muss jetzt schnell vonstattengehen. Dann können und werden wir diese Spiele auch auf ­unsere Seite ziehen.

Wie bist du in Köln und beim FC aufgenommen worden?
Toll. Sowohl die Fans als auch der Verein, die Mannschaft und die Verantwortlichen haben es mir sehr einfach gemacht. Es hätte mich aber, aufgrund der Vorgespräche, auch sehr gewundert, wenn es nicht so wäre. Allerdings haben die positive Resonanz und die Euphorie der Fans am Geißbockheim und auch in den ­Trainingslagern meine Erwartungen übertroffen. Da merkt man einfach, welche Wucht der FC auch überregional hat. Schon nach kurzer Zeit hatte ich das Gefühl, angekommen zu sein. Dabei war sicher hilfreich, dass ich schnell eine Wohnung gefunden habe.

Du bist zunächst alleine, also ohne deine Frau Steffi und deine Kinder nach Köln gekommen.
Mein jüngster Sohn Luca ist 16 Jahre alt, macht nächstes Jahr ­Abitur und wohnt entsprechend noch zu Hause. Da muss meine Frau sich schon noch kümmern (lacht). Natürlich kann er auch schon ein paar Tage alleine zu Hause bleiben. Zuletzt war meine Frau in Köln und wird es auch künftig gelegentlich sein. Da kann Luca schon mal in die Selbstständigkeit hineinwachsen. Meine Tochter Jule ist 20 und mein ältester Sohn Tim ist 24 Jahre alt. Die stehen auf eigenen Füßen. Familie ist für mich unheimlich wichtig. Aber in meinem Job ist eine gewisse räumliche Trennung zeitweise unumgänglich. Trotzdem ist Familie für mich immer ein wichtiger Rückzugsort. Besonders oder gerade in stressigen Phasen gibt mir meine Familie Halt und Fokus auf das Wichtigste im Leben. Alles, was meine Karriere angeht, bespreche ich zuerst mit der Familie.

Du bist als Jüngster von insgesamt neun Geschwistern aufgewachsen. Welche Rolle hat der Fußball in der Familie Beierlorzer gespielt?
Fußball hat bei uns DIE entscheidende Rolle in der Familie gespielt. Natürlich waren die damaligen Gegebenheiten mit lediglich drei Fernsehprogrammen und wenig bis keiner Unterhaltungselektronik andere, aber wir haben in jeder freien Minute Fußball gespielt. Der TSV Neunkirchen, unser Heimatverein, hat damals Bezirksliga gespielt – zur damaligen Zeit war das die fünfthöchste Liga. Zeitweise haben drei meiner vier älteren Brüder gleichzeitig in der ersten Mannschaft gespielt. Als mein Bruder Bertram dann in Nürnberg Profi geworden ist, sind wir alle nach Nürnberg gefahren, um die Spiele zu schauen.

War für dich der Profifußball schon immer das Ziel, das du beruflich erreichen wolltest?
Als Spieler zu Beginn auf jeden Fall. Wenn dein Bruder Profi wird und du es dann auch in die Kreis- und Bezirksauswahl und später über Nürnberg in die Bayernauswahl schaffst, dann willst du das auf jeden Fall. Wir sind mit der Nürnberger A-Jugend Deutscher Vizemeister geworden und haben im Finale gegen Leverkusen verloren. Das weckt den Ehrgeiz umso mehr. Irgendwann habe ich aber auch selbst gemerkt, dass es hier und da nicht reicht. ­Damals gab es ja auch noch keine Berater, die einen vielleicht ­woanders hätten hin vermitteln können.

Das komplette Interview mit Achim Beierlorzer gibt es hier oder in der GeißbockEcho-App für Apple und Android.

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14 FC Augsburg 4
15 1. FC Köln 3
16 1. FSV Mainz 05 3

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