Profis | 29.11.2017

FC-Debütant

Bissecks Abenteuer

Mit seinem Einsatz gegen Hertha BSC wurde Yann Aurel Bisseck zum jüngsten FC-Spieler der Vereinsgeschichte. Der Abwehrspieler aus dem FC-Nachwuchs erlebt aufregende Wochen. Noch im Oktober hat er sich gemeinsam mit Nachwuchsspieler Dominik Becker bei der U17-WM in Indien mit den besten Nationalteams der Welt gemessen.

66.600 Zuschauer im Stadion von Kalkutta, Flutlicht, Deutschland gegen Brasilien, Viertelfinale der U17-WM: Yann Aurel Bisseck und Dominik Becker gehen die letzten Stufen der Treppe hinauf, die aus den Katakomben auf den Platz führt. Die beiden Nachwuchsfußballer, die in der U19 des FC spielen, stehen vor der wichtigsten Partie ihrer noch jungen Karriere. Ein kurzer Moment der Stille, dann ertönt die deutsche Nationalhymne. „Die Atmosphäre war der Wahnsinn. Es war eine geile Erfahrung, vor so vielen Menschen ins Stadion einzulaufen“, erinnert sich Dominik Becker. Was folgte, war eine dramatische Partie.  

Die Geschichte beginnt jedoch drei Wochen vorher, am 30. September. An jenem Samstagvormittag flogen Deutschlands beste Fußballer des 2000er-Jahrgangs inklusive der beiden FC-Spieler Dominik Becker und Yann Aurel Bisseck von Frankfurt über Doha nach Goa, einem Urlaubsparadies an der mittleren Westküste Indiens, knapp 7.000 Kilometer entfernt von der Heimat. Dort bereitete sich die deutsche Junioren-­Nationalmannschaft umgeben von ­Palmen, Strand und rauschendem Meer auf ihre ersten beiden Vorrundenpartien gegen Costa Rica und den Iran vor und gewöhnte sich an die Umstände. Neben der Zeitumstellung machten den Spielern vor allem die Temperaturen von über 30 Grad und die hohe Luftfeuchtigkeit zu schaffen. Becker sagt: „Schon nach kurzen Spaziergängen oder dem Aufwärmprogramm ­waren wir nass geschwitzt.“  

Doch die U17-Fußballer passten sich den klimatischen Gegebenheiten gut an. „Wir wollten das nicht als Ausrede nehmen, auch wenn man gemerkt hat, dass die Umstellung für Länder wie Costa Rica nicht so groß war. Die Costa Ricaner haben während des Spiels nicht einmal eine Trinkpause genommen“, sagt Yann Aurel Bisseck lachend. „Aber unser Team hat dagegengehalten und es ganz gut hin­bekommen.“ Trotz der tropischen Bedingungen besiegten die deutschen U17-Fußballer die Auswahl Costa Ricas dank eines Last-Minute-Treffers mit 2:1. Die beiden FC-Talente standen allerdings nicht in der Startelf. Während Ver­teidiger Dominik ­Becker in der 62. Minute eingewechselt wurde, kam Yann Aurel ­Bisseck nicht zum Einsatz. Auch im zweiten Gruppenspiel saß der 1,94 Meter große ­Defensiv-Allrounder mit kamerunischen Wurzeln auf der Bank. Becker spielte über die volle Distanz, konnte die überraschend hohe 0:4-Niederlage gegen den Iran aber auch nicht verhindern. Becker sagt: „Der Wille und der kämpferische Einsatz der ­Iraner war extrem hoch. Viele dieser ­Spieler kommen aus armen Verhältnissen und haben die WM als Chance gesehen, sich zu präsentieren und aus der Armut herauszukommen. Das war in jedem ­Zweikampf spürbar.“ 

So bitter dieser Rückschlag für die DFB-Elf auch war, für Bisseck hatte er etwas Gutes: In der entscheidenden dritten Partie gegen Guinea sollte er die zuvor wackelige ­deutsche Defensive stabilisieren – und so standen erstmals beide FC-Spieler in der Anfangsformation. „Ich habe auf meine Chance gewartet und im Training alles ­gegeben. Als es dann soweit war, habe ich es ganz ordentlich gemacht“, sagt Bisseck. Die Jungs vom Geißbockheim trugen beim 3:1-Erfolg über Guinea maßgeblich zur ­defensiven Sicherheit der deutschen U17 bei, sodass Bundestrainer Christian Wück auch im Achtelfinale gegen Kolumbien an ihnen festhielt.  

Hatte das Spiel gegen Guinea noch im ­südindischen Kochi stattgefunden, ging die Reise vor dem ersten K.o.-Spiel weiter nach Neu Delhi. Dreieinhalb Stunden ­dauerte der Flug in die Hauptstadt Indiens. Auf dem Spielfeld ließ sich die DFB-Elf von den Reisestra­pazen nichts anmerken und feierte einen 4:0-Kantersieg über Kolumbien. Nach der Partie strahlte einer besonders Yann Aurel Bisseck. Kurz vor der Halbzeit hatte er per Kopf zur wichtigen 2:0-Führung getroffen, wusste zunächst aber nicht, dass der Ball im Tor war. Bisseck hatte sich bei der Aktion leicht am Kopf verletzt und war zu Boden gegangen. Erst als die jubelnden Mitspieler zu ihm rannten, um ihm zu ­gratulieren, realisierte er sein Glück. „Es war mein erstes Länderspieltor. Ein unbeschreibliches Gefühl.“

Vor dem Viertelfinalspiel gegen Brasilien erhielten beide FC-Spieler etliche Nachrichten, in denen ihnen viel Glück ­gewünscht wurde. Doch am Ende scheiterten die deutschen U17-Fußballer in ­einer hochklassigen Partie am WM-Mit­favoriten. Nach einer starken ersten Hälfte und einer verdienten 1:0-Pausenführung der Deutschen drehten die Brasilianer im zweiten Durchgang auf und erzielten ­binnen sieben Minuten zwei Tore. Der ­Titelraum des DFB-Teams war geplatzt, die Trauer kurz nach Abpfiff riesig. „Viele Spieler sind in Tränen ausgebrochen und ich gebe zu, ich habe auch geweint“, sagt Bisseck. „Aber am Abend saßen wir noch lange zusammen, haben miteinander ­geredet und die Stimmung wieder auf­gehellt. Wir gehören in unserem Jahrgang zu den besten acht Nationen der Welt. Das ist nichts, worüber man traurig sein muss.“

Mittlerweile sind die beiden zurück in Köln. Zeit, sich auf die Zukunft zu konzentrieren. Becker sagt: „Es ist unser großer Traum, beim FC Profi zu werden.“ Beide Talente sind im Verein fest verwurzelt. ­Bisseck ist sogar gebürtiger Kölner und spielt schon seit der U8 für den FC. „Da wird man automatisch Fan, weil es ein geiler Verein mit einer geilen Atmosphäre ist“, sagt er. Beide wollen sich beim FC für noch höhere Aufgaben empfehlen. „Das Wichtigste ist jetzt der Verein, denn man wird im Club Profi und nicht in der Nationalmannschaft.“ Yann Aurel Bisseck hat mit seinem Debüt gegen Hertha den ersten Schritt bereits gemacht.

Dieser Artikel ist im GeißbockEcho 5 der Saison 2017/18 erschienen. Jetzt die GeißbockEcho-App im iTunes App Store oder Google Play Store herunterladen. 

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PL. Verein Pkt.
1 Hamburger SV 27
2 1. FC Köln 24
3 1. FC Union Berlin 23

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