Profis | 16.04.2020

FC-Verteidiger im Interview

Ein Anruf bei: Seb Bornauw

Beim 1. FC Köln wird weiterhin nur stark eingeschränkt trainiert – ansonsten verbringen die Spieler große Teile ihres Alltags zu Hause. Sebastiaan Bornauw spricht im Telefoninterview über Fußball ohne Zweikämpfe, Geburtstagsfeiern via Facetime und seinen neuen Mitbewohner.

Hallo Seb, wie war das Training heute?

Gut. Ich bin einfach froh, wieder auf dem Platz zu sein. Ohne Zweikämpfe und Körperkontakt Fußball zu spielen ist ein bisschen seltsam – aber besser, als alleine im Wald Laufen zu gehen.

Gerade du als Verteidiger vermisst es doch sicher, mal einen Gegenspieler ordentlich umzugrätschen?

Natürlich, das ist ja das, was ich am liebsten mag am Fußball. Die direkten Duelle, Mann gegen Mann. Ich bin ja bewusst Fußballer geworden und nicht Langstreckenläufer (lacht). Es ist schon sehr anders alles im Moment und mir fehlen der Kontakt und die Spiele, selbst die im Training, ob Fünf gegen Fünf oder Elf gegen Elf. Trotzdem ist das aktuelle Training ganz gut. Die Trainer versuchen, immer wieder kleine Herausforderungen einzubauen. Übungen, bei denen man zum Beispiel den Ball aus der Distanz in kleine Tore passen muss, jemand anderes aber das Tor verteidigen darf. Oder Torschusswettkämpfe. Oder so eine Art Curling: Auf dem Rasen werden eng nebeneinander mehrere Felder mit verschiedenen Nummern aufgemalt und das Ziel ist es, einen Pass zu spielen, bei dem der Ball in einem Feld mit möglichst hoher Nummer liegen bleibt.

Bist du eigentlich wieder ganz fit? Zuletzt, vor der Corona-bedingten Pause, hast du ja verletzt gefehlt.

Das ist das einzig Positive an der Pause: Dass ich Zeit hatte, in Ruhe fit zu werden und meine Kondition wieder ganz aufzubauen. Ich bin wieder komplett fit.
 

Allerdings ist noch immer unklar, wann wieder gespielt werden kann. Wie gehst du mit dieser Ungewissheit um?

Ich hoffe, dass wir so schnell wie möglich wieder spielen können. Es ist schon eine komische Situation. Aber ich hatte mit 17 einen Wirbelbruch, wegen dem ich fünf Monate ausgefallen bin, und als kleinerer Junge Wachstumsprobleme – daher kenne ich es, monatelang nicht zu spielen und weiß sehr zu schätzen, zumindest trainieren zu können. Ich kann jeden Tag auf dem Platz stehen und mich auf Dinge fokussieren, in denen ich besser werden möchte. Wir arbeiten anders als normalerweise, aber wir arbeiten. Das ist das Wichtigste und ein Privileg. Wir wissen nicht, wann die Saison weitergeht. Aber wir müssen uns auf den Moment vorbereiten, wann immer es soweit ist. 

In deiner Heimat Belgien ist die Saison abgebrochen worden.

Ja, zumindest haben sie das bekannt gegeben, aber ich glaube, die UEFA ist damit gar nicht einverstanden. Man muss allerdings dazu sagen, dass in Belgien die reguläre Saison fast vorbei war, es fehlte bloß noch ein Spieltag, dann hätten die Playoffs begonnen. Und der FC Brügge, der jetzt zum Meister erklärt wurde, hätte den Titel meiner Meinung nach ohnehin gewonnen.

Wie wird in Belgien grundsätzlich mit dem Coronavirus umgegangen?

So ähnlich wie in Deutschland. Obwohl wir hier nach meinem Gefühl sogar noch etwas mehr Freiheiten haben. Vor ein paar Wochen (am 22. März, Anm. d. Red.) hatte ich Geburtstag und meine Freundin einen Tag vor mir. Normalerweise hätten uns unsere Eltern besucht, aber sie hatten die Sorge, dass sie nicht aus Deutschland hätten zurückfahren dürfen. Ich kenne die Rechtslage nicht genau, aber so war ihr Bauchgefühl, weil es in Belgien doch recht strenge Verbote gibt. Wir haben dann via Facetime zusammen angestoßen. Meine Eltern mit Sekt, meine Freundin mit Wein – und ich mit Wasser.  

Wenn du nicht beim Training bist oder Geburtstag feierst, wie verbringst du dann derzeit die Tage?

Ich beschäftige mich viel mit meinem Hund. Er heißt James und ist vier Monate alt. Meine Freundin und ich haben uns schon lange einen Hund gewünscht und ihn dann paar Tage vor den Corona-bedingten Einschnitten bekommen. Er ist ein Toy Pudel. Wir wollten einen kleinen Hund und diese Hunderasse ist angeblich die zweitklügste nach den Border Collies. Ich habe den Eindruck, dass er wirklich schnell lernt. Er kann schon Sitz, Platz und Pfötchen geben. Aber manchmal springt er noch aufs Sofa, um Aufmerksamkeit zu bekommen und er macht auch noch hin und wieder in die Wohnung. Daran arbeiten wir noch. 

Wie sieht’s mit deinem Hobby Klavierspielen aus?

Das mache ich momentan echt viel, jeden Tag bestimmt eine Stunde lang. Ich habe mir jetzt ein Klavier angeschafft, das man mit dem Tablet verbinden kann. Man wählt ein Lied aus und es leuchten immer genau die Tasten, die man in dem Moment spielen muss. Dazu schaue ich mir Videos an, wo gezeigt wird, mit welchen Fingern man welche Note spielt. So lerne ich. Man muss dafür nicht mal Noten lesen können – obwohl ich das kann, ich war mal in der Musikschule. Aber so muss ich nicht so viel nachdenken und kann einfach drauflos spielen.

Was für Musik spielst du gerne?

Vor allem klassische Stücke, die man aus Filmen kennt. Lieder wie „River Flows in You“ aus Twilight oder „Una Mattina“ aus Ziemlich beste Freunde. Gerade lerne ich „My Heart Will Go On“ von Celine Dion.

Singst du auch dazu?

(lacht) Nein, da würde es sofort anfangen zu regnen und mein Hund würde durchdrehen. 
 

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Gesamttabelle
PL.VereinPkt.
10FC Schalke 0437
111. FC Köln34
12Eintracht Frankfurt32