Club | 28.05.2016

FC international

Ein Auge weinte

Vor 30 Jahren erreichte der FC zum ersten und bisher letzten Mal ein europäisches Finale. Die lang ersehnten Endspiele gegen Real Madrid wurden jedoch von einer umstrittenen Entscheidung überschattet.

National hat der 1. FC Köln alles gewonnen, was ein Fußballverein hierzulande gewinnen kann. International aber reichte es nie zum ganz großen Wurf. Dabei war der FC einem Triumph im Europacup mehrmals sehr nah. 1979 zum Beispiel, als man im Europapokal der Landesmeister bis ins Halbfinale kam und erst am späteren Cupsieger Nottingham Forest scheiterte. Oder 1981: diesmal Uefa Cup, wieder Halbfinale, wieder ein britischer Gegner (Ipswich Town) – und wieder eine Niederlage. Aber so knapp wie 1986 war es nie. Bis ins Uefa-Pokalfinale kam der 1. FC Köln damals und musste sich nach Hin- und Rückspiel Real Madrid geschlagen geben. Genau 30 Jahre ist das jetzt her.


Der Wimpel vom UEFA-Cup-Finale zwischen Real Madrid und dem FC aus dem Jahr 1986

Auf dem Weg ins Endspiel des Wettbewerbs, der seit einer grundlegenden Reform im Jahr 2009 Europa League heißt, stand dem FC damals kein britischer Club im Weg. Nach einem 0:0 in Köln sorgte ein 2:1-Erfolg bei Sporting Gijon für den Einzug in die zweite Runde. Da ließ sich auch die Tatsache verschmerzen, dass die FC-Spieler von einem Teil des spanischen Publikums während der Begegnung permanent mit Zitronen beworfen wurden und dass Paul Steiner vom Schiedsrichter verwarnt wurde, als er eine der Südfrüchte zurückwarf.

Nächste Destination des kölschen Europatrips war Prag. Den Grundstein zum Erreichen des Achtelfinales hatte der FC mit einem 4:0 über Bohemians schon vor eigenem Publikum gelegt, in der goldenen Stadt behielt man mit 4:2 die Oberhand.

In der Runde der letzten 16 gab es die erste Niederlage. Gegen die Schweden von Hammarby IF verlor der FC im mit einer Rasenheizung ausgestatteten Stockholmer Rasunda-Stadion mit 1:2. Das Rückspiel in Müngersdorf hätte fast abgesagt werden müssen, da sich dichter Nebel und frostige Temperaturen über die kalte Betonschüssel gelegt hatten. Dieter Grauer, der damalige Leiter des Kölner Sport- und Bäderamtes, ließ kurzerhand riesige Öllampen an den Ecken der Arena aufstellen und sorgte damit tatsächlich für freie Sicht. Die 14.000 Unentwegten auf den Rängen zitterten buchstäblich ums Weiterkommen, wurden aber durch den 3:1-Sieg erwärmt.

Nachdem im Viertelfinale auch die Hürde Sporting Lissabon genommen war, hieß der Gegner im Halbfinale KSV Waregem. Sportlich hatte der FC weder beim 4:0 zu Hause noch beim 3:3 in Belgien größere Probleme. Allerdings sollten Vorkommnisse rund um das Rückspiel in Kortrijk von entscheidender Bedeutung für das folgende Finale sein. Laut übereinstimmenden Zeitzeugenaussagen kam es vor und im Gästeblock zu zahlreichen Provokationen durch Ordner und Polizeikräfte. FC-Fans ihrerseits zündeten Feuerwerkskörper und zettelten Schlägereien an. Nicht wenige der 3.000 mitgereisten Kölner erlebten den Schlusspfiff nicht im Stadion, da die Polizei zahlreiche Anhänger abführte.

Die Ereignisse in Belgien hatten fatale Folgen. Die Uefa belegte den FC für das Finale mit einer Platzsperre und der Auflage, das Spiel mindestens 350 Kilometer von Köln entfernt auszutragen. Natürlich ging der FC gegen dieses Urteil in Berufung – jedoch ohne Erfolg. Nicht nur finanziell – die Einnahmeverluste beliefen sich auf mehr als zwei Millionen D-Mark – kam das einer Katastrophe gleich: Der 1. FC Köln musste sein lang ersehntes erstes Europapokalendspiel fernab der kölschen Heimat austragen.

Das Hinspiel in Madrid verlor der FC deutlich 1:5.

Zunächst ging es aber zum Hinspiel nach Madrid. Dort wurden die FC-Profis mit eher ungewöhnlichen Geschenken begrüßt, erhielten sie doch von den Gastgebern jeweils einen mit dem Real-Logo verzierten Aschenbecher. Auch im Estadio Santiago Bernabeu begann Real großzügig, Kapitän Klaus Allofs brachte den FC nach einer knappen halben Stunde mit 1:0 in Führung. Doch noch vor der Pause drehte der spanische Rekordmeister die Partie. Nach dem Seitenwechsel lief beim FC nichts mehr zusammen, sodass am Ende eine bittere 1:5-Niederlage stand.

Für das Rückspiel hatten die FC-Verantwortlichen als alternativen Austragungsort Berlin gewählt. Doch obwohl mit Thomas Häßler und Pierre Littbarski zwei gebürtige Berliner im Kader standen, nahm man an der Spree kaum Notiz davon, dass in der Stadt ein europäisches Endspiel ausgetragen wurde. Die FC-Spieler verteilten sogar Rosen auf dem Kurfürstendamm, doch die Ticketverkäufe kurbelte das nur unwesentlich an. Gerade einmal 16.185 zahlende Zuschauer verloren sich am 6. Mai 1986 im riesigen Berliner Olympiastadion. Sie sahen einen 2:0-Sieg des 1. FC Köln durch Tore von Uwe Bein und Ralf Geilenkirchen, der bei besserer Chancenverwertung sogar noch höher hätte ausfallen können. Belohnt wurde der aufopferungsvolle Kampf nicht – den Pott nahmen die Madrilenen mit nach Spanien.

Trotz des 2:0-Sieges im Rückspiel ging der Pott an Real. Kurios: Das Rückspiel fand im Berliner Olympiastadion statt.

„Das linke Auge lacht, das rechte Auge weint“, resümierte FC-Trainer Georg Keßler und fügte an: „Unser 2:0 fiel zu spät. Unsere Niederlage begann aber schon mit dem Skandalurteil der Uefa in Zürich, das uns zum zweiten Endspiel nach Berlin verbannte.“ Im Teamhotel „Schweizer Hof“ zog Vizepräsident Karl-Heinz Thielen anschließend ein versöhnliches Fazit: „Wir haben keinen Grund zur Traurigkeit. Vielmehr sind wir sehr stolz darauf, überhaupt in diese Endspiele gekommen zu sein. Für diese Leistung verdient unsere Mannschaft großen Respekt.“

Trotz Reals zahlreicher Titel hat man die denkwürdigen Vergleiche mit dem FC auch in Madrid nicht vergessen: Ein FC-Trikot aus dem Endspiel ist neben dem Uefa-Pokal im Real-Museum ausgestellt.

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1. FC Köln Real Madrid
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PL. Verein Pkt.
1 Hamburger SV 34
2 1. FC Köln 33
3 1. FC Union Berlin 28

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