Club | 31.05.2018

Von den Profis in den Nachwuchs

FC-Familie McKenna

Kevin McKenna war Spieler der FC-Profis. Jetzt ist er Co-Trainer, Ehemann und Vater von drei Söhnen. Mit seiner Verbundenheit zum 1. FC Köln hat er längst seine gesamte Familie angesteckt.

Kevin McKenna kennt den FC in- und auswendig. Sieben Jahre lang spielte der Kanadier für den 1. FC Köln, zweimal stieg er in dieser Zeit in die Bundesliga auf. Er ging mit seiner kämpferischen Einstellung als Führungsspieler stets voran, sodass ihn die Fans trotz seiner robusten Spielweise als Fußballgott feierten. Nach seinem Karriereende blieb er dem Club treu und begann seine Trainerlaufbahn im Nachwuchsleistungszentrum als Co-Trainer der U19. Drei Jahre lang sammelte er Erfahrungen, bis der 38-Jährige in der abgelaufenen Saison auf die große Fußballbühne Bundesliga zurückkehrte. Aber nicht, weil es ihn gedrängt hätte, sondern weil der FC ihn brauchte. Stefan Ruthenbeck übernahm im Dezember 2017 als Cheftrainer die FC-Profis und zog Kevin McKenna und Markus Daun mit in den Trainerstab hoch. „Es war eine sehr lehrreiche Zeit für mich, auch wenn sie traurigerweise mit dem Abstieg endete. Wir haben versucht, alles aus den Jungs rauszuholen. Der Abstiegsdruck war für die Mannschaft die gesamte Saison hoch und am Ende hat wohl einfach die mentale Kraft gefehlt“, sagt McKenna. „Es ist traurig, Die Chance, in der Rückrunde an die Nichtabstiegsplätze heranzurücken, war mehrfach da. Aber ich bin mir sicher: Egal, wie oft der FC absteigt – er wird immer wiederkommen.“

Zukunft im NLZ
Auch Kevin McKenna kommt wieder. Ab der neuen Saison beginnt sein Anschlussvertrag im Nachwuchsleitungszentrum, er wird neuer Co-Trainer der U21 des 1. FC Köln. „Ich möchte helfen, junge Spieler weiterzuentwickeln. Mir war wichtig, dass nicht einer meiner Trainerkollegen seinen Job verliert, nur weil ich ins NLZ zurückkomme“, sagt McKenna, der die familiäre Atmosphäre am Geißbockheim verkörpert. Auch seine eigene Familie trägt den FC fest im Herzen. Zwei seiner Söhne spielen für die U12-Jugendmannschaft des 1. FC Köln: Keegan und Jordan. Owen, mit sieben Jahren sein jüngster Sohn, hat nicht viel für Fußball übrig. „Für mich war es super, mit meinen Jungs Fußball in der Einfahrt unseres Hauses zu spielen“, sagt McKenna. „Aber es ist auch völlig okay, wenn sie irgendwann kein Interesse mehr am Fußball haben. Es sind drei unterschiedliche Charaktere, die ihren eigenen Weg gehen müssen.“

Seinen Trainer-Ehrgeiz zu unterdrücken, wenn er sich die Spiele seiner Söhne am Geißbockheim anschaut, musste McKenna allerdings erst lernen. „Mittlerweile kann ich ihre Spiele in Ruhe genießen“, sagt McKenna lachend. „Am Anfang wollte ich sie ständig verbessern, aber ich habe gemerkt, dass ich sie in der Hinsicht nicht zu viel beeinflussen muss – sie sind beim FC in guten Händen und es ist wichtig, dass sie in erster Linie Spaß am Fußball haben.“

Für McKenna selbst war der Wille, stets zu gewinnen, ausschlaggebend für seine Karriere. „Die Einstellung hat mir auf meinem Weg geholfen und hat sich als Trainer auch nicht geändert“, sagt der Kanadier, der zu seiner aktiven Zeit für sein Nationalteam auflief. „Die Profizeit geht so schnell vorbei. Die letzten drei Jahre meiner Spielerkarriere konnte ich genießen. Als Spieler hat man häufig einen Tunnelblick, aber man muss sich klarwerden, dass die Zeit als Fußballprofi ein großes Geschenk ist.“ Nach seinem letzten Spiel beim 4:0-Sieg gegen den FC St. Pauli im RheinEnergie­STADION trug er seine Kinder auf dem Arm über den Rasen. Es war ein emotionaler Abschied, auch weil die FC-Spieler an diesem Tag die Schale der Meisterschaft der 2. Liga überreicht bekamen. Den Halt nach seinem Karriereende fand er bei seiner Familie. „Ich musste mein Leben neu ordnen, das war nicht einfach. Aber ich hatte mehr Zeit für meine Frau und meine Kinder.“

Mit Claudine ist Kevin McKenna schon zusammen, seit er 17 Jahre alt war. Er spielte damals beim FC Energie Cottbus und lernte sie in einem Deutsch-Kurs in der Schule kennen. Claudine war erfolgreiche Radsportlerin, gab ihren Sport aber für „Macka“ auf. Mittlerweile wohnen die McKennas nur ein paar Minuten vom Geißbockheim entfernt, in einem versteckten, unscheinbaren, aber gemütlichen Haus in Hürth. Im Garten steht ein großes Trampolin mit Basketballkörben, auf dem die Jungs sich täglich austoben. Im Keller hat Kevin McKenna die Trikots aufgehängt, die er als Spieler mit seinen Gegnern nach den Partien getauscht hat. Es sind ungefähr 150 und eine schöne Erinnerung.

Gefrühstückt wird im Hause McKenna morgens immer gemeinsam. Anschließend fahren Keegan und Jordan mit dem Fahrrad zur Schule, Owen mit seinem Tretroller. Kevin McKenna fährt ans Geißbockheim, um mit dem Trainerteam das Training vorzubereiten. Claudine arbeitet als Lehrerin nachmittags in der Hausaufgabenbetreuung an der Elsa­-Brändström-Realschule. Zu Hause spricht die Familie nur Englisch, es sei denn, es ist Besuch da.

Viermal in der Woche trainieren Keegan und Jordan mit ihrer Mannschaft nachmittags am Geißbockheim. Keegan ist schnell, wie sein Vater Defensivspieler und ein Linksfuß, Jordans starker Fuß ist rechts, er spielt häufig im rechten Mittelfeld. Ihre Vorbilder? „Lionel Messi, Mohamed Salah und unser Dad“, sagen sie. In der Nachwuchsabteilung spielt ihr Nachname keine Rolle. „Es ist schön zu sehen, wie sie sich entwickeln, aber es ist überhaupt nicht tragisch, wenn sie später nicht mehr Fußball spielen. Ich bin genauso stolz auf sie, wenn sie einen Bürojob haben oder als Polizist arbeiten“, sagt McKenna.

Ein großer Club
Für ihn wird die neue Saison nach dem Abenteuer in der Bundesliga ein Neuanfang im Nachwuchsleistungszentrum. Den Profis drückt er für den direkten Wiederaufstieg die Daumen. „Diese Saison war für mich als Trainer eine spannende und wertvolle Zeit“, sagt McKenna.  Größten Respekt hat er vor den Entscheidungen von Jonas Hector, Timo Horn, Marcel Risse und Marco Höger, mit dem FC in die 2. Liga zu gehen. „In der heutigen Zeit ist das nicht normal. Häufig spielt das Geld bei Verhandlungen die größte Rolle. Aber die Jungs identifizieren sich mit dem Club und möchten die schlechte Saison wieder ausbügeln“, sagt McKenna und kann ihre Verbundenheit aus eigener Erfahrung nachvollziehen. „Aus meiner Sicht haben sie die richtige Entscheidung getroffen. Auch wenn sie Angebote von großen Clubs vorliegen hatten –  sie sind bei einem großen Club geblieben.“

  • empfehlen

Tabelle

Menu
Gesamttabelle
PL. Verein Pkt.
14 FC Augsburg 4
15 1. FC Köln 3
16 1. FSV Mainz 05 3

FC-FANSHOP