Profis | 14.01.2022

Interview im GeißbockEcho

Florian Kainz: Wilde Zeiten

Vor drei Jahren ist Florian Kainz vom damaligen Erstligisten Werder Bremen zum Zweitligisten 1. FC Köln gewechselt, da er an der Weser keine Perspektive sah. Nicht nur bei den Clubs hat sich die sportliche Lage gewandelt, auch der österreichische Nationalspieler hat sich in Köln als Leistungsträger etabliert. Eine schwere Knieverletzung im Sommer 2020 setzte ihn monatelang außer Gefecht. „Kainzi“ kämpfte sich zurück und aktuell ist der 29-jährige Außenbahnspieler Leistungsträger und zweitbester Scorer im Team.

Kainzi, mit dem Sieg in Berlin ist der sportliche Start in die Rückrunde geglückt. Wie bist du mit deiner Familie ins neue Jahr gekommen?
„Meine Frau Nadine, mein Sohn Theo und ich waren nach dem letzten Hinrundenspiel zuerst für drei Tage in Salzburg in einem Hotel. Dort haben wir ein paar Freunde getroffen, die zufällig zeitgleich auch dort ­Urlaub gemacht haben. Die Weihnachtstage haben wir bei der Familie in Graz verbracht und sind am 30. Dezember nach Köln zurückgeflogen. Silvester haben wir ruhig in Köln verbracht und am 2. Januar ging die Vorbereitung wieder los. Es war schön, nach der anstrengenden Hinrunde ein wenig runterfahren zu können.“

Bevor wir auf das aktuelle Geschehen schauen, ein kleiner Blick zurück. Wir haben zuletzt für das ­GeißbockEcho kurz nach deinem Wechsel zum FC im Frühjahr 2019 gesprochen. Damals bist du aus Bremen in die 2. Bundesliga zum FC gewechselt. War die Entscheidung trotz Umweg über die 2. Liga die richtige?
„Ja, absolut. Wir hatten damals das Ziel, sofort wieder aufzusteigen, was uns als Meister gelungen ist. Wenn man aus der Bundesliga in die 2. Liga wechselt, will man natürlich schnell wieder hoch. Damals hat es ­einfach sehr gut gepasst, zum FC zu gehen. Ich bin sehr froh, dass ich die Entscheidung so getroffen habe. Der Aufstieg war definitiv nicht einfach und gefühlt selbstverständlich. Er wurde in gewisser Weise von allen Seiten erwartet. Dabei ist es für die großen Vereine in der 2. Bundesliga kein Selbstläufer – das sieht man aktuell sehr deutlich. Der HSV ist inzwischen im vierten Jahr, Bremen und Schalke marschieren auch nicht vorneweg. Obwohl es bei uns damals zum Schluss auch etwas unrund gelaufen ist und der ­Trainer gewechselt wurde, haben wir es doch ganz gut gemeistert.“

Die erste Saison mit dem FC in der Bundeliga hatte nahezu alle Emotionen zu bieten – und dann kam auch noch Corona dazu.
„Es waren auf jeden Fall wilde Zeiten mit Trainer- und Geschäftsführer-Wechsel. Dann haben wir einen super Lauf gehabt, der mit drei Siegen vor ­Weihnachten ­gegen Leverkusen, Frankfurt und Bremen eingeläutet wurde. Bis zur Corona-Pause lief einfach alles zusammen, aber nach dem Re-Start der Liga war es wie abgerissen. Es war schwierig, aber wir haben die Klasse gehalten, was unser oberstes Ziel war.

Am letzten Spieltag in Bremen gab es eine herbe 1:6-Niederlage. Du hast gegen deinen Ex-Club ­gelbgesperrt gefehlt. War die Sperre ein wenig ­kalkuliert?
„(lacht) Nein, auf keinen Fall. Ich hätte gerne in Bremen gespielt. Aber insgesamt hat das Spiel zu unserer ­Phase nach der Corona-Pause gepasst – zum Ver­gessen.“

Und der Sommer 2020 hatte noch weitere emotionale Ausschläge in beide Richtungen für dich in petto.
„Es war ein wilder Sommer (lacht). Ich war gut drauf und habe eine gute Vorbereitung gespielt. Dann hatte ich Probleme am Knie, musste operiert werden und bin lange ausgefallen. Das war eine schwierige Zeit.“

Inwiefern hat dir die Geburt eures Sohnes in dieser Phase geholfen?
„Wenn man einer Verletzung überhaupt etwas Positives abgewinnen möchte, dann war es die Tatsache, dass ich viel mehr Zeit mit meiner Frau und meinem Sohn verbringen konnte. Ich habe zwar nahezu täglich mein Reha-Programm absolviert, aber allein, dass ich in den Länderspielpausen nicht unterwegs war, hat mir ermöglicht, sehr viel häufiger zu Hause zu sein.“

Nach deiner Verletzung vor Saisonstart 2020/21 hast du fast die gesamte Saison verpasst. Am Ende hast du noch acht Liga-Spiele bestritten und beim Relegationsrückspiel in Kiel zwei Tore aufgelegt. Wie schwer war dein Comeback?
„Gegen Wolfsburg am 27. Spieltag wurde ich eingewechselt und habe dann in allen Spielen bis zum ­Saisonende auf dem Platz gestanden. Das erste Relegationsspiel war ich noch auf der Bank. Im zweiten Spiel haben wir den Klassenerhalt zum Glück klar­gemacht. Es war nach meiner siebenmonatigen Verletzungspause nicht einfach, weil ich keine ausgiebige Vorbereitung hatte. Hinzu kam die im Abstiegskampf und zudem Corona-bedingt schwierige und auch mental anspruchsvolle Lage. In dieser Phase habe ich einfach nur auf die bevorstehenden Aufgaben ­geschaut. Es war sicher die kraft- und nervenaufreibendste Phase meiner bisherigen Laufbahn. Wenn man bedenkt, was diese zwei Spiele für den Club, die Fans und auch die Mitarbeiter bedeutet haben, dann geht das nicht spurlos an einem vorbei. Das war für mich insofern auch neu, weil ich zuvor eigentlich nie sonderlich nervös vor den Spielen war. Aber bei den Relegationsspielen war ich schon angespannt. Am Ende haben wir die Klasse gehalten – das war das Wichtigste.“

Trotz deines Comebacks wurdest du nicht für die 2021 ausgetragene Euro 2020 berücksichtigt. Wie groß war die Enttäuschung?
„Die Enttäuschung war schon recht groß. Ich war schon 2016 nicht dabei. Es war eine Entscheidung des Trainers, die ich akzeptieren musste. Vielleicht kam mein Comeback ein paar Wochen zu spät. Ich habe die Spiele natürlich verfolgt und finde, die Jungs haben es gut gemacht.“ (Anm. d. Red.: Österreich scheiterte im Achtelfinale knapp mit 1:2 nach Verlängerung gegen den späteren Europameister Italien)

Im März stehen finale Quali-Spiele für die WM 2022 an. Was rechnest du dir da aus?
„Wir spielen zuerst gegen Wales und bei einem Sieg gegen Schottland oder die Ukraine. Ich schätze alle vier Mannschaften inklusive uns als ungefähr gleichwertig ein. Für Österreich wäre es großartig, sich nach der EM direkt für die WM zu qualifizieren. Ich glaube, das hat es noch nie gegeben.“

Das komplette Interview mit Florian Kainz gibt es hier oder in der GeißbockEcho-App für Apple und Android.

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Gesamttabelle
PL.VereinPkt.
8Eintracht Frankfurt28
91. FC Köln28
101. FSV Mainz 0527

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