Profis | 27.03.2020

FC-Cheftrainer

Gisdol: „Ich muss die Jungs loben“

Am Freitagnachmittag ist die Mannschaft des 1. FC Köln zu einer Besprechung am Geißbockheim zusammengekommen – mit dem notwendigen Sicherheitsabstand. Markus Gisdol sprach im Anschluss über das erste Wiedersehen, den Umgang der Mannschaft mit der aktuellen Situation und die ungewohnte Frühlingspause.

Markus Gisdol sagte über…

… das Wiedersehen und die Besprechung mit der Mannschaft: „Es ist schön, dass man sich mal wiedersieht. Mit den Jungs zu telefonieren und Kontakt zu haben ist das eine, aber es ist immer noch einmal etwas anderes, wenn man sich gegenübersitzt. Wir haben überlegt, ob wir es machen sollen oder nicht. Doch bei der Bundestagsdebatte sitzen die Abgeordneten auch zwei Meter auseinander. Wir haben hier im Geißbockheim im Restaurant einen großen Saal. Hier konnten wir alle zusammenkommen lassen, um sie auf den aktuellen Stand der Dinge zu bringen. Alex Wehrle hat zunächst Organisatorisches und die Fakten aus den Gesprächen der DFL wiedergegeben. Ich habe den Jungs dann erklärt, wie wir sportlich mit der Situation umgehen wollen. Es war schön, wieder in alle Gesichter zu schauen und den Jungs ein bisschen was auf den Weg zu geben. Man vermisst sich schon. Es entstehen Beziehungen zwischen den Spieler untereinander und auch zum Team um die Mannschaft herum. Wir sind eine gute Gemeinschaft.“

… den Umgang der Mannschaft mit der aktuellen Situation: „Es ist unterschiedlich – wie im normalen Leben auch. Man hat Freunde, die machen sich etwas mehr Sorgen, weil sie vielleicht auch Angehörige haben, die stärker betroffen sind oder besonders aufpassen müssen. So ist es bei unseren Jungs auch. Der eine oder andere geht positiver durch die Situation und der eine oder andere macht sich ein paar mehr Gedanken. Wir sind an der Seite unserer Spieler. Wir haben uns im Trainerstab aufgeteilt und ständig Kontakt gehalten zu den Spielern. Wir halten die Kommunikation aufrecht.“

… seinen eigenen Arbeitsalltag: „Wir haben eine Trainergruppe bei WhatsApp und uns informiert, wenn jemand mit einem Spieler gesprochen hat. Wir haben auch über die Ernährung der Spieler gesprochen. Unser Koch beliefert die Spieler jetzt mit Essen. Wir kommunizieren über alles eng und gut. Mein Alltag ist aktuell außergewöhnlich. Normalerweise sind wir Mitte/Ende März voll in der Saison und haben noch sechs oder sieben Spiele zu diesem Zeitpunkt zu spielen.

… die ungewohnte Saisonunterbrechnung: Ich habe versucht, für mich einen Weg zu finden, damit umzugehen. Diesen habe ich auch der Mannschaft vermittelt. Es geht darum, die Situation nicht klagend, sondern positiv anzunehmen. Wir befinden uns in der Frühlingspause. Nicht in der Sommerpause. Es bringt uns nicht weiter, wenn wir ständig hadern und uns fragen, wann es weitergeht. Die Jungs müssen es annehmen wie eine Sommerpause. Die Jungs sollen sich körperlich auf einem vernünftigen Level halten. Denn wenn wir wieder zusammenkommen, wird es knallhart. Wir werden hart trainieren und dann ein Ziel vor Augen haben, wenn wir wieder spielen können. Wir werden dann in kurzer Zeit viele Spiele abliefern müssen. Auf diesen Zeitpunkt müssen wir uns vorbereiten.

… die Fortsetzung der Saison: Ich bin immer positiv. Ich glaube, wir schaffen das in Deutschland. Ich bin stolz, wie bei uns die Krise gemanaged wird. Unser Gesundheitssystem ist vielleicht das Beste weltweit. Ich bin auch positiv, weil ich sehe, dass die Forderungen umgesetzt werden. Es wird ernst genommen. Früher oder später wird die Vorfreude auf wiederstattfindende Spiele so groß sein, dass man es jetzt noch gar nicht abschätzen kann. Die Leute lechzen ja jetzt schon danach, dass wir wieder spielen. Wenn wir das dann zunächst ohne Zuschauer machen müssen, dann ist das unser Job. Wir sind verpflichtet, unsere Fans wieder zu unterhalten. Wir sind verpflichtet, dann wieder zu liefern.

… Solidarität in der Bundesliga: Ich sehe, wie solidarisch Clubs sind. Die Champions-League-Clubs stellen Geld zur Verfügung. Spieler engagieren sich sozial und verzichten auf Teile ihrer Gehälter. Alle sitzen auf einmal in einem Boot und sind sich bewusst, in welcher Situation sie sich befinden. Deswegen bin ich sehr zuversichtlich, dass wir die Bundesliga und die 2. Bundesliga in der Form, wie sie sind, erhalten können. Vielleicht müssen wir ein bisschen abspecken – aber das ist nicht schlimm, das ist dann so.

… die Arbeit der Mannschaft in dieser Zeit: Wir haben mittlerweile Systeme, bei denen die Jungs mit einem Chip laufen. Sie stellen uns ihre Ergebnisse jeden Tag über eine App zur Verfügung. Wir sind absolut im Bilde und immer auf dem aktuellen Stand. Da muss ich die Mannschaft auch loben. Das war schon in der Winterpause hervorragend und jetzt ist es auch wieder so: Es gibt keinen Spieler, den wir auffordern mussten, irgendetwas zu tun. Im Gegenteil: Dem einen oder anderen mussten wir sagen, dass er dieses oder jenes nicht zusätzlich machen muss. Das ist herausragend gut. 

Markus Gisdol im Interview
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Gesamttabelle
PL.VereinPkt.
11. FSV Mainz 050
11. FC Union Berlin0
11. FC Köln0