Profis | 19.03.2020

Cheftrainer im Gespräch

Gisdol: „Wir nehmen die Situation ernst“

Im Interview mit NetCologne FC-TV spricht Cheftrainer Markus Gisdol über die spielfreie Zeit bis Anfang April, das individuelle Trainingsprogramm für die FC-Profis – und den zwischenmenschlichen Umgang in der Corona-Krise.

Markus, um die Ausbreitung des Corona-Virus einzudämmen, ruht der Spielbetrieb in der Bundesliga bis mindestens Anfang April. Zudem habt ihr euch mit der sportlichen Leitung dazu entschieden, dass die Profis des 1. FC Köln bis nächste Woche Freitag individuell trainieren. Wie verfahrt Ihr als Trainerteam in den kommenden Tagen mit der Situation?

Es ist eine außergewöhnliche Situation, in der wir uns im Augenblick befinden. Wir alle hätten am liebsten einen normalen Mannschaftstrainingsbetrieb mit Ball und Zweikämpfen, aber das ist momentan nicht möglich. Wir müssen unserer Vorbildfunktion gerecht werden, auch wenn unsere Spieler allesamt den Anschein machen, als seien sie gesund. Und wir müssen die Situation ernst nehmen. Das tun wir vollumfänglich. Daher haben wir uns dazu entschieden, dass die Spieler zehn Tage individuell trainieren. 

Wie sieht das individuelle Training konkret aus?

Jeder Spieler hat einen individuellen Trainingsplan bekommen, was bedeutet, dass sie die Trainingseinheiten, die Lauf- und Krafteinheiten und die Stabilitätsübungen eigenständig durchführen. Wir haben die Belastung so gewählt, dass die Jungs dabei möglichst Spiele abbilden können. Aber wir wissen auch, dass das nie zu hundert Prozent möglich ist. Dennoch sind wir alle davon überzeugt, dass es aktuell die bestmögliche Variante ist, um Profisportler auf einem vernünftigen Niveau zu halten.

Wie schwierig ist es, die Spannung hochzuhalten?

Das ist auch für uns nicht einfach, wenn ich ehrlich bin. Wir müssen immer wieder versuchen, selbst diszipliniert und pragmatisch zu sein. Als Profisportler oder Profitrainer muss man sich jetzt noch mehr auf seinen Job, auf seine Aufgabe konzentrieren, um das eigene Fitnesslevel beizubehalten. Dazu gehört ein gehöriges Maß an Disziplin. Aber bisher konnten wir uns immer gut auf unsere Jungs verlassen.

Bleibt ihr in den kommenden Tagen in Kontakt mit den Spielern?

Wir werden im Austausch mit ihnen sein und über Skype und Facetime, das geht ja heutzutage einfach, engen Kontakt halten. Wir sehen auch kaum eine bessere Möglichkeit, um mit der aktuellen Situation umzugehen, die sehr emotional ist. Man merkt, dass jeder angefasst ist und spürt, dass es eine mehr als außergewöhnliche Situation ist.

Wie geht die Mannschaft mit dieser Situation um?

Man muss das ein wenig differenzieren. Auf der einen Seite haben die Jungs ihre Aufgaben, die wir ihnen gegeben haben, sehr pragmatisch angenommen. Auf der anderen Seite geht es auch darum, inwieweit jemand von der Situation emotional und menschlich berührt ist. Und da merke ich bei unseren Jungs schon, dass es den einen oder anderen trifft und ihnen Sorgen macht – da geht es uns wie jedem anderen auch in der Bevölkerung. Jeder hat Eltern und Großeltern, jeder macht sich deswegen umso mehr Gedanken, wie er mit der Situation am besten umgehen und sich verantwortungsvoll und korrekt verhalten kann. Diese Fragen sind da, und mit denen beschäftigen sich die Jungs. 

Habt ihr ihnen da Hilfestellungen gegeben?

Wir haben die Fragen soweit es möglich ist, beantwortet und auch im Vorfeld schon mit unseren Ärzten darüber gesprochen. Denn grundsätzlich ist es eine Stärke, wie empathisch, herzlich und familiär wir miteinander umgehen. Ich empfinde es nur als normal, dass die Jungs diese sehr menschlichen Reaktionen zeigen. Unsere Mannschaft trifft die aktuelle Lage wirklich sehr, da wir in der Truppe viele Spieler haben, die sehr beziehungsorientiert und feinfühlig sind.
 

Markus Gisdol im Interview
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