Profis | 09.03.2020

FC-Mittelfeldspieler

Höger: „Jeder weiß, was er zu tun hat“

Im Interview mit fc.de spricht Marco Höger über das Derby, ein mögliches Geisterspiel und seine aktuelle Situation.

Marco, am Mittwoch wird das Derby nachgeholt. Es ist aber laut der Stadt Mönchengladbach noch offen, ob mit Zuschauern oder nicht. Wie sehr trübt das deine Vorfreude?

Als Spieler wünsche ich mir, dass das Stadion voll ist. Für uns wäre es vielleicht ein kleiner Vorteil, weil wir die Auswärtsmannschaft sind und Gladbach deshalb auf mehr Fans verzichten müsste. Andererseits machen unsere Fans ja auch auswärts immer richtig Stimmung und stärken uns den Rücken. Ohne Zuschauer würde dem Derby einiges an Emotionalität fehlen.

Ist das mögliche Geisterspiel auch ein Thema unter euch Spielern?

Klar, wir haben darüber gesprochen. Jeder Spieler fiebert auf dieses Derby hin. Wenn die Behörden entscheiden, dass keine Zuschauer kommen dürfen, müssen wir es akzeptieren. Wir können es nicht ändern und konzentrieren uns auf die sportliche Vorbereitung. 

Habt ihr in der Mannschaft wegen des Corona-Virus besondere Maßnahmen getroffen? 

Wir sind schon etwas vorsichtiger, geben uns zum Beispiel nicht mehr so häufig die Hände und waschen sie häufiger mal.

Wie ist denn grundsätzlich die derzeitige Stimmung in der Kabine? Nach acht Siegen in zehn Spielen vermutlich ganz gut?

Genau, sie ist gut, viel gelöster als noch vor einigen Wochen. Wir sind aus der totalen Drucksituation der akuten Abstiegsnot raus und können befreiter ausspielen. Das wirkt sich positiv auf die Leistung aus. Wenn man im Existenzkampf, tief in der Abstiegszone steckt, steht man extrem unter Druck. Diesen extremen Druck haben wir gerade nicht mehr. Das hilft. Wir müssen aber auch aufpassen, nicht zu leichtsinnig zu werden. Diesen Spagat kriegen wir bisher ganz gut hin. So wie in Paderborn – das war zum Beispiel nicht das leichteste Spiel, wir haben es aber ganz gut gemacht.

Was sind die Gründe für euren guten Lauf?

Jeder, der in und mit der Mannschaft arbeitet, weiß, was wir können und was nicht. Jeder Spieler weiß, was er zu tun hat. Wir werden gut auf die Gegner eingestellt. Man merkt, dass Markus Gisdol Erfahrung hat mit solchen Situationen, wie wir sie in der Hinrunde erlebt haben, und mit Vereinen wie dem FC – was das Umfeld und den Druck durchs Drumherum angeht. 

Du kennst Markus Gisdol noch aus deiner Schalker Zeit. Hat er sich verändert?

Die Zeit auf Schalke ist eine ganze Weile her. Da war er Co-Trainer, jetzt ist er Cheftrainer. Das ist eine andere Rolle, auch im Verhältnis zu den Spielern. Markus Gisdol hat einiges miterlebt und kennt aus seinen Stationen in Hoffenheim und Hamburg Extremsituationen. Bei Horst Heldt ist es dasselbe. Ihre Erfahrung wirkt beruhigend auf uns Spieler. Weil man Menschen, die solche Situationen schon erlebt haben, abkauft, dass sie wissen, wovon sie sprechen. Die Ruhe, die sie ausstrahlen, hilft uns.

Vergangene Woche hat der Trainer mehrere Spieler, die derzeit nicht so häufig spielen, für ihre Trainingsleistungen gelobt. Er hat dabei Marcel Risse und dich namentlich genannt. Hast du das mitbekommen?

Ehrlich gesagt nicht. Aber es freut mich, wenn der Trainer das so sieht. Für mich ist es eine neue Situation, so wenig Einsatzzeiten zu bekommen. Das hatte ich so noch nie in meiner Karriere. Aber ich bin Vizekapitän und sehe mich als Führungsspieler, auch wenn ich nicht spiele. Und ich bin Kölner und im Herzen FC-Fan. Ich will das Beste für den Verein und die Mannschaft. Wenn das im Moment bedeutet, hinten dran zu sein, aber im Training dafür zu sorgen, dass alle auf hohem Niveau bleiben, ist das eben meine aktuelle Aufgabe. Auch wenn ich gerne spielen möchte, freut es mich, dass gesehen wird, wenn ich im Training Gas gebe.

Hast du im Training eine Jetzt-erst-recht-Stimmung?

Nein, das ist jetzt mein zwölftes Profijahr. Ich versuche immer, so gut wie möglich zu trainieren und es ist mein Anspruch, jedes Trainingsspiel zu gewinnen. Es ist generell wichtig, einen inneren Antrieb zu haben. Klar, die Situation ist nicht zufriedenstellend, aber ich grüble nicht jeden Tag 24 Stunden deswegen.

Deine Konkurrenten auf der Doppelsechs – Jonas Hector und Ellyes Skhiri – machen es im Moment auch einfach sehr gut.

Eben. Da hat man als Spieler, der gerade nicht zum Zug kommt, wenig Argumente. Es ist im Sinne der Mannschaft, dass wir Erfolg haben. Ich setze mich nicht gerne auf die Bank, aber es hilft der Mannschaft, wie Jonas und Ellyes gerade spielen. Unabhängig davon ist es mein Job, mich körperlich und mental auf ein Level zu bringen, dass ich voll da sein kann, wenn ich gebraucht werde. 

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