Profis | 16.12.2021

Comeback nach Hüft-OP

Jannes Horn: „Musste lernen, damit klarzukommen“

Nach seiner Hüft-Operation und rund fünfmonatiger Reha hat Jannes Horn am Dienstag beim 3:2-Sieg in Wolfsburg sein Bundesliga-Comeback gefeiert. Im Interview spricht der 24-jährige Rechtsverteidiger über die lange Ausfallzeit, seine Rückkehr auf den Platz – und die Entwicklung der Mannschaft unter Steffen Baumgart.

Jannes, herzlichen Glückwunsch zu deinem Comeback vergangenen Dienstag. Wie war der Moment, nach mehr als einem halben Jahr endlich wieder auf dem Platz zu stehen – ausgerechnet gegen deinen Jugendverein VfL Wolfsburg?
Danke erstmal für die Glückwünsche. In der Heimat vor den Augen meiner Familie und Freunde mein Comeback zu geben, war etwas Besonderes. Erst recht, weil wir das Spiel noch gedreht haben. Es war ein echt schöner Tag für mich. Ich bin froh, dass ich wieder auf dem Platz stand – eine ganze Hälfte – und wir gewonnen haben.

War es eine spaßige Busrückfahrt nach dem Auswärtssieg?
Ich bin in der Heimat geblieben. Der Trainer hat uns nach dem Spiel einen Tag frei gegeben und ich hatte vorher schon gefragt, ob ich dann eine Nacht zu Hause in Braunschweig schlafen darf. Nach dem Sieg und meinem Comeback noch bei der Familie bleiben zu können, war besonders schön. Wir haben noch ein bisschen über das Spiel gequatscht und am nächsten Tag bin ich abends zurück nach Köln gefahren. 

Die Hüftverletzung war die erste schwere Verletzung in deiner Karriere. Wie hast du die lange Ausfallzeit empfunden?
Bis zu der Hüftverletzung habe ich in meiner Karriere echt nie länger gefehlt als höchstens eine Woche. Nach der Hüft-OP im Sommer waren es dann direkt fünf Monate. Mental war das nicht immer leicht. Ich musste erst lernen, damit klarzukommen. 

Wer hat dir in dieser schweren Zeit besonderen Halt gegeben?
Mir war sehr wichtig, dass ich meine Reha in Köln machen und die Jungs jeden Tag sehen konnte. Besonders Leif Frach, unseren Reha-Trainer, muss ich erwähnen. Er hatte es nicht immer ganz leicht mit mir. Es waren Tage dabei, in denen es mir schwerfiel, als ein Ende der Reha-Zeit noch nicht in Sicht war. Auch unsere Physiotherapeuten – ich könnte da jeden einzelnen aufzählen – haben mir in dieser Zeit sehr geholfen. Aus der Mannschaft war jeder für mich da. Und natürlich habe ich viel mit meiner Familie gesprochen. Mein Bruder ist auch Physiotherapeut. Ihm konnte ich auch Fragen stellen, wenn es mal irgendwo gezwickt hat.

Wie fühlst du dich körperlich nach der langen Pause?
Echt gut, muss ich sagen. Ich spüre keinen Schmerz mehr, nicht beim Training und auch nicht im Spiel. Die Operation war wichtig und richtig. Im Spiel war es konditionell in den letzten Minuten knackig. Das lag aber an dem Spiel an sich, weil es permanent hin und her ging. Ich fühle mich fit und will spielen. Am Sonntag gegen Stuttgart haben wir unseren Jahresabschluss. Wenn ich da nochmal zum Einsatz kommen würde, wäre das schön.

Überwog bei dir in den vergangenen Wochen eigentlich die Freude über die positive Entwicklung der Mannschaft oder der Schmerz, dass du nicht selbst auf dem Platz etwas dazu beitragen konntest?
Ich habe mich bei jedem Sieg total gefreut für die Jungs. Das steht außer Frage. Die Mannschaft steht über allem. Aber ich bin ganz ehrlich: Natürlich ist es ein schöneres Gefühl, wenn man gewinnt und selbst auf dem Platz steht, als wenn man nur oben auf der Tribüne hockt. Selbst zu spielen, ist mit nichts vergleichbar.

Unter Steffen Baumgart hat sich eure Spielweise deutlich verändert. Hast du die Abläufe schon verinnerlicht oder merkst du, dass dir monatelanges Training mit der Mannschaft fehlt?
In den ersten zwei Trainingswochen wusste ich nicht immer, wie ich mich in der Vorwärtsbewegung zu verhalten habe. Aber ich konnte mir im Training von Benno und Jonas abschauen, wie sie es machen. Mittlerweile finde ich mich gut zurecht. So wie unser Trainer spielen lässt, finde ich es mega geil. Gerade wir Außenbahnspieler kommen häufig in Flankenposition. Flanken sind meine Stärke. Wir stehen als Außenverteidiger sehr hoch. Nicht ohne Grund haben Jonas und Benno schon acht Scorerpunkte gesammelt. Wir flanken sehr viel, das kommt mir entgegen und macht mir Spaß. 

Wie bewertest du insgesamt die Entwicklung der Mannschaft unter Steffen Baumgart?
Die Entwicklung ist der Wahnsinn. Ich denke, jeder findet das beachtenswert. Da muss ich ein großes Lob an das Trainerteam aussprechen. Wie sie uns täglich mitziehen und wie jeder einzelne aus der Mannschaft jeden Tag Gas gibt, macht sich in den Spielen bemerkbar. Es ist immer Feuer drin – in jeder Einheit und in jedem Spiel. Alle sind glücklich. Es läuft gut. So soll es weitergehen. 

Was traust du euch in dieser Saison noch zu?
Es ist dieses Jahr extrem spannend in der Bundesliga. Uns trennen nur fünf Punkte von den Champions-League-Plätzen, aber eben auch nur fünf Zähler vom Relegationsplatz. Das ist verrückt. Wir wollen einfach weiter unseren Fußball erfolgreich auf den Platz bringen. Natürlich wäre es schön, wenn wir am Saisonende auf einem einstelligen Tabellenplatz stehen. Wir müssen uns nicht kleiner machen als wir sind. Die Gegner haben Respekt vor uns und richten sich auf unser Spiel ein. Wir haben in fast jedem Spiel mehr Ballbesitz. Wenn wir so weitermachen, traue ich uns auch in Zukunft viel zu. Es macht Riesenspaß, weil es eine geile Mannschaft ist mit einem super Trainerteam. Es passt momentan einfach.

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