Profis | 09.09.2022

Das neue GeißbockEcho

Jonas Hector und Henning May: Tommi verbindet

Jonas Hector und AnnenMayKantereit haben vieles gemeinsam und könnten unterschiedlicher kaum sein. Sowohl der FC-Kapitän als auch die Band um Sänger Henning May starteten von Köln aus eine beeindruckende Karriere. Musik und Sport sind auf den ersten Blick weit voneinander entfernt und gestalten sich trotzdem verblüffend ähnlich. Während der zurückliegenden Saison entstand dank „Tommi“ eine große Gemeinsamkeit, die in einem Treffen am Proberaum gipfelte.

„Jetzt habe ich fast alles erreicht“, war der erste Gedanke von Henning May, Sänger der Band AnnenMayKantereit, als er während der vergangenen ­Saison ein Video sah, das die FC-Profis den Song „Tommi“ singend in der Kabine zeigte. „Es war ein super Moment, um einfach mal ein bisschen anzugeben.“ Dass der Sänger, der mit seiner Band Konzerthallen füllt, mit einem FC-Video angibt, ­verdeutlicht seine Liebe zum Club. Henning May hat den Clip zuerst an den im Lied besungenen Tommi geschickt. „Tommi ist ein alter Freund von mir, mit dem ich in Köln zur Schule gegangen bin. Er ist als erster aus ­meinem engen Freundeskreis direkt nach der Schule weggezogen, um zu studieren. Deswegen ist bei ihm das Heimweh immer so groß, und er ist ein sehr heftiger FC- und Fußballfan. Ich habe echt gedacht, darauf kommt Tommi gar nicht klar (lacht). Es hat mich einfach sehr gefreut.“

Jonas Hector singt Tommi in besagtem Video, das in der FC-Doku „24/7 FC“ zu sehen ist, enthusiastisch und textsicher auf einer Bank in der Umkleidekabine. Und der Eindruck, dass der FC-Kapitän den Song schon lange kennt, täuscht nicht. „Tommi lief schon während der Hinrunde oft in der Kabine. Es ist ein Lied, das zum Mitsingen animiert und man kann sich in den Armen liegen. Es baut ein Gemeinschaftsgefühl auf. Und der textliche Kontext mit Köln passt umso mehr“, sagt Hector. Tommi hat sich als Kabinen-Tradition mani­festiert. „Nach jedem Sieg haben wir Tommi gesungen. Im Laufe der Rückrunde, hat nach den ersten Tönen jeder in der Kabine kapiert, was Sache ist.“ Die FC-Profis um Kapitän Jonas Hector singen einen Song der Kölner Band AnnenMayKantereit mit Sänger ­Henning May. Die Karrieren Hectors und Mays weisen bis hin zu diesem Moment gewisse Parallelen auf – keine inhaltlichen, aber auf jeden Fall emotionale.

Bei der Gründung von AnnenMayKantereit spielte Jonas Hector bereits ein Jahr für den FC

Vor elf Jahren trafen drei Jungs aus Köln-Sülz eine folgenschwere Entscheidung, deren Ausmaß erst zwei Jahre später Form annimmt. Christopher Annen, Henning May und Severin ­Kantereit gründen 2011 die Band AnnenMayKantereit und nehmen zwei Jahre später ihr erstes Album auf. Über Straßenmusik, Clubkonzerte und Vorband-Tourneen arbeiten sie sich ins stetig größer werdende Rampenlicht.

Ein Jahr bevor sich Annen, May und Kantereit entscheiden, gemeinsam Musik zu machen, hatte Jonas Hector bereits die Entscheidung getroffen, vom beschaulichen Auersmacher im Saarland nach Köln zu ziehen, um beim FC Fußball zu spielen. Statt auf der ­großen Bühne RheinEnergieSTADION geht Hector die ersten Schritte zunächst als Spieler der U21 im Franz-Kremer-Stadion. Zwei Jahre nach seinem Wechsel zieht ihn der damalige Profi-Trainer Holger Stanislawski zu den ­Profis hoch, und eine beeindruckende Karriere nimmt ihren Lauf, die FC-Fan Henning May als Zuschauer verfolgt und bewundert. „Ein Kapitän ist auch immer ein Gesicht der Mannschaft. Jonas repräsentiert das Team noch mal auf eine andere Weise. Ich finde es gut, dass wir einen ­Captain haben, der für die Mannschaft spielt, dem es nie um Selbstdarstellung geht, den Fokus immer auf seiner Aufgabe hat und trotzdem auch große offensive Qualitäten hat“, sagt Henning May. „Ich bin ein großer Fan von Linksfüßen beim FC. Linksfuß hat immer so etwas Professorenhaftes.“

„Das macht einen als Kind einfach verrückt.“

Einen akademischen Grad im Fußball würde sich Henning May selbst nicht verleihen. Seine fußballerischen Wurzeln liegen bei Blau-Weiß Köln, nur wenige hundert Meter vom Geißbockheim in Köln-Sülz entfernt. „Wir sind mit den damaligen FC-Spielern um den Decksteiner Weiher gejoggt“, erinnert sich May, „und das macht einen als Kind einfach verrückt. Wenn man Runden läuft, und dann laufen die FC-Profis einfach so an dir vorbei – das hat schon Eindruck hinterlassen. Damals war es die FC-Spielergeneration Mustafa Dogan, Rigobert Song, Pedro Geromel, Carsten Cullmann, und so weiter. Das war einfach heftig (lacht).“ Statt auf ambitionierten Fußball hat sich May im Laufe der Zeit aufs Klavierspielen konzentriert. „Die Wochenenden waren anders verplant, und die Lust, am Sonntagmorgen früh aufzustehen hat auch enorm nachgelassen. Ich habe außerhalb des Vereinsfußballs natürlich weiter mit Freunden gekickt, sodass es mir nicht gänzlich gefehlt hat.“ Die Musik entwickelte sich zu Plan B und umso erstaunter ist Hening May, dass Jonas Hector bei seinem Plan A, dem Fußball, so hartnäckig geblieben ist. „Wenn man 19 ist und Oberliga spielt, würden meine Eltern sagen: ‚Mach doch mal was Richtiges‘“, sagt May zu Hector. „In der Oberliga etwas aufzubauen, ist schwer“, antwortet Hector. „Ich bin mit 20 nach Köln gekommen und es hat sich kontinuierlich entwickelt. Aber selbst dann wurde ich noch gefragt, was mein Plan B wäre (lacht).“

Einen Plan B brauchte Jonas Hector bis heute nicht. Vom Oberliga- zum Bundesligaspieler, später zum Nationalspieler und FC-Kapitän – das entspricht der Entwicklung einer ­Straßenmusik-Band, die im kommenden Dezember zweimal in Folge in der ausverkauften LANXESS arena spielt.

Die komplette Story über Jonas Hector und Henning May gibt es hier oder in der GeißbockEcho-App für Apple und Android.

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Gesamttabelle
PL.VereinPkt.
12Bayer 04 Leverkusen18
131. FC Köln17
14FC Augsburg15
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PL.VereinPkt.
1Nice9
2Partizan Belgrade9
31. FC Köln8
4Slovácko5

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