Profis | 15.02.2020

Portrait im GeißbockEcho

Kingsley Ehizibue: Die richtige Entscheidung

Kingsley Ehizibue machte als FC-Neuzugang vom ersten Moment am Geißbockheim auf sich aufmerksam. Der 25-Jährige improvisierte vor der Kamera die FC-Hymne, scherzte mit den neuen Kollegen und klärte schnell die Aussprache seines Nachnamens. Seine positive Art hat ihm schon oft bei schwierigen Entscheidungen geholfen.

Er hat sich richtig entschieden. So wirkt es jedenfalls, wenn man Kingsley Ehizibue trifft. Egal, ob auf dem Weg zum Training am Geißbockheim, in der Geschäftsstelle oder sogar in den Stadionkatakomben kurz vor dem Spiel: Ehizibue hat immer ein breites Lächeln oder ein Augenzwinkern übrig für sein Gegenüber. Köln und er: Das passt. Dabei stellt sich meist erst mit etwas zeitlichem Abstand heraus, ob eine Entscheidung die richtige ist. Diese Erfahrung hat Kingsley Ehizibue gemacht. Er musste sich schon oft entscheiden. Zuletzt im vergangenen Jahr, als er Angebote hatte, seinen Heimatverein PEC Zwolle erstmals zu verlassen. 

Im Januar 2019 wollte der italienische Club FC Genua den Außenverteidiger verpflichten und unterbreitete ihm ein lukratives Angebot. Kingsley Ehizibue hat sich in Italien alles angesehen – von außen betrachtet sprach einiges für den Wechsel. Aber irgendetwas schien zu fehlen. „Ich habe vor der Unterschrift eine Nacht drüber schlafen wollen. Als ich morgens wach wurde, wusste ich, dass ich nicht unterschreiben kann. Mir wurde ein gutes Angebot gemacht, aber irgendwie hat etwas gefehlt – ein Gefühl.“ Nicht viele haben seinen Entschluss verstanden. „Aber ich weiß heute, dass es richtig war.“

Rund ein halbes Jahr später war erneut Kingsley Ehizibues Gefühl gefragt. Seine Entscheidung fiel diesmal positiv aus. Positiv für den 1. FC Köln. Der Niederländer mit nigerianischen Wurzeln wagte den Schritt in eine neue Heimat. In Köln bekam Ehizibue schnell den Spitznamen „Easy“ verpasst, da er neben Schindler der zweite Kingsley im Team ist. Das Kürzel „King“ war an Schindler vergeben. Das englische Easy passt gut zu seinem Wesen. Easy strahlt stets eine gewisse Leichtigkeit aus – ist immer freundlich und gut gelaunt. „Ich bin meistens gut drauf und bin gerne mit Menschen zusammen, die gut drauf sind. Immer, wenn ich Menschen auf der Straße treffe, werde ich sehr freundlich empfangen und erhalte viel Zuspruch. Jedem in meiner Heimat empfehle ich, mal nach Köln zu kommen.“ Die Atmosphäre beim FC sei mit der bei PEC Zwolle vergleichbar. „Es geht hier auch sehr familiär zu. Aber hier ist es eben eine viel größere Familie“, sagt er lachend.

Easy hat sich schnell in Köln eingelebt. „In den ersten Wochen waren meine Freunde Frank und Bart aus Zwolle oft hier in Köln. Ich kenne beide schon seit vielen Jahren. Es war sehr hilfreich, mich in den ersten Wochen hier zurechtzufinden. Mittlerweile fühle ich mich in Köln wie zu Hause. Wenn ich meine Eltern in Holland besuche und zurück nach Köln muss, sage ich sogar ‚Ich fahre jetzt nach Hause‘. Ich brauche dieses Gefühl von Heimat, sonst tue ich mich schwer.“

Ehizibues Eltern hatten zu Beginn der 1990er-Jahre keine leichte Zeit. Sie verließen Nigeria, um sich in Europa ein neues, besseres Leben aufzubauen. Zunächst lebte die Familie in München, wo auch Kingsley zur Welt kam. Aber schon etwa drei Jahre nach der Geburt des ersten Sohnes zog die Familie ins niederländische Zwolle. Dort leben Kingsleys Eltern noch immer und er besucht sie dort regelmäßig an seinen freien Tagen. Zwolle ist in rund zwei Stunden mit dem Auto erreichbar. Nach Köln schaffen es seine Eltern nur selten, denn Kingsleys kleiner Bruder ist sieben Jahre alt, also schulpflichtig. Der Fußball hält Ehizibues Eltern auch in der Heimat auf Trab, denn sie sind regelmäßig auf den Plätzen unterwegs. „Mein kleiner Bruder Emmanuel ist talentierter als ich. Er kann mit beiden Füßen schießen und dribbeln.“ Kingsleys Schwester Daniela ist 20 Jahre alt und studiert in Enschede. Die Familie und sein Glaube sind für Kingsley Ehizibue die wichtigsten Säulen im Leben. „Ich bin alleine nach Köln gekommen. Auch aus dem Alleinsein ziehe ich Kraft. Dann gehe ich in mich und bete. Dann danke ich Gott, dass ich die Gelegenheit bekommen habe, hier in Köln zu sein und beim FC spielen zu dürfen. Mein Glaube an Gott ist das Wichtigste im Leben.“ 

Das komplette Portrait von Kingsley Ehizibue gibt es hier oder in der GeißbockEcho-App für Apple und Android.
 

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Tabelle

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Gesamttabelle
PL.VereinPkt.
131. FSV Mainz 0537
141. FC Köln36
15FC Augsburg36