Profis | 12.03.2020

Interview im GeißbockEcho

Leistner: „Man weiß nie, was morgen ist“

Einen Tag vor Ende des Winter-Transferfensters wechselte Toni Leistner leihweise vom englischen Zweitligisten Queens Park Rangers zum FC – bis Saisonende mit Kaufoption. Der robuste Innenverteidiger bringt Qualitäten mit, die sowohl auf der Insel als auch beim FC zum Erfolg führen. Um sich auf dem Platz für eine Verpflichtung über den Sommer hinaus zu empfehlen, war jedoch zunächst Geduld gefragt.

Toni, wir sprechen kurz vor dem Nachholspiel in Mönchengladbach. Soeben wurde entschieden, dass die Partie ohne Zuschauer ausgetragen wird. Hast du so etwas schon mal erlebt?
„Nur indirekt. In der Saison 2011/12 habe ich meine ersten Spiele in der 2. Bundesliga bei Dynamo Dresden gemacht. In derselben Saison musste Dresden ein Heimspiel gegen Ingolstadt ohne Zuschauer austragen. Ich war zwar nicht im Kader, habe aber miterlebt, wie die Stimmung in der Mannschaft und im Verein damals war. In einem großen Stadion ohne Fans zu spielen ist für alle Beteiligten merkwürdig. Eine solche Atmosphäre kennt man ja sonst nur von Test- oder Vorbereitungsspielen. Es wird sicher ein denkwürdiges Bundesligaspiel. Unter den gegebenen Umständen haben wir Verständnis für die Entscheidung. Wobei es uns für die Fans schon leidtut. Auf solche Spiele ­fiebert man ganz besonders hin.“

Sportlich läuft es seit einigen Wochen sehr gut. Du musstest nach deinem Wechsel im Januar nach Köln Geduld aufbringen bis zu deinem ersten Einsatz.
„Mir war von vornherein klar, dass ich in ein absolut intaktes Team komme. Die Ergebnisse haben seit der Vorweihnachtszeit ja mehr als gepasst. Meine Rolle war daher von Anfang an klar. Ich habe auch kein ­Problem damit, die Herausforderer-Rolle anzunehmen und mich über das Training anzubieten. Natürlich ­waren Seb Bornauw und Rafa Czichos das gesetzte, eingespielte Innenverteidigungs-Duo. Aber man sieht ja an den Entwicklungen zuletzt, dass sich die Umstände schnell ändern können und jeder im Team ­gebraucht wird.“

In den vergangenen Partien musste das Trainerteam an einigen Stellen auch kurzfristig die Startelf verändern – beispielsweise beim Ausfall von Jonas Hector in Berlin und nach der Verletzung von Rafael Czichos. Sowohl bei Elvis Rexhbecaj als auch bei euch Innenverteidigern klappt die Umstellung ohne Anlaufschwierigkeiten. Ist das eine besondere Qualität des Teams?
„Das liegt zum einen an den einzelnen Spielern und der jeweiligen professionellen Vorbereitung, aber auch an der mannschaftlichen Geschlossenheit. In solchen Momenten zeigt sich, dass jeder im gesamten Kader gut vorbereitet ist. Das ist auch eine Qualität, dass man auf den Punkt da ist. Obwohl man nicht weiß, wann dieser Moment kommt. Dazu gehört viel Disziplin. Gelbsperren bahnen sich im Gegensatz zu Verletzungen ja an. Die Verletzung von Rafa war schon ein Schock für uns alle. Als sich Rafa so den ­Nacken gehalten hat, wusste ich, dass es ernst ist. Ich habe direkt danebengestanden und bin froh, dass es ihn nicht noch schlimmer erwischt hat. Das sah schon übel aus. Ich hoffe, dass er schnell wieder an Bord sein wird. Zuletzt in Paderborn hat Rafa ja schon auf der Tribüne sitzen können. Bezeichnenderweise hat Jorge Meré dort den wichtigen Führungstreffer erzielt. Viel besser lässt sich kaum verdeutlichen, dass jeder allzeit bereit sein muss, für das Team alles reinzuwerfen. Man weiß nie, was morgen ist.“

In der Jugend hast du bei kleineren Clubs in Dresden gespielt und bist erst als Erwachsener zu Dynamo gewechselt. Dort hast du zunächst in der 2. Mannschaft gespielt, später für die Profis in der 2. Bundesliga. Als Stammspieler von Union Berlin bist du 2018 in die zweite englische Liga gewechselt und wurdest nun von dort in die Bundesliga zum FC ausgeliehen. Klingt auch nach einer relativ unvorhersehbaren Karriere.
„Dass ich mal mit Fußball meinen Lebensunterhalt verdienen würde, davon war nicht auszugehen. Als ­Jugendlicher hatte ich das Morbus Osgood-Schlatter im Knie diagnostiziert bekommen. Das ist eine schmerzhafte Reizung des Patellasehnenansatzes am Schienbein. Ich konnte mehr als ein halbes Jahr ­keinen Sport machen und bin richtig fett geworden (lacht). Nach der Pause hat sich mein Körperbau zum Glück gestreckt, sodass sich das zu meinem Vorteil entwickelt hat. In der Jugend bin ich zwischen Sturm und Abwehr hin und her gewechselt. In der U19 habe ich auch noch oft im Sturm gespielt. Bei Borea Dresden wurde ich dann als U19-Spieler einmal bei den Herren in der 5. Liga im Sturm eingewechselt. Da habe ich eine riesige Chance verballert. Im zweiten Jahr U19 habe ich zwar viele Tore vorbereitet, aber selbst nur fünf Tore gemacht. Ab dem Zeitpunkt hat es sich ­ergeben, dass ich mich auf die Abwehrarbeit konzen­triert habe. Unter Olaf Janßen habe ich 2011 bei den Dynamo-Profis debütiert.“

Auch auf das Leben neben dem Fußball hast du Wert gelegt.
„Mütterlicherseits sind in meiner Familie fast alle ­Lehrer. Mein vier Jahre älterer Bruder Peter hat da schon herausgestochen, als er etwas anderes studieren wollte. Er betreut heute Autohäuser im kaufmännischen Bereich. Auch ich habe parallel zum Fußball erst einmal was ‚Richtiges‘ gelernt. Nach meinem ­Realschulabschluss habe ich eine Ausbildung als IT-Kaufmann gemacht. Als ich dann zeitgleich bei den Dynamo-Profis trainieren konnte, war das schon eine zeitliche Herausforderung. Zum Glück hat es mit dem Profifußball dann geklappt.“

Das komplette Interview mit Toni Leistner gibt es hier oder in der GeißbockEcho-App für Apple und Android.

Sky zeigt Konferenz im Free-TV

Sky zeigt die Original Sky Konferenz der Bundesliga am Samstag ab 14 Uhr und die Konferenz der 2. Bundesliga am Sonntag ab 13 Uhr live und frei empfangbar für alle auf Sky Sport News HD.

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PL.VereinPkt.
9TSG 1899 Hoffenheim35
101. FC Köln32
111. FC Union Berlin30

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