Profis | 25.10.2018

FC-Profi

Marco Höger: So seh ich das

Marco Höger schreibt für FC.de: Über die Lage nach zehn Spieltagen, die Stimmung in der Mannschaft, Frust bei den FC-Fans und seine Verletzung.

„Armin Veh hat kürzlich gesagt, dass die Stimmung in der Mannschaft nicht zum Tabellenplatz passt. Das stimmt. Weil wir selbstkritisch sind. Und weil wir uns den Frust der Fans zu Herzen nehmen.

Wir wollten unsere Heimspiele gewinnen, haben aber schon zweimal verloren und einmal nur Unentschieden gespielt. Das ist für unsere eigenen Ansprüche zu wenig. Wir wollen unseren Fans im eigenen Stadion immer drei Punkte schenken. Gerade wenn 50.000 in der zweiten Liga kommen, egal gegen wen. Das ist schon der Wahnsinn, wie die uns unterstützen.

"Wenn wir gegen den Tabellenletzten verlieren, kann jeder davon ausgehen, dass wir Spieler am meisten darüber kotzen." Wir alle haben vor der Saison gesagt, dass wir aufsteigen wollen. Klar geht man da als FC-Fan ins Stadion und erwartet, gegen den Tabellenletzten zu gewinnen. Das ist auch unser Anspruch. Wenn man dann verliert, kann jeder davon ausgehen, dass die Spieler, die zum Einsatz gekommen sind, diejenigen in Köln sind, die am meisten darüber kotzen.

Den Fans geht es ähnlich. Wenn ich als Fan gegen Duisburg im Stadion gewesen wäre, wäre ich auch enttäuscht und sauer gewesen. Das ist verständlich.

Wir müssen mit der Situation umzugehen lernen

Aber auch wenn es zweite Liga ist: Es sind keine Blinden, die da gegen uns spielen. Sie werfen alles in die Waagschale, um in Köln zu bestehen. Köln ist das Spiel, wo sie am wenigsten Druck haben. Wenn die Mannschaften gegen uns verlieren, sagt jeder: ist ja normal. Für die Gegner ist das eine gute Ausgangslage. Das macht uns das Leben nicht leichter. Aber wir müssen das annehmen.

Es ist für uns eine neue Situation. Nach der schlimmen letzten Saison, in der wir so viel verloren haben, mit der Erwartung umzugehen, dass wir gegen jeden gewinnen müssen und auch können. Das ist in der ersten Liga nicht der Fall gewesen, nicht beim FC und auch nicht bei den anderen Clubs, für die wir vorher gespielt haben. Ich war vorher bei Schalke, auch da ist es nicht so, dass man immer zu hundert Prozent auf Sieg spielt und ein Punkt auswärts zu wenig ist.

"Als Außenstehender sagt man so einfach: Lass die Leute doch pfeifen." Dass es im Stadion auch mal schnell unruhig wird, wenn es nach einer halben Stunde noch 0:0 steht, ist klar. Wir haben viele junge Spieler, viele neue Spieler, die das vor der Kulisse noch nicht so kennen. Es ist nicht einfach, damit umzugehen. Ich war selber mal so jung und wenn man vor so vielen Leuten eigentlich unbekümmert aufspielen will, aber dann einen Fehlpass spielt und viele Zuschauer raunen oder pfeifen, muss man erstmal lernen, damit umzugehen. Man sagt als Außenstehender immer so einfach: Wenn ich da unten stehen würde, wäre mir das alles egal, lass die Leute doch pfeifen – aber wenn man selber unten auf dem Platz steht, ist es was anderes.

Das ist keine Ausrede

Das soll auf keinen Fall als Ausrede gelten. Wir müssen lernen, mit der Situation umzugehen. Das gehört zum Reifeprozess. Fußball hat viel mit mentalen Dingen zu tun. Dass die Leute im Stadion das nicht gerne hören und vielleicht auch nicht so sehen, ist ok. Jeder hat seine Situation und seine Sicht. Wir haben vor der Saison gesagt, dass der klare Anspruch ist, aufzusteigen. Dass keiner Lust hat, bis zum 34. Spieltag zittern zu müssen, weder die Fans noch wir Spieler, ist auch klar. Wir müssen jetzt gucken, dass wir diesen Lernprozess so schnell wie möglich abschließen und diese Dominanz ausstrahlen, dass für den Gegner wenig zu holen ist – egal ob zu Hause oder auswärts. Man wird immer mal das ein oder andere Spiel verlieren. Aber vom Auftreten her müssen wir einfach zeigen, dass wir unbedingt aufsteigen wollen. Es gibt Phasen, da tun wir das. Aber noch zu selten.

Trotz allem: Unsere Ausgangslage ist gut

Trotzdem sind wir nach zehn Spieltagen Erster und damit zumindest vom Tabellenstand her voll im Soll. Dass wir den ein oder anderen Punkt mehr haben könnten und die Spielweise noch nicht zu dem passt, was wir uns vor der Saison vorgenommen haben, wissen wir alle.

Im Endeffekt geht es aber nur um den Aufstieg. Wenn wir mit 34 Scheißspielen Erster werden und fünf Punkte vor dem Zweiten sind, ist mir das lieber, als wenn wir 34 geile Spiele machen, jedes Mal ein Spektakel liefern, wir aber Dritter werden und in der Relegation scheitern. Klar ist unser Anspruch, besser zu spielen und erfolgreich zu sein – aber so lange es zumindest erfolgreich ist, lässt sich daran besser arbeiten, als wenn wir jetzt Fünfter, Sechster, Siebter wären. Denn dann käme noch eine ganz andere Form von Druck. Deshalb ist das ein Stück weit Jammern auf hohem Niveau.

"Gegen Heidenheim wollen wir unsere Sache unbedingt besser machen." Am Samstag gegen Heidenheim wollen wir unsere Sache unbedingt besser machen. Ich hoffe, dass ich dann wieder dabei sein kann. Ich habe letzte Woche Donnerstag im Training das erste Mal gemerkt, dass ich Probleme an der Oberschenkelrückseite habe. Am Freitag habe ich trainiert, aber auch mit Problemen. Deshalb war die Absprache, dass ich mit nach Kiel fahre, mich nochmal behandeln lasse, nochmal einen Tag mehr Zeit habe – und dann im Aufwärmen mein Ok gebe oder eben nicht. Im Aufwärmen habe ich leider schnell gemerkt: Ich kann der Mannschaft heute nicht weiterhelfen. Dann macht es keinen Sinn. Dann stehe ich mir und der Mannschaft im Weg. Dafür haben wir einen Kader mit guten Spielern, dafür sind wir mit 19 Mann nach Kiel geflogen.

Da war es besser, dass ich aussetze, bevor etwas Schlimmeres passiert oder ich meine Leistung nicht abrufen kann. Ich hätte vom Kopf her einfach nicht frei aufspielen können. Mittlerweile habe ich ein paar Jahre als Profi hinter mir und kenne solche Situationen. Vielleicht war da früher bei mir ein oder andere Mal falscher Ehrgeiz dabei – und das rächt sich. Daher lernt man aus seinen Erfahrungen und weiß, dass man sich und der Mannschaft in so einem Zustand nicht helfen kann.

Die letzten Tage habe ich individuell gearbeitet, heute konnte ich wieder mit der Mannschaft trainieren. Ich hoffe, dass ich bis Samstag fit werde und gebe alles dafür.“

  • empfehlen

Tabelle

Menu
Gesamttabelle
PL. Verein Pkt.
1 Hamburger SV 34
2 1. FC Köln 33
3 1. FC Union Berlin 28

FC-FANSHOP