Nachwuchs | 24.07.2018

Fritz-Walter-Medaillengewinner

Noah Katterbach: Kein Weg zu weit

Seit zehn Jahren spielt FC-Talent Noah Katterbach im Nachwuchsbereich des 1. FC Köln. Jetzt wird er vom DFB mit der Fritz-Walter-Medaille in Gold ausgezeichnet. Ein Ansporn für die Zukunft. Und eine Belohnung für harte Arbeit und große Aufopferungsbereitschaft – von ihm und seiner Familie.

Es ist die höchste Einzelauszeichnung, die der deutsche Nachwuchsfußball zu vergeben hat: die Fritz-Walter-Medaille in Gold. In diesem Jahr geht sie wie bereits im Vorjahr an ein FC-Talent – an Noah Katterbach, der als 17-Jähriger bereits in der U19 des FC spielt.

Schon als 14-Jähriger hatte er einen vollgepackten Tag. Um 6.50 Uhr verließ er das Haus – und kam erst abends zurück. Schon damals trainierte er vier- bis fünfmal die Woche. Seine Eltern fuhren ihn dann regelmäßig ans Geißbockheim zum Training oder zu einem Meisterschaftsspiel. Ein beachtlicher Aufwand, denn Noah kommt aus dem kleinen Dorf Dreiborn in der Eifel. Bekannt ist das Dörfchen nahe der belgischen Grenze für seine Wasserburg – die höchstgelegenste im Rheinland. 140 Kilometer und etwa zwei Stunden nahm die Familie Katterbach pro Tag für den Hin- und Rückweg zum Training in Kauf. Vater Edwin Katterbach ist Schornsteinfeger und selbstständig, seine Frau Yvonne arbeitete lange Zeit flexibel in der Gastronomie. Sonst wäre es gar nicht möglich gewesen, Noah ständig zum Geißbockheim zu bringen. Der FC hat für seine Talente zwar einen Fahrdienst – allerdings nicht in der Heimat von Noah Katterbach.

„Die werden ja nicht ausgerechnet unseren Noah nehmen“

Die weite Distanz zu seinem Heimatort hätte Noahs FC-Laufbahn beinahe beendet, bevor sie überhaupt angefangen hatte. Mit sieben Jahren hatten ihm seine Eltern zum Probetraining beim 1. FC Köln angemeldet. Es sollte eine Überraschung sein. „Wir wollten Noah einen schönen Fußballnachmittag ermöglichen. Uns war gar nicht bewusst, dass bei diesem Training auch FC-Scouts sichten“, erzählt seine Mutter Yvonne Katterbach. Mehr als 100 Kinder nehmen in der Regel an den Probetrainingseinheiten teil, die der FC zweimal im Jahr anbietet. „Als wir erfahren haben, dass ganz wenige Kinder später sogar ins FC-Mannschaftstraining eingeladen werden, haben wir uns gedacht: Die werden ja nicht ausgerechnet unseren Noah nehmen“, sagt Vater Edwin Katterbach. Doch Noah überzeugte mit seiner Spielfreude und seinem Bewegungstalent. Zwei Spieler wurden damals erneut ans Geißbockheim eingeladen. Einer von ihnen war Noah. Er trainierte ein paar Mal mit, danach gab es ein verständnisvolles Gespräch mit seinen Eltern und den Verantwortlichen der FC-Nachwuchsabteilung. Es ging darum, ob der Aufwand für Noah nicht zu viel sein und die Schule darunter leiden könnte. Danach, so erinnert sich Edwin Katterbach, stand fest: „Das machen wir nicht.“

Noah war natürlich enttäuscht. Es vergingen einige Wochen. „Er hat danach fast jeden Tag von dem Training gesprochen und so haben wir schließlich zum Telefon gegriffen und beim FC angerufen“, sagt seine Mutter. Allerdings war der letzte Kaderplatz mittlerweile vergeben. Doch der FC machte eine Ausnahme. Und so ging die U8 des 1. FC Köln erstmals mit zwölf statt elf Spielern in die Saison. Die Katterbachs haben ihre Entscheidung nie bereut. Sie lernten die Eltern der anderen Nachwuchsspieler kennen, auf den Turnieren picknickten sie gemeinsam und unterstützten zusammen ihre Kinder. „Wir waren eine verschworene Einheit und die entstandenen Freundschaften halten heute noch“, sagt Edwin Katterbach.

Unvergessliche Erinnerungen

Zehn Jahre ist das nun her. Jahrelang fuhren die Katterbachs ihren Noah zum Training und zum Spiel. 800 Kilometer legten sie jede Woche zurück. Um zu gewährleisten, dass Noah immer pünktlich bei den Spielen ist, reisten sie bei weiteren Fahrten manchmal am Vorabend an und übernachteten im Hotel. Sie kauften sich sogar einen Bulli mit ausklappbarem Tisch in der Seitentür, damit Noah seine Hausaufgaben auf der Fahrt machen konnte. „Wir haben unser Leben schon stark dem Fußball angepasst“, sagen die Katterbachs ehrlich.

Es hat sich gelohnt. Noah durchlief die Nachwuchsmannschaften des 1. FC Köln und wurde in die Junioren-Kader des DFB berufen. „Darum ging es uns allerdings nie. Wir haben den Aufwand betrieben, weil Noah beim 1. FC Köln aufgeblüht ist und so viel Freude hatte. Für uns wäre es auch keine verschwendete Zeit gewesen, wenn Noah nach fünf Jahren keine Lust mehr auf Fußball gehabt hätte“, sagt seine Mutter. Doch dazu kam es nicht. Und so hängen viele spannende Erinnerungen an den vergangenen Jahren. Die zahlreichen Spaziergänge im Grüngürtel, wenn Noah Training hatte. Die heißen Getränke in der Nachwuchshütte, wenn es geschneit hatte. Die Turniere und Spiele – und die Nacht in der sie bis 1.30 Uhr auf ihren Noah warten mussten, weil der Mannschaftsbus nach einem Turnier im Stau stecken geblieben war. „Seitdem hatten wir Decken, Kissen, Klappstühle und Schirme in unserem Bulli“, sagt Edwin Katterbach lachend.

Mittlerweile ist der Aufwand für die Familie wesentlich kleiner geworden, die weiten Fahrten aus der Eifel entfallen. Noah wohnt mit anderen Sportlern zusammen im Sportinternat Köln, direkt neben dem RheinEnergieSTADION. Der mittlerweile 17-Jährige nahm an der U17-Europameisterschaft in Spanien in diesem Jahr teil und wird am 9. September durch den DFB mit der Fritz-Walter-Medaille in Gold geehrt. Es ist die höchste Einzelauszeichnung im deutschen Nachwuchsfußball. „Das ist eine große Ehre und ein Ansporn für mich, jetzt noch mehr Gas zu geben, um meine Ziele zu erreichen“, sagt Noah. Er weiß, dass noch viel Arbeit vor ihm liegt, aber wer ihn in der U19 auf dem linken Flügel rauf und runterflitzen sieht, erkennt: Auch auf dem Platz ist ihm kein Weg zu weit.

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Gesamttabelle
PL.VereinPkt.
9TSG 1899 Hoffenheim35
101. FC Köln32
111. FC Union Berlin30

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