Frauen | 10.05.2022

Abschied nach acht Spielzeiten

Rinast: Zwischen Bühne und Bundesliga

Rachel Rinast trägt den FC in ihrem Herzen. Im Sommer wechselt sie zum Grasshopper Club Zürich. Die Schweizer Nationalspielerin lief insgesamt acht Spielzeiten für die FC-Frauen auf und war auch neben dem Platz stets bemerkenswert vielseitig.

Seit 14 Jahren gehört FC-Spielerin Rachel Rinast dem Erst- und Zweitligafußball an. „Fußball war immer schon meine große Leidenschaft. Dass ich diesem Sport so lange treu bleibe, hätte ich selbst nicht vermutet“, sagt Rinast, die im Sommer 31 Jahre alt wird. Mittlerweile spielt Rinast mit Unterbrechungen ihre achte Saison für den FC. Die Bad Segebergerin aus Schleswig-Holstein hat Köln längst zu ihrer Wahlheimat erklärt. Außerdem hat sie die Entwicklung des Frauenfußballs seit ihrem Zweitligadebüt für den FFC Oldesloe in der Saison 2007/08 hautnah miterlebt. „Ich habe nie aufgegeben, dafür zu kämpfen, dass der Frauenfußball die Aufmerksamkeit bekommt, die er verdient. Wenn ich irgendwann kein Fußball mehr spiele, möchte ich sagen können, dass ich meinen Teil beigetragen habe, dass sich etwas bewegt hat.“

In England und Spanien kommen bei Spitzenspielen mittlerweile deutlich über ¬50.000 Zuschauer in die Stadien, für den Clásico in der Champions League zwischen Titelverteidiger FC Barcelona und Real Madrid im März wurden 85.000 Karten verkauft. „Die Bundesliga galt mal als stärkste Liga der Welt. Wir müssen gemeinsam anpacken, dass sich in Deutschland mehr Zuschauer für den Frauenfußball interessieren und er nicht immer mit der Athletik des Männerfußballs verglichen wird. Den Fußball, den Frauen spielen, sollte man eigenständig betrachten, dann fällt einem auch auf, dass man ihn genauso genießen kann. Ich bin überzeugt, dass der Frauenfußball in Deutschland noch viel Potenzial hat“, sagt Rinast.

Aufstieg und Nationalmannschaftsdebüt

Die Außenverteidigerin mit der körperbetonten Spielweise weiß, wovon sie spricht. Sie lief in ihrer Karriere für den TSV Nahe, Holstein Kiel, den SC 07 Bad Neuenahr, den israelischen Fußballclub ASA Tel-Aviv FC, Bayer 04 Leverkusen, den FC Basel aus der Schweiz, den SC Freiburg und den 1. FC Köln auf. „Auch wenn ich ursprünglich ein Nordlicht bin, ich liebe Köln und den FC“, sagt Rinast. „Auch wenn ich in der neuen Saison nicht mehr hier spielen werde, der FC wird immer mein Club bleiben.“ 
 

Hier spürte sie seit ihrem ersten Wechsel 2010 die familiäre Atmosphäre und die Leidenschaft der Verantwortlichen, den Frauenfußball voranzubringen. Mit dem FC stieg sie 2014/15 als Meister der 2. Bundesliga Süd in die Bundesliga auf. „Darauf hatten wir lange hingearbeitet. Dieser Erfolg gehört zu den besonderen Momenten meiner Karriere“, schwärmt Rinast. In Köln wurde die Außenverteidigerin, die einen Schweizer Pass besitzt, auch Nationalspielerin. Rinast wurde im März 2015 von Trainerin Martina Voss-Tecklenburg für den Algarve-Cup erstmals in den Kader der Schweizer Nationalmannschaft berufen und gab dort ihr Debüt gegen Island. Bei der Weltmeisterschaft in Kanada im Sommer 2015 gehörte sie zum Schweizer Aufgebot und erreichte mit der Mannschaft das Achtelfinale. 

Doch nicht immer ging es in ihrer Fußballkarriere steil bergauf. „Ich hatte in meiner Karriere einige Phasen, in denen die Kritik sehr laut war und der Druck sehr groß. Ich habe es aber immer geschafft, auch wenn es mental schwierig wurde, mich wieder aus dieser Phase herauszuziehen. Außerdem war ich immer eine Spielerin, die klar ihre Meinung gesagt hat, auch wenn sie kritisch war. Das sind Dinge, auf die ich in meiner Laufbahn sehr stolz bin“, erklärt Rinast. Bei einer dieser Krisen half ihr der Wechsel im Januar 2019 zum ASA Tel-Aviv FC. In Israel öffnete sich ein neues, abenteuerreiches Kapitel ihrer Karriere und sie fand ihre Freude am Fußball wieder. „Ich wurde sehr herzlich und mit offenen Armen empfangen. Ich habe ein beeindruckendes Land mit vielen tollen Menschen kennengelernt, das mir die Energie zurückgegeben hat, die ich zuvor im Bundesligafußball verloren hatte“, sagt Rinast. In Tel-Aviv wurde sie israelische Meisterin und kehrte danach im Sommer 2019 zum 1. FC Köln zurück. „Ich wusste, dass wenn ich zu dem Zeitpunkt noch einmal in die Bundesliga zurückkehren würde, dann nur zum 1. FC Köln. Ich hatte meine Verbundenheit zum Club nie verloren.“ 

Der Klassenerhalt mit den FC-Frauen in der Bundesliga gestaltete sich in den vergangenen Jahren aber schwierig. Nach dem Aufstieg ging es ein Jahr später stets in die zweite Liga zurück. In der Saison 2019/20 hatten die FC-Frauen mit Rinast den knappsten Abstieg zu verkraften. Der FC spielte für einen Aufsteiger eine bemerkenswerte Rückrunde. Rinast ging in einer Corona-geprägten Saison voran, traf gegen Essen und Jena jeweils zum entscheidenden1:0-Sieg. „Wir konnten wegen der Corona-Pandemie eine Zeit lang nicht trainieren, die Bedingungen waren extrem, aber wir haben am Ende trotzdem nochmal alles reingeworfen, um die Überraschung zu schaffen“, erzählt Rinast. Es blieb spannend bis zum letzten Spieltag, aber es reichte nicht. Die FC-Frauen stiegen nur aufgrund des schlechteren Torverhältnisses gegenüber Duisburg und Leverkusen ab. Nach einem souveränen Wiederaufstieg unter Trainer Sascha Glass unternahm der FC in dieser Saison den nächsten Versuch, erstmals den Klassenerhalt in der Bundesliga zu schaffen – und das gelang. Drei Spieltage vor Saisonende brachten die FC-Frauen den historischen Klassenerhalt unter Dach und Fach. 
 

Für Rinast ist der Klassenerhalt der Abschluss ihrer FC-Zeit, sie spielt in der kommenden Saison für den Grasshopper Club Zürich. „Wir haben in dieser Saison gezeigt, dass wir uns weiterentwickelt haben. Ich bin stolz, dass wir uns in diesem Jahr endlich den Traum vom Klassenerhalt in der Bundesliga erfüllt haben“, sagt Rinast. 

Vielseitige Talente

Sich ihre Träume zu erfüllen, versucht Rinast auch abseits des Platzes. „Ich brauche neben dem Fußball Raum für Individualität und die Möglichkeit, Dinge zu machen, um mich zu entfalten und die mir Spaß machen“, sagt Rinast. „Die Musik war schon immer ein wichtiger Bestandteil meines Lebens. Ich habe mit 15 Jahren Geige spielen gelernt und hatte Gesangsunterricht.“ Zusammen mit den Kölner Sängern Joel Ney und Dan O’Clock, die gemeinsam das Duo Fimm bilden, hat sie einen Song aufgenommen, um auf den Frauenfußball aufmerksam zu machen, und mit der Schweizer Nationalmannschaft sang sie das Lied United in Red. Auch in Fernsehshows war Rinast zu sehen. An der ProSieben-Castingshow FameMaker nahm sie teil und trat für einen guten Zweck in der Schweiz bei der Show Ninja Warrior an. Auch als Stand Up-Comedienne versuchte sie sich und kam beim Comedyformat NightWash bis ins Finale. „Mir macht es unheimlich Freude, auf der Bühne zu stehen“, erzählt Rinast. „Als Stand Up-Comedienne aufzutreten, war eine krasse Erfahrung, weil es natürlich sein kann, dass man auf der Bühne steht und das Publikum einfach mal nicht über deine Gags lacht. Aber auch damit muss man dann umgehen. Für mich war es wichtig, mich in den vergangenen Jahren vielfältig auszuprobieren, um auch Anhaltspunkte zu haben, was mir nach meiner Fußballkarriere Spaß machen könnte.“ Parallel absolvierte Rinast ein Praxissemester als Lehrerin in einer Schule. „Manchmal ist mein Alltag sehr vollgepackt mit Terminen. Aber ich habe so viel Energie, dass ich alles bewältigen kann, ohne den Fußball zu vernachlässigen. Ich war immer schon ein Teamplayer und ich möchte immer, dass wir unsere Ziele als Mannschaft durch eine gute Saison erreichen“, sagt Rinast. In der FLYERALARM Frauen-Bundesliga bestreiten Rinast und die FC-Frauen in dieser Saison noch ein Spiel und empfangen am Sonntag, 15. Mai 2022, 14 Uhr, den SC Freiburg im Franz-Kremer-Stadion. Für Rinast wird es ein Abschied werden, bevor sie sich neuen Herausforderungen in der Schweiz widmet. Rinast sagt: „Ich hatte hier eine unvergessliche Zeit und man weiß nie, was die Zukunft noch für einen bereit hält. Ich bin ja nicht aus der Welt. Aber ganz egal was passiert, wer den FC einmal so verinnerlicht hat und den Verein so gelebt hat, wird immer ein Teil davon bleiben und ihn auch überall mithinnehmen. FC e leeve lang.“

FC-Dauerkartenbesitzer für die Spiele der männlichen Profis haben am Sonntag beim Heimspiel der FC-Frauen gegen Freiburg freien Eintritt. Tickets gibt es im FC-Ticketshop.

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Gesamttabelle
PL.VereinPkt.
6Sport-Club Freiburg55
71. FC Köln52
81. FSV Mainz 0546

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