
Alles Joode zum 60. – Olaf Janßen im Geburtstags-Interview
08.10.2026
In 255 Pflichtspielen trug er das Trikot des 1. FC Köln. Er wurde mit dem FC Vizemeister, erreichte das Pokalfinale 1991, das UEFA-Cup-Finale 1986 und wurde in den Club der Legenden aufgenommen. Heute feiert Olaf Janßen seinen 60. Geburtstag. Im Interview mit fc.de spricht der heutige Trainer über seine neue Aufgabe, das DFB-Debüt seines früheren Schützlings Said El Mala sowie den Saisonstart des FC.
Olaf, wir dürfen Dich gleich zweifach beglückwünschen. Seit dieser Woche bist Du neuer Cheftrainer beim Grasshopper Club Zürich. Wie kam es dazu?
Das ist tatsächlich eine besondere Geschichte. Der Verein hat sich eine Spiel-DNA auf die Fahne geschrieben und sehr akribisch in den europäischen Ligen nach Trainern gesucht, deren Mannschaften so spielen, dass es am besten zu dieser Philosophie passt. Da bin am Ende ich herausgekommen. Deshalb haben sie mich angerufen. Wir haben uns unterhalten und ich habe gemerkt, dass sehr viel von meinem Fußballverständnis darin steckt – also wie ich Fußball sehe und wie ich meine Mannschaften spielen lassen möchte, insbesondere zuletzt bei Viktoria Köln.
Wie waren die ersten Tage für Dich?
Die ersten Tage fühlen sich sehr gut und sehr richtig an. Wir haben sehr viele Gespräche geführt. Dass dann beide Seiten gesagt haben: „Das machen wir“, freut mich sehr. Jetzt werde ich 60. Damit hätte ich so nicht mehr gerechnet. Die Aufgabe ist super herausfordernd, aber genau deswegen ist sie natürlich auch schön.
Müssen die Situation und das Spielermaterial perfekt zu Dir passen, damit Du zu solch einer Aufgabe Ja sagst?
Ich habe mein ganzes Leben lang nach Projekten entschieden und nicht nach Vereinen. Ich möchte mich in der Aufgabe wiederfinden und meinen Input geben. In Zürich ist es so, dass bei vielen Dingen, die sie sich vorgenommen haben und die zu meiner Spielphilosophie und meinem Denken über Fußball passen, noch Potenzial da ist. Die gilt es jetzt zu entwickeln. Es ist ja nicht so, dass alle Spieler bereits nach dieser Philosophie ausgebildet worden sind. Aber genau das reizt mich an dieser Aufgabe: ein wichtiger Teil dieser Entwicklung sein zu dürfen, in einem Team, in dem alle in die gleiche Richtung denken.

War es eigentlich Dein Plan, nochmal auf die Trainerbank zurückzukehren?
Definitiv. Ich hatte das Gefühl, dass ich noch nicht fertig bin. Dafür habe ich noch viel zu viel Lust auf die ganze Sache. Ich war gespannt, wie es für mich weitergeht. Aber ich wusste natürlich nicht, ob nochmal etwas um die Ecke kommt, bei dem ich sage: „Geil, , das passt“.
Wie läuft das Leben als Trainer ab, wenn man gerade keinen Job hat?
Ich muss zugeben, dass es auch wichtig ist, mal ein paar Monate zu haben, in denen man durchatmen kann. Das habe ich jetzt gemerkt. Zuvor hatte ich im Prinzip 20 Jahre durchgearbeitet. Es tat sehr gut, runterzukommen und sich um andere Dinge zu kümmern – um Familie, Freunde oder auch um sich selbst. Und Dinge zu tun, zu denen man sonst einfach nicht kommt. Das habe ich genossen. Gleichzeitig habe ich mir mit meinem Co-Trainer viele Spiele angeschaut. Wir konnten mit anderen Augen auf den Fußball schauen – ganz ohne Stress. Das hat unheimlich viel Spaß gemacht.
Hast Du dabei auch Inspiration sammeln können?
Zu 100 Prozent. Wenn du im Job bist, ist das aufgrund der Vielfalt des Aufgabengebiets extrem schwierig. Du musst auch für dich selbst Energie finden, weil du sieben Tage die Woche unterwegs bist und dir rund um die Uhr Gedanken machst. Du gehst nicht nach Hause und dann ist die Arbeit zu Ende. Von daher habe ich viel daraus ziehen können.
In den letzten Tagen gab es noch eine weitere schöne Geschichte. Said El Mala hat sein Debüt in der Nationalmannschaft gegeben. Hast Du Dir die Spiele angeschaut?
Ja, natürlich.
Was ging Dir dabei durch den Kopf?
Said El Mala ist natürlich eine Geschichte wie aus einem Roman. Wir haben ihn gemeinsam mit Malek aus Meerbusch geholt – wirklich gefühlt vom Bolzplatz. Da hat einfach noch sehr viel gefehlt. Aber er hatte schon damals Qualitäten, die mittlerweile ganz Deutschland kennt. Ich weiß noch genau, wie wir ihn damals aus der U19 mit ins Trainingslager der Profis genommen haben. Wir hatten noch eine Diskussion im Verein, weil das Ganze 500 Euro gekostet hat. Wir haben es trotzdem gemacht. Und im Trainingslager habe ich dann gewusst: Okay, der geht jetzt nicht mehr zurück in die U19. Der bleibt bei mir und nimmt diesen Weg. Bei der Viktoria haben über 20 Spieler, die aus dem NLZ oder aus Regionalliga-Vereinen gekommen waren, den nächsten Schritt gemacht. Das ist sicherlich etwas ganz Besonderes.
Wie stolz bist Du darauf?
Said ist natürlich das Königsbeispiel. Was er gemacht hat, erfüllt alle Menschen mit viel Stolz, mich auch. Als Trainer würde ich mir wünschen, dass man ihm die Zeit gibt, sich auch für die nächsten Schritte weiterzuentwickeln. Das wird das Wichtigste sein. Er hat schon sehr viel, aber er ist erst 20 und braucht einfach noch Zeit, um sein volles Potenzial zu entfalten. Ich bin erst einmal froh, dass er beim FC geblieben ist. Nicht, weil es mein Verein ist, sondern weil ich glaube, dass es für seine Entwicklung extrem wichtig ist, dass er diese Erfahrungen in den nächsten Monaten mit dem Verein machen darf.

Hättest Du gedacht, dass er nach seinem Wechsel zum FC so schnell durchstartet?
Ich habe es ihm definitiv zugetraut. Ich wusste, dass er dem FC mit seinen Skills guttun wird. Dass es dann in dieser Art und Weise passiert, ist natürlich etwas Besonderes. Gefühlt war er ja auch schon bei der WM dabei. Ich hatte es eben schon gesagt: Es ist wie in einem Roman. Nur wenn man ihn genauso schreiben würde, würden wahrscheinlich die meisten sagen: „Schöner Roman, aber ziemlich unrealistisch.“
Du warst zu Saisonbeginn auch häufiger im RheinEnergieSTADION. Wie hast Du den FC in den ersten Partien gesehen?
Ich muss sagen, dass ich sehr hoffnungsfroh bin, weil man die Energie dieser Mannschaft gespürt hat. Diese Überzeugung, dass man mit den Jungs Mannschaften wehtun und Siege einfahren kann, ist kein Selbstverständnis für den 1. FC Köln. Dieses Potenzial habe ich gesehen. Die Verletzungen im Testspiel waren natürlich traurig und dramatisch. Jetzt müssen Mannschaft, Fans und Verein ganz eng zusammenrücken. Das ist eine brutale Herausforderung. Es geht darum, kein Trübsal zu blasen, sondern die Situation anzunehmen.
Als Nächstes steht das Derby an. Wie bereitet man eine Mannschaft auf so ein Duell vor?
Die eine Seite ist die Motivation. Da können wir sofort einen Haken drunter machen, weil die Mannschaft das nicht braucht. Es wird darum gehen, das Spiel anzunehmen. Ein Derby ist keine Belastung, ein Derby ist immer eine riesige Chance. Man muss das Spiel mit der Überzeugung angehen, etwas Besonderes schaffen zu können. Das Gefühl, im eigenen Stadion ein Derby zu gewinnen, ist mit wenig zu ersetzen. Das sind drei Punkte mit Sternchen.
Was ist Dein Tipp? Wie geht das Derby aus?
Mein Bauch sagt mir tatsächlich, dass der FC dieses Spiel gewinnt. Wenn die Jungs – egal in welcher Konstellation – diese Überzeugung und Performance auf den Platz bringen, dann werden sie das Ding ziehen.















