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100-Prozent-Start beim FC: Simpson-Pusey im Interview

22.1.2026

Jahmai Simpson-Pusey kam beim 1. FC Köln hat, trainierte mit der Mannschaft ein paar Tage im Trainingslager in Südspanien und spielte dann gleich dreimal 90 Minuten in der Englischen Woche. Im Interview blickt der Verteidiger auf diesen intensiven Start zurück, er spricht über seine ersten Eindrücke von Köln, dem FC und das Training unter Pep Guardiola.

Jahmai, Du hast in Deiner ersten Woche gleich drei Spiele für den 1. FC Köln bestritten. Wie war dieser 100-Prozent-Start für Dich?

Jahmai Simpson-Pusey: Es war verrückt, ich wurde gleich ins kalte Wasser geworfen. Aber ich habe mich darüber gefreut. Ich bin von Spiel zu Spiel besser reingekommen und bin glücklich über diese erste Woche.

Wie war es, gleich eine so wichtige Rolle zu spielen?

Es lag natürlich viel Verantwortung auf meinen Schultern – aber ich hatte das Gefühl, dass ich gut damit umgehen kann. Der Trainer hatte mir schon angekündigt, dass er mich ins kalte Wasser werfen würde – deshalb habe ich mich darauf vorbereitet, jederzeit spielen zu können.

Wann hast Du davon erfahren, in Heidenheim gleich in der Startelf zu spielen?

Das war erst am Spieltag. Ich habe mein Gesicht in der Besprechung auf dem Bildschirm gesehen und dachte: Das ist verrückt. Ich war nicht wirklich nervös, aber natürlich schon aufgeregt. Mein letztes Spiel lag schon ein bisschen zurück.

Du musstest Dich an ein neues System und an neue Teamkollegen gewöhnen, dazu kam der Temperaturunterschied zwischen dem Trainingslager und Heidenheim. Wie bist Du mit diesen Umständen umgegangen?

Das Schwierigste war, mich an das Zusammenspiel mit den neuen Mitspielern zu gewöhnen – sie kannten mich nicht, ich kannte sie nicht. Weil es mein erstes Spiel war, konnten sie auch noch nicht das volle Vertrauen in mich haben. Die Temperatur hat mir nicht viel ausgemacht, das einzige Problem war der Schnee, der vor allem in der ersten Halbzeit im Auge gelandet ist. Schon in der zweiten Hälfte hat sich das Zusammenspiel mit dem Team besser angefühlt, es wurde von Zeit zu Zeit immer besser.

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In Deinem ersten Heimspiel hast Du dann gleich gegen Harry Kane verteidigt…

Ja, das war verrückt. Unabhängig davon waren es so viele Eindrücke: Die Fans, das Stadion, die Atmosphäre – alles top. Wir haben ein gutes Spiel gemacht, die Bayern zum Nachdenken gebracht und ihnen alles abverlangt. Ich war zufrieden mit der Performance des Teams und von mir selbst.

Harry Kane ist nicht nur der klassische Stürmer, sondern lässt sich auch einmal zurückfallen. Wie schafft man es, ihn zu verteidigen?

Er ist natürlich ein richtig guter Stürmer, den man durch das Zurückfallen nicht dauernd decken kann. Wichtig wird es, wenn er in den freien Raum an den Ball kommt, dann muss man da sein.

Wie bewertest Du die Leistungen der vergangenen Woche?

Das Spiel in Heidenheim war für das Team und mich weder wirklich gut noch wirklich schlecht. Gegen Bayern war es als Team eine sehr gute Performance. Gegen Mainz war die Leistung in der ersten Halbzeit nicht unsere Beste, aber nach der Pause konnten wir das Spiel komplett verändern und drehen. Mit dieser zweiten Halbzeit können wir zufrieden sein und darauf aufbauen.

Neue Sprache, neues Umfeld. Gibt es Spieler, die Dich besonders an die Hand genommen haben?

Alle Spieler haben mich super empfangen. Da alle Englisch sprechen, ist die Verständigung kein Problem, ich habe am Dienstag aber auch schon meine erste Deutschstunde gehabt.

Wie war es?

Es war schon schwer, für mich hört sich vieles noch wie rückwärts und durcheinander an. Aber jetzt gilt es, einfach dranzubleiben, damit ich hoffentlich bald Deutsch sprechen kann.

Die FC-Fans haben einen guten ersten Eindruck von Dir. Wie würdest Du Dich selbst als Spieler beschreiben?

Die Mannschaft hatte zuletzt keine einfache Phase mit einigen Spielen ohne Sieg. Ich denke, wenn wir wieder mit mehr Selbstvertrauen spielen, kann ich meine Stärken noch mehr einbringen, ein Spiel auch zu kontrollieren und zu lenken. Das haben die Fans bislang noch nicht gesehen. Defensiv geht es darum, immer besser reinzukommen, da ich zuletzt nicht so viel gespielt hatte.

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Du kannst von hinten gute Bälle mit beiden Füßen spielen.

Eigentlich bin ich Rechtsfuß, aber ich habe meinen linken Fuß intensiv trainiert, vor allem, als ich jung war. Als ich 16 Jahre alt war, war ich verletzt und habe in dieser Zeit vor allem den linken Fuß trainiert. Als Verteidiger ist das ein großer Vorteil, wenn man mit beiden Füßen gute Bälle spielen kann.

Hast Du schon etwas von der Stadt gesehen?

Ja, ich bin schon durch die Stadt gelaufen – es hat sich angefühlt wie im Labyrinth (lacht). Und ich habe den Dom schon gesehen, abends, als wir leider nicht rein konnten. Aber er sah schon von außen sehr beeindruckend aus. So etwas habe ich noch nicht gesehen.

Hast Du Dich vor dem Wechsel schon über die Stadt und den FC informiert?

Ja, ich habe etwas über Hennes gelesen. Aber mir wurde erst bei meinem ersten Heimspiel klar, welche Bedeutung er hier wirklich hat. Ich sehe ihn am Spielfeldrand, wie er die ganze Zeit gefüttert und verpflegt wird, das ist besonders. Und dann habe ich von der Bedeutung des Karnevals gehört. In England haben wir zwar auch Karneval, aber das ist nicht wirklich vergleichbar.

Welcher Moment ist Dir bislang besonders in Erinnerung geblieben?

Als Ragy das zweite Tor am Samstag gemacht hat. Es war verbunden mit einer großen Erleichterung, weil das Team länger nicht gewonnen hatte. Zudem war es mein erster Sieg mit dem FC. Wir konnten alle aufatmen und waren überglücklich.

Wie glücklich bist Du, wieder auf dem Platz zu stehen, nachdem Du in den sechs Monaten in Glasgow kaum gespielt hattest?

Ich bin sehr dankbar und einfach glücklich. Ich hatte in den letzten Monaten kaum die Chance zu spielen. Auch wenn es fußballerisch für mich nicht gut lief, war die Zeit bei Celtic aber eine wertvolle Erfahrung für mich. Ich habe gelernt, dass im Fußball nicht immer alles reibungslos läuft, man aber dranbleiben muss.

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Bei Manchester City hast Du mit den Profis trainiert und Dein Profidebüt gegeben. Wie war es, dort ausgebildet zu werden und mit einem Trainer wie Pep Guardiola zu arbeiten?

Die Fußballausbildung ist wahrscheinlich das Beste, was du als junger Spieler bekommen kannst. Du lernst, was einen guten Fußballer ausmacht – technisch, taktisch. Das hilft dir später, auch wenn du verliehen wirst oder den Club verlässt. Denn immer mehr Teams wollen so spielen wie die großen Teams. Und wenn du mit Pep arbeitest, lernst du so viel – selbst, wenn du gerade nicht in dem Team trainierst, auf das er sich fokussiert. Du musst nur zusehen und zuhören, was er im Training sagt. Selbst wenn er mit jemandem auf Spanisch spricht, kannst du immer erahnen, was er sagt aufgrund seiner Gestik. Er steckt so viel Herzblut in seine Arbeit und ich habe das Gefühl, dass er immer eine Lösung parat hat. Wenn etwas nicht funktioniert, hat er immer eine andere Idee.

Wie hast Du Dein Debüt in Erinnerung?

Es war im EFL-Cup, auswärts gegen Tottenham. Es war der letzte Wechsel, ich saß auf der Bank und hörte ihn plötzlich meinen Namen rufen. Ich wusste gar nicht, was ich tun sollte. Ich wollte das Aufwärmshirt ausziehen, aber es ging nicht runter. Als ich endlich an der Linie stand, war ich ziemlich nervös. Auf dem Platz war das aber weg und ich habe einfach mein Spiel durchgezogen. Das erste Spiel werde ich nie vergessen.