
Alfons Higl: „Wir haben vor 80.000 in Serbien gespielt“
Zwischen 1989 und 1995 lief Alfons Higl für den 1. FC Köln auf und absolvierte alle seine Bundesligaspiele im FC-Dress. Mittlerweile ist sein Sohn Felix aktiver Profi und spielt für den SSV Ulm. Vor dem Duell des FC bei den Spatzen spricht der 60-Jährige über besondere Momente seiner Karriere, die Entwicklung der Ulmer und wagt einen Ausblick auf die Partie.
Hallo Alfons, Du hast insgesamt sechs Jahre lang das FC-Trikot getragen und stehst mit Deinen 208 Einsätzen unter den 50 Rekordspielern des FC, wie verbunden bist Du heute noch mit Köln und dem Club?
Alfons Higl: Das ist schon sehr lange her, aber mein Sohn ist in Köln geboren und wir haben uns insgesamt sehr wohl gefühlt. Im Verein hat sich über die Jahre viel verändert, auf der Geschäftsstelle gibt es wahrscheinlich keinen Mitarbeiter mehr aus meiner Zeit. Ich verfolge den Verein aus der Ferne und schaue mir die Ergebnisse an. Beim Hinspiel gegen Ulm war ich im Stadion und habe die grandiose Stimmung genossen.
Wie blickst Du auf Deine Zeit beim FC zurück?
Zu unserer Zeit hatten wir andere Ansprüche. Wir waren Vizemeister, haben die Bayern geärgert und immer um die ersten sechs Plätze gespielt. Du kannst die Zeit aber mit dem heutigen Fußball gar nicht vergleichen. Mein erstes Jahr 1989/90 war wie ein wahrgewordener Traum, da stand ich mit Spielern auf dem Feld, die ich nur bewundert habe.
Ihr wurdet Vizemeister, seid ins Europapokal-Halbfinale eingezogen und standet im Pokal-Endspiel. Gibt es ein Spiel, das Dir besonders in Erinnerung geblieben ist?
Hier nenne ich immer das Achtelfinale gegen Roter Stern Belgrad. Im Hinspiel haben wir in Serbien vor 80.000 Zuschauern gespielt und 0:2 verloren. Im Rückspiel stand es zur Halbzeit noch 0:0, danach haben wir sie aber mit 3:0 niedergekämpft und das Stadion zum Beben gebracht. Belgrad hat im nächsten Jahr den Europapokal der Landesmeister gewonnen, das war eine überragende Mannschaft. Diese Emotionen waren unglaublich.
Nach Deiner aktiven Karriere bist Du ins Trainergeschäft eingestiegen. War das immer Dein Plan?
Auf jeden Fall! Ich war nie ein Topspieler und hatte dementsprechend mit 33 Jahren noch nicht ausgesorgt. Du willst natürlich, dass es deiner Familie weiterhin gut geht. Da musste eine neue Aufgabe her, den Übergang habe ich dann gut gemeistert.
Beim Bahlinger SC hast Du unter anderem Deinen Sohn trainiert. Fiel es Dir schwer Arbeit und Familie zu trennen?
Ich war immer authentisch – auch schon beim FC als Spieler. Felix war damals schon ein talentierter Spieler, damit sprachen die Argumente für ihn. Ich wollte ihn voranbringen und unterstützen, trotzdem habe ich ihn nie bevorzugt, sondern bin eher kritischer mit ihm umgegangen.
Heute läuft Felix für die Ulmer in der zweiten Liga auf. Wie stolz macht Dich seine Entwicklung in den letzten Jahren?
In jungen Jahren hat er vieles verweigert, er war in Freiburg, Hoffenheim und Heidenheim, aber das Leben im Internat war nichts für ihn. Dann hat er in der Oberliga angefangen und ich finde, dass es im Fußball wie im Leben nur von Vorteil ist, wenn man sich hochkämpfen muss. In Ulm hat er in der Regionalliga schon richtig gut performt, ist dann in die 3. Liga zu Osnabrück und später wieder zurück nach Ulm. Er hatte immer seine Anteile, auch am Aufstieg in der letzten Saison. Das ist für sein weiteres Leben einfach eine gute Schule, damit du bei Widerständen nicht direkt die Flinte ins Korn wirfst.

Die Ulmer sind in den letzten Jahren gleich zweimal aufgestiegen. Wie bewertest Du die Entwicklung des Clubs?
Sie haben mit viel Geduld und Überzeugung den Aufstieg in die 3. Liga geschafft. Dann gehst du erstmal nicht davon aus, dass es einfach so weiterläuft. Die Mannschaft hat ein gutes Fundament, angeführt von Kapitän Jo Reichert, die unglaublich geschlossen auftritt. Sie haben eine freundschaftliche Atmosphäre im Team und ziehen an einem Strang. Die individuelle Klasse ist selbstverständlich wichtig, aber wenn du so ein Teamgefühl hast, dann kannst du Berge versetzen. Der Sprung aus der vierten in die zweite Liga war gewaltig und jetzt gilt es die Klasse zu halten, allein für die TV-Gelder, denn dann kann sich auch die Infrastruktur weiterentwickeln.
Ulm steht aktuell auf dem 17. Platz. Könnte diese mannschaftliche Geschlossenheit noch der Trumpf im Abstiegskampf werden?
Mit Sicherheit! Sie sind dadurch auch immer nah dran und haben kaum deutliche Ergebnisse. Sie haben oft geführt und sich hinten heraus noch Gegentore gefangen. Jetzt muss angefangen werden, diese Situationen auch zu nutzen, vor allem weil es nicht mehr viele Mannschaften gibt, die mit unten drinstehen. Braunschweig und Münster sind noch in der Verlosung, Hertha und Darmstadt aber fast schon zu weit weg.
Am anderen Ende der Tabelle kämpft der FC um den Aufstieg. Wie ordnest Du die bisherige FC-Saison ein?
Beim FC ist es ähnlich. Ich gehe davon aus, dass sich zeitnah zwei Teams deutlicher absetzen werden. Da musst du in den kommenden Spielen konstant punkten, wenn du da dabei sein willst. Ich habe das Spiel gegen Leverkusen angeschaut, wo der FC starke Umschaltelemente eingebaut hat und hinten sehr kompakt stand, das hat mir sehr gut gefallen.
Das Hinspiel war – auch aufgrund einer frühen roten Karte – über weite Strecken eine einseitige Angelegenheit. Nun wird in Ulm gespielt, wo die Spatzen schon den ein oder anderen Favoriten geärgert haben. Was versprichst Du Dir vom Rückspiel?
Die Ulmer spielen sehr kompakt aus der Defensive heraus. Sie agieren in einer Fünferkette, dazu kommen zwei defensive Sechser sowie Krattenmacher und Batista Meier als spielstarke Offensivspieler. Ich erwarte, dass beide Mannschaften erstmal versuchen die Null zu halten und den richtigen Moment zur Führung nutzen wollen. Ein 1:0 wäre gut denkbar, aber ich sage nicht für wen (lacht).