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„Bei einem Kölsch haben wir uns wieder vertragen“

24.3.2025

Die bitterste Niederlage für einen Sportler ist, wenn nicht der Sport über Sieg oder Niederlage entscheidet. Genau vor 60 Jahren, am 24. März 1965, war das der Fall. Im Viertelfinale des Europapokals der Landesmeister hatten sich der 1. FC Köln und der FC Liverpool in Hin- und Rückspiel jeweils 0:0 getrennt. Es wurde ein Entscheidungsspiel in Rotterdam angesetzt. Nach 90 Minuten stand es 2:2, nachdem der 1. FC Köln einen 0:2-Rückstand ausgeglichen hatte. Weil in der Verlängerung kein Tor fiel und es zu dieser Zeit noch kein Elfmeterschießen gab, entschied ein Münzwurf die Partie. Eine auf der einen Seite rot und auf der anderen Seite weiß bemalte Holzplatte sollte den Sieger bestimmen. Im ersten Versuch blieb sie senkrecht im Boden stecken. Im zweiten Versuch landete die rote Seite oben, an diesem Tag die Farbe des FC Liverpool. Der 1. FC Köln schied aus. 

„Wir waren traurig und haben uns geärgert. Es ist der beste Wettbewerb und wir sind durch ein angestrichenes Stückchen Holz ausgeschieden. Das war deprimierend, wir fühlten uns ungerecht behandelt“, erinnert sich der damalige FC-Spieler Karl-Heinz Thielen. Er hatte im Entscheidungsspiel per Kopf das 1:2 erzielt und das 2:2 von Hannes Löhr vorbereitet. Ein späteres Tor zum 3:2 wurde vom Schiedsrichter aberkannt.

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Angetrieben von rund 20.000 FC-Fans in Rotterdam wollten die Kölner sich unbedingt durchsetzen. Sinnbild dafür: Wolfgang „Bulle“ Weber, der trotz eines Wadenbeinbruchs die Partie zu Ende spielte. „Er hatte sich in der ersten Halbzeit verletzt und wollte nicht weiterspielen“, erzählt Thielen. Auswechslungen waren zu dieser Zeit noch nicht erlaubt. Heinz Hornig, erzählt Thielen, habe sich dann mit folgenden Worten an Weber gewandt: „Stell dich nicht so an, so schlimm wird es nicht sein. Spring von der Bank. Wenn das klappt, dann kannst du auch spielen.“ Es hat geklappt und Weber spielte weiter. „Er war ein Vorbild an Einsatz“, sagt Thielen heute. „Aber es ging auch um viel, wir wollten das Spiel unbedingt gewinnen. Da musst du auf die Zähne beißen und er hat auf die Zähne gebissen.“

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Der FC war damals die Nummer eins in Deutschland und ambitioniert im internationalen Vergleich. „Der Club war damals ein Vorbild, es war eine tolle Zeit“, blickt Thielen darauf zurück. Liverpool war erst zwei Jahre zuvor in die erste Liga in England aufgestiegen. Verstärkt von einigen schottischen Nationalspielern erstarkte der Club und wurde Meister. „Und über die Einstellung im englischen Fußball müssen wir nicht sprechen, die war immer vorbildlich“, sagt Thielen. 

Die Kontakte zwischen den beiden damaligen Teams bestanden lange. Hin und wieder waren Liverpool-Spieler von diesem Spiel in Köln zu Besuch und haben sich ein Spiel des FC angeschaut. Als sie die FC-Hymne im Stadion hörten, freuten sie sich, ein schottisches Lied zu hören, denn die Hymne basiert auf der schottischen Melodie „Loch Lomond“. „Sie haben sich angeguckt und gesagt: Toll, dass ihr hier unsere Musik spielt. Auch hier haben wir also verloren“, sagt Thielen und lacht. Er selbst hielt bei einem Besuch der ehemaligen Gegner im Rathaus eine Rede. Er sprach vom „fucking coin“, der verdammten Münze. „Aber bei einem Kölsch haben wir uns alle wieder vertragen.“