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Blick nach oben: U21 ärgert den großen Favoriten

22.4.2026

Der weibliche Nachwuchs des 1. FC Köln hat sich im Sommer neu aufgestellt und große Ziele für die Zukunft. Vor allem ein Team spielte sich in den vergangenen Monaten in den Fokus und ärgert gerade den großen Favoriten.

Bereits am zweiten Spieltag kam es in der laufenden Spielzeit zum ersten Spitzenspiel in der Regionalliga West. Die ambitionierte Mannschaft von Borussia Dortmund reiste im August des vergangenen Jahres nach Köln, um nach vier Aufstiegen in Serie den nächsten Durchmarsch zu starten. So überraschte es nicht, dass der BVB nach einer Stunde mit 3:1 führte, ehe die Partie plötzlich zu kippen begann. FC-Angreiferin Olesja Arslan traf und lieferte mit dem Anschlusstreffer die Initialzündung für eine verrückte Aufholjagd. Elisabeth Achsnick glich drei Minuten vor Ablauf der regulären Spielzeit aus. Von den Toren beflügelt, spielte der FC weiter nach vorne und holte in der Nachspielzeit sogar noch einen Elfmeter heraus, den Emily Tichelkamp zum 4:3-Endstand verwandelte. Die FC-U21 übernahm die Tabellenführung und läutete einen spannenden Zweikampf um den Aufstieg ein.

Die Mannschaft von Cheftrainerin Verena Hagedorn hat 17 von 21 Partien gewonnen und musste sich erst zweimal geschlagen geben. Der BVB kam in der Rückserie gegen den FC und Arminia Bielefeld nicht über ein Remis hinaus und steht aktuell mit einem Spiel weniger fünf Punkte hinter der FC-U21. Dass man mit dem großen Favoriten mithalten kann, war vor der Saison nicht zu erwarten, sieht man die Dortmunder Ambitionen nicht zuletzt in der jüngsten Verpflichtung von Alexandra Popp. Und doch lässt es sich erklären: „Wir haben eine sehr junge Mannschaft, die neuen Input einfach schnell adaptiert“, sagt Theresa Merk, Leiterin der FC-Akademie weiblich. Das Team spielt schon lange zusammen und identifiziert sich mit dem FC. Es wird mutig nach vorne gespielt, Fehler sind erlaubt, werden aktuell aber nur selten gemacht. Die U21 ist ein Paradebei spiel, wie im Nachwuchs Fußball gespielt werden soll.

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„Wir richten uns nach der Spielidee der Akademie“, erklärt Merk und führt aus: „Bei manchen Themen müssen wir einen anderen Maßstab setzen, weil viele Mädels später anfangen als die Jungs. Ansonsten setzen wir die Vorgaben aber genauso um wie die männlichen Teams.“ Es gibt eine festgelegte Grundordnung, aus der alle Nachwuchsteams am Geißbockheim agieren. Die Spielweise ist gradlinig und sehr intensiv. „Wir wollen aktiv gegenpressen und die Bälle so hoch wie nur möglich gewinnen, um schnell die Tiefe attackieren zu können. Das macht Mannschaften des 1. FC Köln aus.“

Seit Sommer ist Theresa Merk als Akademieleiterin des weiblichen Nachwuchses beim FC. Die langjährige Bundesligatrainerin des SC Freiburg suchte eine neue Aufgabe und hat sich für den Schritt in die Domstadt entschieden, wo sie die Nachwuchsarbeit im Frauenbereich auf ein neues Level heben soll. „Es macht großen Spaß. Wir haben nur motivierte Mitarbeiter. Jeder in der Akademie möchte den gesamten Bereich vorwärtsbringen“, schwärmt die 36-Jährige. Dabei hat sie im Spielbetrieb deutlich mehr zu koordinieren als die Kollegen im männlichen Bereich. „Wir finden bei den Mädels nur schwierig adäquates Wettspielniveau. Deswegen müssen wir in jedem Jahrgang schauen, wie wir die Spielerinnen bestmöglich fördern können, ohne wahnsinnig weite Strecken fahren zu müssen.“

Die Leistungsdichte ist nicht so hoch wie bei den Jungs. Deshalb müssen Merk und ihr Team kreative Lösungen finden. Die U13 spielt als jüngste Mannschaft in der Liga der Jungs mit. Die Spielerinnen der U15 laufen in der U17-Regionalliga auf, können parallel aber auch in Zweitvereinen gemeldet werden und so ebenfalls in männlichen Teams mitspielen. Das ist ab der U17 nicht mehr möglich, die stattdessen in der WDFV-U19-Juniorinnenliga spielt. Eine Liga, die von den teilnehmenden Clubs selbst veranstaltet wird. Die U19 und damit der letzte Schritt vor der U21 wurde außerdem in der Mittelrheinliga gemeldet.

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„Bei unseren Jüngsten sind wir sehr glücklich, dass wir unsere Partnervereine an der Seite haben, in denen die Spielerinnen wichtige Erfahrungen sammeln können“, sagt Merk. „Für die älteren Teams wäre jedoch eine NLZ-Liga definitiv eine Lösung.“ Diese Liga gab es schon, allerdings wurde sie zur Saison 2023/24 vom DFB wieder abgeschafft. Die dreigleisige Liga wurde durch einen DFB-Vereinspokal, die Einrichtung von Förder- und Leistungszentren und die Teilnahme an einem gemischten regionalen Spiel betrieb ersetzt. „Ich habe die Argumentation damals schon verstanden, allerdings hat sich der Frauenfußball massiv weiterentwickelt – auch im Nachwuchsbereich. Zum aktuellen Zeitpunkt, in dem viele große Clubs bestrebt sind, den Frauenfußball voranzubringen und die Trainingsmöglichkeiten so gut wie nie zuvor sind, wäre solch eine Liga sicher sinnvoll.“ Noch muss Merk andere Wege finden, um der Breite an Talenten einen Wettbewerb auf hohem Niveau zu ermöglichen. „Unser Ziel ist es, eine der führenden Akademien in Deutschland zu werden“, sagt sie. „Wir wollen, dass unsere Ausbildung dazu führt, dass unsere Spielerinnen, ob beim FC oder in anderen Clubs, Profis werden.“ Dabei spielt die U21 als Schnittstelle eine tragende Rolle. Mittelfeldspielerin Carolin Elsen kam im Heimspiel gegen den FC Bayern München jüngst zu ihrem Profidebüt. Auch Angreiferin Elona Paci und Torhüterin Anika Dübel trainieren regelmäßig in der ersten Mannschaft mit.

Ein Aufstieg der U21 würde helfen, aber nicht zwangsläufig dazu führen, dass deutlich mehr Nachwuchsspielerinnen zu den Profis aufrücken. „Für die Förderung der Mädels wäre ein Aufstieg natürlich cool. Mein Job wäre sicherlich auch leichter, weil ich den Talenten einen individuellen Weg für ihre Karrieren aufzeigen könnte“, sagt Merk. Trotzdem bleibt die Meisterschaft kein klar formuliertes Ziel. Die Mannschaft soll auch in den verbleibenden Spielen befreit und mutig aufspielen. Denn die Saison ist bereits jetzt sensationell.

Dieser Text ist zuerst im GeißbockEcho (Ausgabe 3, Saison 2025/26) erschienen. Weitere Hintergrundstorys zum FC lest Ihr hier im geschlossenen Mitgliederbereich.