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Bülter: „Wollen uns zu Hause erfolgreich verabschieden“

6.5.2026

An alter Wirkungsstätte an der Alten Försterei hat Marius Bülter am Samstag die 1:0-Führung für den 1. FC Köln bei Union Berlin erzielt. Im Interview spricht der Offensivspieler über die mit dem Treffer verbundene Erlösung, die Arbeit von Trainer René Wagner und die letzten beiden Saisonspiele gegen Heidenheim und München.

Bülti, am Samstag hast Du mit einem schönen Treffer die 1:0-Führung bei Union Berlin erzielt. Hattest Du im Moment des Schusses schon das Gefühl, dass er reingeht?

Marius Bülter: Kurz danach auf jeden Fall. Ich hatte einen guten Blickwinkel und habe gesehen, dass er wahrscheinlich reingeht.

Du musstest mehr als fünf Monate auf Dein nächstes Tor warten. Mit wie viel Erlösung war dieser Moment für Dich verbunden?

Tore zu schießen, tut immer gut. Ich war aber noch nie der Typ, der sich ein konkretes Ziel gesetzt hat, wie viele Tore er schießen möchte und sich nur darüber definiert. Klar war ein Stück Erleichterung da, aber viel größer war die Erleichterung, dass es durch den Punkt nun aller Voraussicht nach für den Klassenerhalt gereicht hat.

Wenn ein Stürmer lange nicht trifft, dann kennt man die Mechanismen, dass auch ein Stück weit kritische Stimmen aufkommen. Wie gehst Du damit um und hilft Dir Deine Erfahrung dabei?

Für Außenstehende sind immer die Tore und Vorlagen wichtig, aber es gibt auch viele andere wichtige Sachen, die man in eine Mannschaft einbringen kann. Das weiß ich ganz gut einzuschätzen. Dennoch kann ich die Kritik auch verstehen, versuche das aber nicht an mich heranzulassen, sondern mich auf die tägliche Arbeit zu konzentrieren. Das habe ich durch meine Erfahrung gelernt. Dann entwickelt man eine Überzeugung, dass auch die Tore wieder kommen werden.

Du hattest zu Saisonbeginn einen Traumstart beim FC mit vier Scorern in den ersten beiden Spielen. Es folgte auch ein Tief. Kannst du Dir diese Extreme im Rückblick erklären?

Es gibt nicht den einen Grund, sondern verschiedene kleinere. Darauf möchte ich aber nicht so sehr eingehen, das klingt dann immer auch ein bisschen nach Ausreden. Ich will gar nicht so sehr zurückblicken. Ich weiß, dass eine Phase dabei war, die nicht gut war. Aber wie gesagt: Weiter hart arbeiten, wie ich es meine ganze Karriere gemacht habe. Dann kommt das wieder zurück. In den letzten Wochen war es wieder besser und es fühlt sich wieder besser an.

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Zuletzt zweimal in Folge in der Startelf, nun der Treffer. Fühlst Du Dich wieder besser in Form?

Es ist auch immer eine Frage von Rhythmus, den man als Spieler einfach braucht. Klar muss man unabhängig davon performen. Aber es ist nie einfach, mal zu spielen, mal nicht zu spielen. Dann ist es umso wichtiger, im Training Gas zu geben und zu versuchen, sich den Rhythmus zurückzuholen, um dann auch bereit zu sein, wenn man wieder ran darf.

Sprechen wir über das vergangene Wochenende. Wie ordnest Du den Punkt in Berlin im Rückblick ein?

Es war sicher nicht das schönste Spiel, das ist einem aber auch bewusst, wenn man zu Union fährt und in diesem Stadion spielt. Dort gewinnt man nicht mit schönem Fußball. Ich finde, wir haben es gut gemacht, haben es angenommen, unsere Tore erzielt. Die letzten 20 Minuten hat Union schon Druck gemacht und ist ins Risiko gegangen. Das 2:2 ärgert uns als Mannschaft natürlich. Mit ein bisschen Abstand wissen wir aber auch, dass der Punkt viel Wert war.

Ihr habt von den letzten sieben Spielen nur eines verloren, aber auch nur eines gewonnen. Habt Ihr Euch zum nun praktisch feststehenden Klassenerhalt gehamstert?

Das kann man so sagen. Wir waren die ganze Saison immer stabil, hatten keine Phase, in der wir richtig unten reingerutscht sind. Diese Stabilität sieht man auch an unserem Torverhältnis. Das spricht für die Mannschaft. Wenn man in zwei, drei Wochen auf die Saison blickt, kann man schon von einer guten Saison sprechen. Mit ein bisschen Glück hätten wir auch noch mehr Punkte holen können, wir haben viele Spiele unglücklich verloren. Das sollte uns Mut und Selbstvertrauen für die nächste Saison geben.

Das von Dir angesprochene Torverhältnis ist im Grunde nun wie ein zusätzlicher Punkt für Euch…

Am Anfang einer Saison denkt man noch nicht so darüber nach. Aber in den letzten Wochen wussten wir schon, dass das wichtig sein kann für uns, wenn es unten eng wird. Das spricht auch für eine stabile Saison, wir waren nie wirklich chancenlos.

Wie sah der Sonntag bei Dir aus, hast Du die Spiele der Konkurrenz verfolgt?

Ja, klar. Ich schaue sie mir jetzt nicht 90 Minuten lang an, aber man guckt schon hin und wieder aufs Handy. Nach dem Abpfiff in Freiburg haben wir dann auch in der Mannschaftsgruppe geschrieben.

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Seit einigen Wochen ist René Wagner neuer Cheftrainer. Wie nimmst Du ihn in seiner Arbeit wahr?

Man kann sagen, dass er uns am Ende zum Klassenerhalt geführt hat. Es ist nicht so einfach, wenn man von der Co-Trainer- in die Cheftrainer-Rolle kommt. Aber er hat das sehr gut gemacht, hat mit Klarheit agiert, Struktur ins Spiel gebracht. Der Druck, das darf man nicht vergessen, ist am Ende einer Saison immer noch ein bisschen höher und es spielt sich nicht immer so leicht. Dafür haben wir in vielen wichtigen Spielen gepunktet, was uns am Ende geholfen hat. Deshalb hat er es sehr gut gemacht.

Was hat sich unter ihm am meisten verändert?

Ein neuer Trainer bringt natürlich immer erst einmal eine andere Stimmung in eine Mannschaft, jeder wittert seine Chance. Das hat er gut gemacht, jeden Spieler mitgenommen und ihm das Gefühl gegeben, dass wir ihn in den letzten Wochen brauchen. Das hat uns noch ein bisschen enger zusammengeschweißt.

Nun stehen noch zwei Partien an, zu Hause gegen den Letzten Heidenheim, dann auswärts beim schon feststehenden Meister in München. Was nehmt Ihr Euch vor fürs Saisonfinale?

Zunächst liegt der Fokus auf dem Spiel gegen Heidenheim. Das wollen wir natürlich unbedingt gewinnen. Es ist immer auch wichtig, wie man sich aus einer Saison verabschiedet. Es wird ein schweres Spiel, da muss man sich nur die letzten Wochen von Heidenheim anschauen. Aber für uns ist es wichtig, dass wir uns mit drei Punkten von unseren Fans zu Hause verabschieden. Und dann in München haben wir nichts zu verlieren, wollen ein gutes Spiel machen und uns gut verabschieden.

Du sprichst die Heidenheimer Entwicklung an. Vor einigen Wochen schon als sichergeglaubter Absteiger abgeschrieben, nun wieder mit einer Chance, doch noch in die Relegation zu kommen. Wie viel Respekt hat man davor auch aus der Ferne?

Einen großen Respekt. Das spricht auch für die letzten Jahre, für den Verein, den Trainer und die Spieler. Das ist einfach ihre Mentalität. Wenn du abgeschrieben wirst, ist der Druck vielleicht nicht mehr so da. Jetzt sind sie wieder dran und für uns wird es ein richtig schweres Spiel, weil es für sie um alles geht.