
Carlson: „Wahrscheinlich einmalig in Deutschland“
Im RheinEnergieSTADION, wo am 9. März das Highlightspiel der FC-Frauen gegen den FC Bayern stattfindet, spricht die neue Cheftrainerin Britta Carlson über die Entwicklung des Frauenfußballs, die Potenziale und den Stellenwert des Frauenfußballs beim FC. Außerdem erklärt sie, warum sie nicht verlieren kann.
Britta Carlson ist seit der Winterpause die neue Cheftrainerin der FC-Frauen. Nach vielen Jahren als Co-Trainerin beim VfL Wolfsburg und beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) tritt die gebürtige Kielerin beim FC ihre erste Cheftrainerinnen-Position an. Im ausführlichen Interview mit dem GeißbockEcho spricht Carlson über die Gründe für den Wechsel zum FC, Potenziale, Mut und das Highlightspiel am 9. März im RheinEnergieSTADION gegen den FC Bayern.
Britta, wir sitzen hier im RheinEnergieSTADION. Was für ein Ort ist das für Dich?
Britta Carlson: Ich habe gute Erinnerungen an das Stadion, war als Co-Trainerin mit dem VfL Wolfsburg und später in meiner Funktion als DFB-Co-Trainerin als Zuschauerin des Öfteren zum Pokalfinale hier. Ich mag das Stadion, ich mag die Atmosphäre und ohnehin den FC als Club. Deshalb bin ich immer gerne hier.
Gibt es besondere Momente, an die Du sofort denkst?
Meine damaligen Mannschaften haben es in den Pokalfinals immer spannend gemacht – besonders erinnere ich mich aber an das Finale 2018 gegen den FC Bayern und den Sieg im Elfmeterschießen. Als Caro Hansen den entscheidenden Elfmeter verwandelte – das war besonders emotional. In der Kabine hatten wir immer schöne Partys – die Mädels mehr als das Trainerteam, aber wir durften auch immer dabei sein (lacht).
Waren diese Erlebnisse in den Pokalfinals auch ein Grund, nun als Trainerin nach Köln zu kommen?
Ich habe die Entscheidung gar nicht mit den Finals kombiniert. Es waren die Stadt und der Club, die mich gereizt haben. Allein durch meine Funktion habe ich den Frauenfußball in Köln in den vergangenen Jahren immer mehr wahrgenommen und verfolgt. Man hat gesehen, dass hier etwas wächst, dass hier Potenzial ist und dass die Stadt und der Verein voll hinter dem Frauenfußball stehen. Ich habe zudem einige Freunde in Köln – alles überzeugte Kölner, die gerne hier leben. Deshalb war ich auch vor meinem Amtsantritt schon einige Male pro Jahr in Köln.

Am 9. März wirst Du im Highlightspiel an der Seitenlinie im RheinEnergieSTADION stehen. Wie blickst Du darauf voraus?
Das war für mich lange noch ein Stück weg, da wir zunächst noch andere Aufgaben hatten, auf die der Fokus gerichtet war. Natürlich wird es etwas Besonderes sein, hier zu spielen, gerade gegen den FC Bayern in einer ganz besonderen Atmosphäre. Völlig klar, je näher das Spiel rückt, umso mehr wird es kribbeln.
Warst Du bei den bisherigen Highlightspielen jeweils im Stadion?
Ich war beim Zuschauerrekord gegen Frankfurt und beim Heimsieg gegen Bremen im Stadion.
Hättest Du es vor, sagen wir, zehn Jahren für möglich gehalten, dass der Frauenfußball Spiele vor solchen Kulissen austrägt?
Ich durfte es in meiner aktiven Karriere auch einmal erleben. Wir hatten mit Turbine Potsdam das Rückspiel des Champions-League-Finals zu Hause. Das Karl-Liebknecht-Stadion ist aus allen Nähten geplatzt, da hat man gemerkt: Da geht was. Bei Länderspielen wurden es immer mehr Zuschauer. Ich habe diese Entwicklung weniger erwartet, mir aber immer gewünscht. Dafür spielst du auch Fußball, dass du diese Emotionen und diese Atmosphäre erlebst, dass du andere, aber auch dich selbst begeistern kannst.

Zeigen diese Zahlen, wie sich der Frauenfußball über die Jahre entwickelt hat?
Die Entwicklung ist positiv. Wir haben überall noch Potenzial, wenn man sich mit anderen Ligen wie in England oder den USA vergleichen möchte. Wir müssen uns aber nicht verstecken und es stagniert nicht. Man muss sehen, woher man kommt. Gerade nach der EM ist einiges gewachsen, gerade was die Begeisterung und Akzeptanz im Land angeht, aber auch die Professionalität. Wir haben trotzdem noch einige Schritte zu gehen. Viele Spielerinnen machen den Job auch in der 1. Liga nicht hauptberuflich. Das sollte ein Ziel sein, damit alle die gleichen Rahmenbedingungen haben und dadurch auch der Wettbewerb besser wird. Gerade bei den Zuschaueranzahlen oder den TV-Reichweiten ist es ein stetiges Wachstum. Ein schönes Gefühl, aber da geht auch noch mehr.
Dass, wie früher, Deutschland gefühlt in allen Endspielen dabei ist, ist nicht mehr der Fall. Wie siehst Du den deutschen Frauenfußball sportlich im internationalen Vergleich aufgestellt?
Alle investieren mittlerweile. Vorher hatten wir – typisch deutsch – eine gute Struktur, haben in der Nachwuchsarbeit die Fördersysteme der Verbände genutzt. Das gab es in anderen Ländern nicht so, sodass wir hier einen Vorteil hatten. Jetzt haben auch viele andere Nationen erkannt, dass es sich lohnt, den Frauensport zu unterstützen. Dadurch haben sie aufgeholt, während wir zu lange auf der Stelle getreten haben. Der Gap ist kleiner geworden, dadurch ist es aber auch interessanter. Mehr Spannung bedeutet auch mehr Interesse.
Kann diese Entwicklung in Deutschland dazu führen, die nächsten Schritte wieder zu machen – weil sich mehr Mädchen für den Fußball interessieren und selbst spielen, mehr Breite zwangsläufig auch zu einer besseren Spitze führt?
Das ist ein gesellschaftliches Thema, die Kinder wieder mehr zum Sport zu motivieren. Das gelingt unter anderem, wenn du Idole und Vorbilder schaffst – nach Birgit Prinz gab es lange keine Spielerin, die so richtig als Idol wahrgenommen wurde. Wenn wir mehr Aufmerksamkeit bekommen – und diese müssen wir uns hart durch Leistung erarbeiten – dann schafft man auch wieder mehr Role Models.
Inwieweit haben sich die Strukturen in den letzten Jahren verbessert?
Es wird jedes Jahr besser und geht immer mehr in die richtige Richtung. Geld ist dabei immer relativ. Wenn Spielerinnen davon leben können, ist es eine gute Grundlage, um den Sport maximal ausüben zu können. Aber es geht auch darum, beispielsweise von einem hauptberuflichen Trainerteam adäquat betreut zu werden, eine gute Physio-Abteilung zu haben, in Schule und Studium unterstützt zu werden. Es ist nicht nur die finanzielle Seite, sondern geht auch darum, drumherum bestmöglich unterstützt zu werden. Da gilt es, überall anzusetzen.
Zurück zum Highlightspiel: Wie schafft man es als David den Goliath zu besiegen?
Man kann es auch anders sehen. Es kann auch das leichteste Spiel sein, weil die Erwartungshaltung von außen vielleicht nicht die größte ist. Wir können den Rückenwind aus dem Stadion mitnehmen, diese Unterstützung kann uns beflügeln. Es gibt immer eine Möglichkeit, gegen jede Mannschaft zu gewinnen. Daran glauben wir. Wir wollen in jedes Spiel gehen, um es zu gewinnen. Wir wissen auch, dass es dafür ganz viel braucht gegen die Bayern.
Die Menschen hier leben den Frauenfußball, brechen Stadionrekorde. Eine Motivation für Dich, nach Köln zu kommen?
Es war das Gesamtpaket. Ich habe das Gefühl, dass hier noch Potenziale sind, die aber auch angegangen werden. Man hat eine Vision, wo man hinmöchte. Es ist sicher noch nicht alles so, wie man es sich vorstellt, der Club ist aber bereit, zu investieren und zu entwickeln. Das ist genau das, was ich möchte: Mitgestalten und mitentwickeln. Das durfte ich in Wolfsburg über Jahre miterleben. Wir sind nicht in der Champions League gestartet, auch dort musste Entwicklungsarbeit geleistet werden. Ein Teil davon zu sein, ist etwas Besonderes.
Du hast bei Deiner Vorstellung gesagt, dass Du und die Verantwortlichen gleich über Fußball denken. Wie sieht dieses Denken aus?
Dass man eine aggressive Spielweise hat, sehr mutig in den verschiedenen Spielphasen agiert und dass man eine gewisse Dominanz entwickeln möchte. Da fehlt uns noch einiges – aber es ist schon so, dass man das Spiel gestalten und nicht reaktiv sein möchte.
Du übernimmst eine Mannschaft nach einer schweren Hinrunde. Spürst Du Verunsicherung?
Gar nicht. Ich habe das Gefühl, alle haben Bock, da rauszukommen und arbeiten hart dafür. Die Intensität im Training ist gut. Wir versuchen nach und nach im Spiel etwas zu entwickeln. Es wird nicht alles von heute auf morgen funktionieren, es wird ein Prozess. Aber die Spielerinnen gehen den Prozess mit. Wir fordern die Mädels auf, mutig zu sein. Auch Fehler zu machen, das gehört dazu. Wir als Trainerteam übernehmen die Verantwortung und stehen dahinter. Ich habe aber gar nicht das Gefühl einer Verunsicherung. Es geht darum, nicht zu resignieren, sondern an sich zu glauben – aber auch hart dafür zu arbeiten.

In einem Interview 2018 hast Du davon berichtet, wie Horst Hrubesch Bundestrainer wurde und der Mannschaft nach einer schwierigen Phase wieder Leben eingehaucht hat. Kannst Du etwas aus dieser Zeit nun anwenden?
Ich kann aus allen Erfahrungen und Stationen etwas anwenden. Beim DFB ging es nicht immer in eine Richtung nach oben. Es gab auch Phasen, in denen nicht alles gut lief. Ich kann aus den 20 Jahren, die ich jetzt schon Trainerin bin, eine Menge mitnehmen und habe eine gute Werkzeugkiste, in die man immer mal wieder greifen kann.
Welche Hauptaspekte hast Du identifiziert, an denen Du ansetzt?
Ich habe den Spielerinnen ganz klar gesagt, dass nicht alles schlecht war. Sie hatten immer eine gute Intensität, waren eine Mannschaft, die mit die meisten hohen Ballgewinne der Liga hatte, was der Spielidee des FC entspricht. Das Problem war dann eher die Spielfortsetzung, daraus Chancen und Tore zu kreieren. Wir arbeiten daran, dass wir im Ballbesitz noch mutigere Lösungen haben.
Du hast als Spielerin und Trainerin Erfolge gefeiert. Was zeichnet aus Deiner Sicht erfolgreiche Mannschaften aus?
Dass sie immer weitermachen, sich immer entwickeln wollen und hungrig bleiben. Die einzelne Spielerin, die besser werden möchte, aber auch, dass das Team drumherum alles gibt, um das Bestmögliche rauszuholen. Dafür braucht es harte Arbeit.
Hilft es Dir im Alltag, dass Du aus Deiner Vergangenheit weißt, wie eine Spielerin denkt und wie eine Mannschaft tickt?
Es hilft immer, wenn man verschiedene Seiten kennt. Ich habe zum Beispiel auch nicht nur bei erfolgreichen Mannschaften gespielt. Beim HSV sind wir abgestiegen und aufgestiegen, auch mit Wolfsburg waren wir anfangs im hinteren Bereich der Liga, haben uns Step für Step rausgekämpft. Ich habe von Verletzungen über lange Ausfallzeiten, Abstieg, Aufstieg und Titel vieles mitgemacht, da ist mein Portfolio sicher ganz gut gewachsen. Sicherlich kann man sich dadurch immer gut in Spielerinnen hineinfühlen.
Gibt es Aspekte, die in allen Mannschaften gleich sind?
Es gibt immer Situationen, in denen du sagst: Das ist typisch. Aber jede Mannschaft hat ihre eigene Identität. Diese kann man auch gemeinsam mit der Mannschaft entwickeln. Du kannst einer Mannschaft nicht einfach etwas überstülpen. Was bei Wolfsburg oder beim DFB funktioniert hat, muss hier nicht passen, weil du andere Charaktere hast. Diese Identität entwickeln wir gerade. Zum einen, auf dem Platz aggressiv zu sein, die Intensität zu fahren, eine Dynamik auszulösen. Es gibt aber auch eine Identität neben dem Platz. Der FC ist nicht nur Fußball, sondern hat auch einen Blick für andere Sachen, die in der Welt passieren. Das ist mir persönlich auch sehr wichtig, dass wir nach links und rechts schauen und unsere Werte leben.
Du gehst nun den Schritt von der Co- zur Cheftrainerin. Hast Du dafür einen bewussten Zeitpunkt gewählt?
Mich haben immer wieder Leute angesprochen, warum ich es nicht mache. Es gab immer wieder Anfragen. Aber ich hatte es vorher nie gefühlt, da bin ich ehrlich. Ich habe mir Gedanken gemacht, wann und ob ich den Schritt mache. Ich bin kein Karrieremensch, der eine langfristige Planung hat. Ich hatte immer Cheftrainer, die mir sehr viel übertragen haben, unter denen ich viel Verantwortung gespürt habe. Nachdem ich zwei Spiele interimsweise Bundestrainerin war, in einer wirklich nicht einfachen Situation, habe ich in der Reflexion ein, zwei Wochen später gemerkt, dass es mir Spaß gemacht hat. Und wenn es in einer solchen Phase Spaß macht, solltest du es auch einmal richtig ausprobieren. Ich wollte dann auch aus meiner Komfortzone raus – wenn nicht jetzt, dann mache ich es nicht mehr. Zudem will ich meine Ideen von Fußball einbringen und verwirklichen.
Du sagst, Du hast immer viel Verantwortung bekommen. Von einem taktischen Mastermind wurde einmal geschrieben …
So sehe ich mich nicht. Es gibt Spezialisten, die darin noch besser sind. Ich versuche einen ganzheitlichen Blick zu haben. Du brauchst immer ein taktisches Verständnis und ich habe durchaus auch ein Faible dafür. Aber wir teilen uns das im Trainerteam auf und ich vertraue da auch meinen Co-Trainern.

Was forderst Du im Alltag von der Mannschaft ein?
Ein hohes Maß an Eigenverantwortung. Ich möchte, dass die Spielerinnen – natürlich mit den nötigen Hilfestellungen – eigenständig auf dem Platz entscheiden. Wenn du Lösungen vorgibst, versuchen es die Spielerinnen im Spiel nur noch so zu machen. Ich will die Spielerinnen dahin bringen, dass sie Entscheidungen aus Überzeugung treffen, ohne Angst vor Fehlern zu haben. Eine Fehlerkultur zu entwickeln, dass man mutig ist und Entscheidungen trifft.
Wir gehst Du persönlich mit Druck um?
Gut.
Inwiefern?
Ich kenne es nicht anders. Da ich lange auf höchstem Niveau gearbeitet habe, habe ich gelernt, damit umzugehen. Natürlich gibt es auch mal eine Nacht danach, in der du schlecht schläfst. Ich habe für mich aber ein Mindset entwickelt, dass ich mich über Dinge, die ich nicht ändern kann, nicht aufrege. Alles andere bereite ich so gut vor wie ich kann und stehe dann auch dazu, wenn etwas nicht funktioniert. Da kann ich in den Spiegel schauen und habe eine ganz gute Druckresistenz erlangt, weil ich das in Wolfsburg und beim DFB nicht anders gelernt habe. Als Spielerin war ich schon am Boden zerstört, wenn ich mal Zweite war. Ich war immer ehrgeizig und ambitioniert. Bei mir ist eher Stress ein Faktor, da brauche ich dann Leute um mich rum, die mich an Dinge erinnern. Ich kann gut mit meinen Schwächen umgehen.
Dieses Gewinner-Gen, das Du aus Deiner Vergangenheit ansprichst: Spürst Du das hier schon?
Dafür müssen wir erst einmal gewinnen (lacht). Das kann man einerseits vorleben, aber es muss auch authentisch sein und die Mädels müssen es fühlen. Das hat etwas mit Vertrauen und Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten zu tun. Ich glaube, da hilft jeder Sieg. Aber auch über Trainingseinheiten entwickelt sich das, wenn man merkt, es werden Dinge umgesetzt und funktionieren. Das kannst du aber nicht heute provozieren und morgen ist es da. Dafür brauchst du auch Typen in der Mannschaft. Ich mag es zum Beispiel überhaupt nicht, wenn man im Training nicht weiß, wie es steht, das kann ich nicht verstehen. Ich mag es, wenn man immer gewinnen will.
Wie nimmst Du den Stellenwert des Frauenfußballs innerhalb des FC wahr?
Der hat einen hohen Stellenwert. Ich habe das Gefühl, dass die Rahmenbedingungen nach und nach verbessert werden, dass alles professioneller wird. Ich habe mit Nicole Bender-Rummler und Christian Keller gesprochen, wo wir Potenziale sehen und habe das Gefühl, dass es auch vom Club gewollt ist, diese umzusetzen. Man hat eine mittel- und langfristige Vision. Ich finde es überragend, dass man sich zum Beispiel den Kraftraum mit den Männern teilt, das ist wahrscheinlich einmalig in Deutschland. Dass man eine enge Abstimmung mit der U21 hat und sich bei der Platzbelegung immer einig wird und nicht als Frauenfußball hierarchisch untergeordnet ist. Das wird hier nicht nur gesagt, sondern auch gelebt. Das habe ich auch schon anders kennengelernt. So sollte es sein, denn auch ein Trainer, der etwas fordert, aber es nicht vorlebt, ist zum Beispiel nicht authentisch.
Du hast von der Vision gesprochen. Wo kann der Weg des Frauenfußballs beim FC hinführen?
Der kann mittel- und langfristig weiter nach oben führen. Dafür müssen wir auf allen Ebenen hart arbeiten.
Es dreht sich vieles in Deinem Leben um Fußball. Was machst Du, wenn der Fußball einmal keine Rolle spielt?
Ich habe einen Mann und verbringe gerne Zeit mit Familie und Freunden. Wenn ich die Möglichkeit habe, reise ich unheimlich gerne und gehe dabei gerne tauchen. Für andere Dinge bleibt nicht so viel Zeit, da ist es schon Luxus, Familie und Freunde zu treffen. Das habe ich im letzten halben Jahr gemerkt, als ich einmal nichts mit Fußball zu tun hatte und nach all den Jahren mein Energielevel auch weit unten war. Als Spielerin und Trainerin musste ich immer auf höchstem Niveau performen, da ist die Energie dann auch zwischendurch einmal weg. Deshalb habe ich mich bewusst entschieden, direkt nach Olympia nichts zu machen. Ich wollte wieder bereit sein für eine neue Aufgabe.
Du hast Bankkauffrau gelernt. Hilft es Dir im Alltag, dass Du etwas anderes als den Fußball gesehen hast?
Total. Ich kann jeder Spielerin nur empfehlen, etwas nebenbei zu machen, was sich mit dem Sport vereinbaren lässt. Meist ist es ein Studium. Gerade wenn es im Fußball nicht läuft, hast du ein anderes Umfeld, ein anderes Standbein. Für den Geist finde ich es gut, wenn man auch anders beansprucht wird. Ich habe es einmal für kurze Zeit versucht, Vollprofi zu sein während meiner Karriere, das war mir aber schnell zu langweilig (lacht). Die Banklehre konnte ich auf zwei Jahre verkürzen, sie hat mir fürs Leben geholfen. Ich hätte meine Karriere dort weitermachen können, bin dann aber doch in den Fußball gegangen. Die Ausbildung hat mich ganz gut fürs richtige Leben gewappnet, ich hatte immer auch eine Struktur im Leben – da bin ich auch durch mein Elternhaus, Banker und Versicherungskauffrau, geprägt.
Inwieweit passt Du als Norddeutsche gut nach Köln?
Das müssen letztlich andere beurteilen, aber ich glaube, ich passe gut rein. Ich muss sicher noch Nachhilfeunterricht für den Karneval nehmen. Aber mein Geburtstag fällt auf den Rosenmontag, besser kann es erst einmal nicht laufen (lacht). Gegensätze ziehen sich manchmal auch an. Ich bin aber auch kein zurückhaltender, typisch norddeutscher Typ. In der Ausdrucksweise bin ich schon eher klar und knapp. Aber ich bin ein sehr offener Mensch und gehe gerne auf Menschen zu.
Das Interview mit Britta Carlson ist zuerst im GeißbockEcho (Ausgabe 3, Saison 2024/25) erschienen. Weitere Hintergrundstorys zum FC lest Ihr hier im geschlossenen Mitgliederbereich.