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El Mala: „Es hörte einfach nicht auf“

6.4.2026

Er ist der Senkrechtstarter des 1. FC Köln und einer der Shootingstars dieser Bundesliga-Saison. Said El Mala, im Sommer aus der 3. Liga zum FC gekommen, hat schnell eine unglaubliche Begeisterung ausgelöst. Von „Fußballgott“-Rufen über eigene Songs bis zur Nominierung für die Nationalmannschaft. Wie geht man als gerade einmal 19-Jähriger mit diesem riesigen Hype um? Mit dem GeißbockEcho sprach Said El Mala darüber.

Said, wir sitzen hier in den Tagen nach dem Rosenmontagszug, bei dem Du auf dem FC-Wagen mitfahren durftest. Wie war dieses Erlebnis für Dich?

Said El Mala: Das war unglaublich, ein einmaliges Erlebnis. Besonders mit Ragy auf dem Wagen hat es sehr viel Spaß gemacht. Wie viele Menschen da sind und einem zujubeln – da bekomme ich auch jetzt noch Gänsehaut.

Es gibt Lieder über Dich, im Stadion wird hörbar „Fußballgott“ nach Deinem Namen geschrien, nun hast Du es auf dem FC-Wagen noch einmal in neuer Form erfahren. Wie nimmst Du diesen Hype um Deine Person wahr?

Das ist zunächst einmal etwas völlig Neues für mich. Man rechnet ja nicht damit, dass das in dieser Form und so schnell passiert. Ich versuche, einfach normal damit umzugehen. Man bekommt es natürlich mit und kann es nicht ganz ausblenden. Für mich ist das ein zusätzlicher Antrieb. Ich weiß: Die Leute stehen hinter mir, pushen und motivieren mich.

Du stehst auch medial im Fokus, es gibt regelmäßig Gerüchte. Wie geht man gerade als junger Spieler damit um?

Auch hier ist es so, dass es gar nicht möglich ist, es nicht mitzubekommen. Aber ich schenke dem Ganzen nicht viel Beachtung. Ich rede viel mit meiner Familie und meinem Bruder und lasse mich davon nicht ablenken. Dadurch schaffe ich es, den Fokus voll auf meine Aufgabe hier in Köln zu richten. Gab es Momente, wo der Hype zu viel wurde für Dich, in denen Du einfach nur Said sein wolltest? Ja, klar. Es gab zuletzt auch eine Phase, wo ich ein bisschen ins Stocken geraten bin, das gehört zur Entwicklung dazu. Da hatte ich viele Gespräche mit dem Trainer, ein paar Jungs aus der Mannschaft und meinem Bruder. Wir haben darüber gesprochen, dass ich nicht auf Zwang immer ein Tor machen muss, sondern dass ich mir das erarbeiten kann. Das war eine Phase, in der ich gedacht habe: Warum kann ich nicht mal der Spieler sein, der nicht so gefragt und im Fokus ist, auf den sich die Gegner nicht besonders einstellen? Aber aus dieser Phase kämpft man sich auch wieder raus.

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Welche Rolle spielen Deine Eltern und Dein Bruder, um Dich auf dem Boden zu halten?

Das ist wahrscheinlich so, wie man es sich vorstellt. Wir tauschen uns oft aus und sie sagen mir, dass ich mir nicht zu viel Kopf machen, sondern einfach so spielen soll wie immer. Also: Kopf ausschalten und einfach Freude haben an dem, was man macht.

Im Interview mit 11Freunde hast Du die sehr nüchterne Reaktion Deines Vaters auf die National elf-Nominierung beschrieben. Es scheint in diesem Umfeld ohnehin keine Gefahr zum Abheben zu bestehen …

Das stimmt (lacht). Mein Vater ist ziemlich entspannt, wie man an seiner Reaktion gesehen hat. Meine Mutter und mein Bruder sind genauso.

Wie war der Moment für Dich, als Du in die Nationalmannschaft eingeladen wurdest?

Das war schon eine sehr besondere Situation. Da ruft auf einmal der Bundestrainer an und du spielst dann mit den Spielern zusammen, die du eigentlich nur aus dem Fernsehen kennst.

Welche Erfahrungen hast Du dort gesammelt?

Ich habe in allen Bereichen etwas gelernt, sowohl auf dem Platz als auch neben dem Platz. Zum Beispiel, was da alles im Hintergrund läuft, wie viele Staffmitglieder es gibt. Du musst dich dort wirklich um nichts kümmern. Auf dem Platz war es dann vor allem die Qualität der anderen Spieler, wie sauber und ehrgeizig sie sind, das war krass zu sehen.

Ist dieses Erlebnis Ansporn, wieder und vielleicht irgendwann dauerhaft in diesem Kreis dabei zu sein?

Es ist das Ziel jedes Fußballers, dass er für die Nationalmannschaft spielen kann. Für Deutschland aufzulaufen, ist eine der schönsten Sachen, die ich mir vorstellen kann. Wäre das nicht Ansporn, würde etwas falsch laufen.

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Lass uns ein bisschen über Deinen Bruder sprechen. Welche Rolle spielt er in Deinem Leben?

Eine der größten Rollen. Malek ist mein Anker, ich kann immer zu ihm gehen. Und er kann natürlich immer auf mich zukommen. Wir reden täglich miteinander, wohnen zusammen, haben die gleichen Freunde. Wir haben eine besonders starke Bindung. Wie zwei aneinander geklebte Teile, die sich nicht trennen lassen. Das ist extrem schön, so eine Beziehung zueinander zu haben.

Ihr seid im Sommer beide zusammen zum FC gekommen. Während Du bei den Profis spielst, kommt Malek in der U21 zum Einsatz. Was traust Du ihm sportlich zu?

Jeder sieht, was er kann und woran er noch arbeiten muss. Ich finde, er ist ein super Stürmer und ein Stürmertyp, den es nicht so oft gibt. Er ist schnell und technisch gut. Er hatte ein paar Verletzungsthemen, aber da kämpft er sich wieder raus. Ich traue ihm noch vieles zu.

Neid spielt unter Euch gar keine Rolle?

Nein, das gibt es bei uns nicht. Wir gönnen uns alles gegenseitig. Wäre er in meiner Situation, hätte ich ihm das auch tausendmal gegönnt. Er genießt es mit mir.

Ihr wart immer im gleichen Verein. Kannst Du Dir trotz dieser engen Bindung vorstellen, dass das irgendwann nicht mehr der Fall ist?

Es ist uns bewusst, dass dieser Zeitpunkt einmal kommen könnte. Aber solange es so ist, genießen wir es. Es ist auch für alle einfacher – für unsere Eltern und für uns, weil man zu zweit immer leichter ankommt als allein.

Wie würdest Du ihn in drei Worten beschreiben?

Hilfsbereit, ehrgeizig, stur.

Und was glaubst Du, wie er Dich beschreiben würde?

Verpeilt, hilfsbereit, ehrgeizig, nett.

Seit dem Sommer lebt Ihr in einer WG zusammen. Wie kann man sich das vorstellen, wie sind die Aufgaben verteilt?

Das kann man sich vorstellen, wie zwei Jungs eben in einer WG wohnen (lacht). Nein, wir haben schon eine aufgeräumte Wohnung, teilen uns die Aufgaben immer auf. Wenn ich die Wäsche anmache, räumt Malek sie aus.

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Über welche Themen sprecht Ihr außerhalb des Fußballs?

Es gibt eigentlich keine Themen, über die wir nicht sprechen, das ist dann aber auch privat. Im Mittelpunkt ist aber ganz klar Fußball, wir gucken so gut wie jeden Tag. Am Montag spanischen oder italienischen Fußball, am Dienstag und Mittwoch Champions League, Donnerstag Europapokal und am Freitag kommt dann schon wieder das Abendspiel in der Bundesliga.

Heute bist Du auf diesem Level und Vorbild für die Kinder. Was waren früher Deine Stars und Vorbilder?

Seit ich klein bin und denken kann, war es immer Cristiano Ronaldo. Man bekommt auch ein bisschen mit, was er macht, wie er arbeitet, wie er lebt. Wie sein Körper aussieht in seinem Alter, ist unglaublich. Aber ein richtiges Vorbild habe ich aktuell nicht mehr. Ich versuche mich an Spielern auf meiner Position Linksaußen zu orientieren, beispielsweise von Paris oder Real. Wie sie damit umgehen, wenn sich der Gegner gut auf sie einstellt.

Weil Du ansprichst, wie Ronaldo für den Sport lebt: Gibt es in Deinem Alltag Besonderheiten, auf Die Du achtest, um professionell zu leben?

Da gibt es einiges: Ernährung, Aktivierung, Schlaf, Konzentration, Fokus. Es spielen viele Faktoren eine Rolle.

Wie viel Schlaf brauchst Du vor einem Spiel?

Da ist jeder unterschiedlich. Ich gehe aber schon um 23 Uhr schlafen und schlafe dann bis 8.30, 9 Uhr. Dann fühle ich mich gut.

Welche Musik läuft bei Dir vor den Spielen?

Tatsächlich nicht so harte Musik, diese Phase hatte ich aber auch. Ich habe für diese Momente inzwischen eher ruhigere Musik für mich entdeckt. Das sind viele nachdenkliche Lieder, die auch ganz gut zu meinem Weg passen.

Was für Dich Ronaldo war, bist Du heute für Kinder. Wie war es, als Du das erste Mal ein Kind im El-Mala-Trikot gesehen hast?

Ich kann das bis heute nicht wirklich realisieren, dass es so ist. Das ist ein krasses Gefühl. Wenn man Kinder beim Training oder Erwachsene im Stadion damit sieht – das ist Wahnsinn und ein richtig schönes Gefühl. Ich versuche das zu genießen und den Leuten etwas zurückzugeben.

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Deine sportliche Entwicklung war vor ein paar Jahren so nicht absehbar. Musst Du Dich selbst manchmal kneifen?

Das habe ich noch gar nicht so richtig realisiert. Es gibt keine Zeit zum Kneifen, weil alles Schlag auf Schlag kommt. Ein Stück weit will ich es auch gar nicht realisieren, weil es zu krass ist.

Du und Dein Bruder seid vor Jahren in Gladbach im NLZ aussortiert worden. Was hat Dir das im Nachhinein gegeben?

Ganz viel Stärke. Es hat mir vermittelt, niemals aufzugeben. Das zeigt auch anderen Spielern, die nicht übernommen werden, dass sie niemals aufgeben dürfen, weil es nie zu spät ist. Das Leben oder der Traum ist nicht vorbei, wenn man aussortiert wird. Mich freut es, dass Malek und ich, was unseren Weg angeht, für andere junge Spieler ein Vorbild sein können.

Wenn Du selbstkritisch auf damals zurückblickst: Was hat Dir in dem Moment vielleicht noch gefehlt?

Ich war einerseits oft verletzt und ich war körperlich noch nicht so weit. Ich war kleiner, auch noch etwas moppeliger. Und natürlich spielen auch immer die Trainer eine Rolle, sie entscheiden letztendlich, ob sie dir den nächsten Schritt zutrauen oder eben nicht.

Hast Du als Typ Straßenfußballer vielleicht auch nicht so gut in die klaren Strukturen eines NLZ gepasst?

Ich würde sogar sagen, dass ich damals noch nicht der Prototyp Straßenfußballer war. Das kam erst danach durch das Kicken mit den Freunden.

Hast Du also bei der folgenden Station in Meerbusch gelernt, dass Freude am Fußball das Wichtigste für Dein Spiel ist?

Ja, zu 100 Prozent. Freude haben, 90 Minuten den Kopf ausschalten und einfach spielen. So war das damals mit Freunden – und das versuche ich mir bis heute zu bewahren.

Dann folgte der Wechsel zur Viktoria. War da auch nur der Spaß im Fokus oder hattest Du bei dem Wechsel schon im Hinterkopf, noch einmal angreifen zu wollen?

Ich wusste auf jeden Fall, dass es wieder ernster wird, weil es ein NLZ war mit einer Profimannschaft darüber. Wir hatten uns aber nichts groß vorgenommen und wussten gar nicht, ob wir spielen. Wir wurden zunächst als Kaderoptionen für die Bank geholt. Wir mussten uns reinkämpfen. Dann haben wir eingeschlagen.

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Was hat Dir die Zeit bei der Viktoria rückblickend gegeben?

Extrem viel. So viel wie dort hatte ich davor noch nie gelernt und ich habe noch nie in einem so guten Team gespielt. Wir haben uns alle verstanden, sowohl im Trainerteam als auch in der Mannschaft und eine super Saison in der 3. Liga gespielt. Wie dort mit den vorhandenen Mitteln gearbeitet wird, ist top, vor allem für einen jungen Spieler. Es war eine extrem schöne Zeit, für die ich der Viktoria immer sehr dankbar sein werde. Ich bin auch heute noch hin und wieder im Stadion und schaue mir die Spiele an.

Hat Dir zu diesem Zeitpunkt auch das ruhige Umfeld der Viktoria gutgetan, eher abseits des öffentlichen Fokus zu arbeiten?

Wenn du ruhig arbeiten kannst, kommst du schneller voran. Wenn wir mal verloren haben, war es nicht so schlimm, wir hatten auch Phasen, in denen es mal nicht so gut lief.

Und dann kamst Du ins FC-Umfeld mit einer ganz anderen Wucht. Was macht das mit einem?

Das ist schon eine enorme Umstellung. Weil du noch mehr in der Öffentlichkeit stehst, hast Du noch mehr Verantwortung. Es macht aber einfach extrem viel Spaß, in jedem Heimspiel vor 50.000 Fans zu spielen.

Kommt dabei keine Routine rein?

Nein, da habe ich wirklich jedes Mal aufs Neue Gänsehaut. Das ist einfach besonders und kann nie Normalität sein. Du kamst aus der dritten Liga zu einem Bundesliga-Aufsteiger.

Welche Erwartungen hattest Du im Sommer?

Ich kam schon mit der Erwartung, dass ich in der Bundesliga mithalten kann. Ich wollte so viele Minuten wie möglich sammeln und zeigen, dass ich auf dem Level spielen kann. Es gab ja auch kritische Aussagen, dass der Wechsel zu früh sei. Das hat mich gekitzelt, dass ich es den Leuten zeigen möchte. Und ich wollte auch mir selbst beweisen, dass ich das kann.

Gab es nach dem Saisonstart Momente, in denen Du abends im Bett lagst und dachtest: Was passiert hier eigentlich?

Am Anfang der Saison jeden Tag. Es kamen die ersten Einsätze, das erste Tor, die DFB-Nominierung. Es hat einfach nicht aufgehört. Manchmal konnte ich nicht schlafen, weil ich so nervös war und mich einfach gefreut habe, wie es läuft. Du wirst auf einmal auf der Straße erkannt, die Leute feiern dich, es gibt Gesänge im Stadion. Das freut mich extrem, deshalb nehme ich mir auch für jeden Fan Zeit.

Hast Du ein Ritual, wie Du besondere Momente festhältst, schreibst Du beispielsweise Sachen auf?

Nein, das habe ich nicht. Wenn ich rückblickend etwas sehen muss, gehe ich auf YouTube, da gibt es mittlerweile alles (lacht).

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Wo hast Du Dich im Vergleich zum Sommer in dieser Saison verbessert?

Ich habe mich physisch entwickelt, arbeite jeden Tag im Kraftraum, um läuferisch auf mehr Meter und Sprints zu kommen. Ich achte noch mehr auf die Vor- und Nachbereitung. Die Belastung in der Bundesliga ist schon eine andere als in der 3. Liga, das merkt man in den Beinen. Und auch im Eins-gegen-Eins und im Abschluss bin ich besser geworden. Ich bin aber nicht am Ende und will mich immer weiter verbessern.

Es gab in dieser Saison auch schon schwierigere Phasen, für Dich und für die Mannschaft. Wie gehst Du damit um, wenn auf die extremen Höhen auch einmal Durststrecken folgen?

Das war schon schwer für mich und ich konnte nicht so gut damit umgehen. Die Tore sind auf einmal ausgeblieben und ich dachte: Was ist denn jetzt los? Das Quäntchen Glück, das ich davor in den Situationen hatte, als der Ball reinging, war plötzlich weg. Abends liegst du im Bett und guckst dir die Szene nochmal an, du fragst dich: Warum schießt du denn nicht in die kurze Ecke? Aber so eine Phase gehört dazu, das habe ich schnell begriffen. Entscheidend ist, dass man stärker daraus hervorgeht.

Welchen Rat würdest Du heute dem jüngeren Said El Mala geben, der damals in Gladbach aussortiert worden ist?

Hör auf Malek, dann wird alles gut. Ohne meinen Bruder hätte ich damals mit dem Fußballspielen aufgehört.

Zwischen all dem Sportlichen: Wie tickst Du neben dem Platz?

Ich habe immer einen Spruch auf Lager, rede für mein Alter sicher sehr viel in der Kabine. Auch privat würde ich mich als lustig beschreiben.

Was interessiert Dich neben dem Fußball?

Ich habe Interesse an Kampfsport und beschäftige mich gerne mit Klamotten und gebe dafür auch gerne Geld aus.

Welche Werte sind Dir besonders wichtig?

Dankbarkeit und Geduld.

Welche Ziele treiben Dich an?

Es gibt einiges, was ich noch zeigen möchte. Im ersten Schritt werde ich alles dafür geben, dass wir in der Liga bleiben. Ich möchte die Mannschaft mitziehen, die Mannschaft zieht mich mit. Es macht einfach Spaß, hier zu spielen.

Dieses Interview ist zuerst im GeißbockEcho (Ausgabe 3, Saison 2025/26) erschienen. Weitere Hintergrundstorys zum FC lest Ihr hier im geschlossenen Mitgliederbereich.