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FC-Fan immer dabei: „Haben sich die Jungs verdient“
Markus Krahforst (im Foto rechts) ist Mitglied im FC-Fanclub „K&K Colonia“, er hat eine Dauerkarte und eine Auswärtsdauerkarte. Zudem war er in dieser Saison bei allen FC-Spielen in der Youth League – zuhause genauso wie in Luxemburg und Dänemark. Im Interview spricht er über seine FC-Leidenschaft, Rituale bei Auswärtsfahrten, den Youth-League-Rekord und das Besondere an den FC-Fans.
Herr Krahforst, wie sind Sie eigentlich FC-Fan geworden?
Markus Krahforst: Als FC-Fan wird man ja im Prinzip geboren. Ich würde also sagen: von Geburt an, ich bin Jahrgang 1975. Bewusst ins Stadion gefahren bin ich ab 1982. Mein erstes Spiel war am 23. Oktober 1982, ein 1:0 gegen Arminia Bielefeld. Damals war das Müngersdorfer Stadion noch eine echte Betonschüssel, da kamen oft nur 5.000 bis 10.000 Zuschauer – außer wenn die Bayern da waren. Spieler wie Toni Schumacher oder Pierre Littbarski waren damals absolute Idole. Der FC war ja auch international immer dabei, und so bin ich schon in jungen Jahren mit meinem Onkel, der Familie und Freunden regelmäßig ins Stadion gefahren.
Wie hat sich diese Leidenschaft dann weiterentwickelt?
Später bin ich dann mit meinen Freunden in die Südkurve gegangen. So mit 14, 15 Jahren fingen auch die ersten Auswärtsfahrten an. Dann kam diese Phase in der 2. Liga – sonntags 16-Uhr-Spiele. Da haben wir oft selbst gespielt, sodass ich nicht mehr viele Heimspiele sehen konnte aus Zeitgründen. Als mein Sohn so sechs, sieben Jahre alt war – er ist jetzt 18 – habe ich ihn natürlich mit dem FC-Virus infiziert. Und dann wollte er natürlich auch immer ins Stadion. Seit rund zehn Jahren haben wir wieder Dauerkarten. Ich habe auch eine Auswärtsdauerkarte, und der Junior fährt immer mit. Auswärtsfahrten sind mittlerweile richtige Freundes- und Familienreisen geworden. Man kennt sich im Umfeld. Der FC ist für uns tatsächlich wie eine Familie. Das Spiel steht natürlich im Mittelpunkt, aber das Drumherum ist genauso wichtig.
Sie haben auch internationale Touren angesprochen. Welche Bedeutung haben die für Sie?
Als Kind habe ich das miterlebt, da war der FC ja gefühlt jedes Jahr international dabei. Und dann kam 2017 – plötzlich wieder Europa. Das war der Wahnsinn. Ich war bei allen Reisen dabei, egal wohin es ging. 2022 war mein Sohn dann auch immer mit dabei, außer in Nizza, da war er nicht.
Bedeutet das auch, dass der Jahresurlaub für den FC draufgeht?
Sehr viel geht da drauf. Vor allem meine Frau muss das alles mitmachen – sie hat aber Verständnis dafür. Der FC war die erste Liebe. Wir fahren meistens mit dem Auto, trinken wenig Alkohol, sodass wir nach dem Spiel oft noch nach Hause fahren können und am nächsten Tag wieder arbeiten gehen. Bei den internationalen Touren wurde wirklich alles zusammengekratzt, was an Urlaub noch möglich war. In dem Jahr habe ich bewusst im ersten Halbjahr kaum Urlaub genommen. Familienurlaub haben wir trotzdem immer gemacht. Und diese ganze Planung – Flüge buchen, Alternativen suchen – das gehört einfach dazu. Wir sind von Eindhoven, von Brüssel oder von Luxemburg nach Marseille für acht Euro geflogen. Auch nach Belgrad ging es von Eindhoven aus. Das macht alles unglaublich viel Spaß, vor allem die Vorfreude.
Verfolgen Sie neben den Profis auch die Frauen oder Nachwuchsteams?
Ja, vor allem den Nachwuchs. Zum Beispiel den Pokalsieg in Potsdam 2023. Da sind wir morgens um halb fünf ins Auto gestiegen. Damion Downs hat zwei Tore gemacht, wir haben 4:3 gegen Schalke gewonnen. Julian Pauli und Max Finkgräfe waren dabei – da siehst du schon früh, wer später hochkommt. Auch bei den Youth-League-Spielen gegen Genk 2021 waren wir dabei. Das war gerade nach Corona, ohne große Kulisse, aber trotzdem eine schöne Tour. U19-Spiele schaue ich mir zuhause auch mal an, wenn es passt – aber nicht regelmäßig.
Macht es Sie stolz, Fan eines Vereins mit so starker Nachwuchsarbeit zu sein?
Ja, absolut. Das ist unsere DNA. Wir wollen nicht wie der Verein auf der anderen Rheinseite sein, der sich Spieler zusammenkauft. Wir entwickeln unseren Erfolg selbst, mit Spielern aus der Region. Genau damit identifiziere ich mich.
Sie waren bei den Youth-League-Spielen in Luxemburg und Dänemark dabei. Was waren das für Erlebnisse?
Luxemburg hatte einfach Flair. Kurze Anreise, ein Platz mit einer kleinen Tribüne, Nieselregen, keine Überdachung – und trotzdem fantastische Stimmung. Das Ergebnis passte auch, und durch das Hinspiel war die Spannung da. Dänemark war dann eine absolute Wahnsinnsaktion. Acht Leute, ein gemieteter Neunsitzer, 22 Stunden unterwegs. Um 1 Uhr nachts los, morgens angekommen. Im Ort gab es zwei, drei Kneipen. Dann haben wir gefrühstückt, Kaffee getrunken, dann das Spiel. Tolle Stimmung. Die Jungs haben diese Unterstützung einfach verdient. Danach wieder zurück, abends um 23 Uhr zuhause. Der älteste Mitfahrer war 65. Am nächsten Tag ging es ganz normal zur Arbeit.
Gibt es feste Rituale an einem Spieltag?
Ja, auf jeden Fall. Morgens Kaffee aus der FC-Tasse – das ist Pflicht. Dann Freunde treffen, zusammen losfahren. Auf der Fahrt wird das Spiel schon komplett durchgesprochen: Nervosität, Gefühl, Prognosen. Irgendjemand sagt immer, dass er kein gutes Gefühl hat (lacht). Vor Ort trifft man viele bekannte Gesichter, auch FC-Mitarbeiter wie Mirko Pintgen – ein kurzer Smalltalk gehört dazu. Und auswärts ist unsere Tradition: Etwa 100 Kilometer vom Spielort entfernt halten wir immer bei McDonald’s. Warum auch immer – das ist so gewachsen und darf nicht mehr anders sein.
Spürt man in Ihrem Umfeld die Vorfreude auf das kommende Youth-League-Spiel?
Definitiv. Alle haben früh gesagt: Wir müssen den Rekord knacken, das Stadion voll machen. Das ist typisch FC. Wir zeigen wieder in Europa, was für ein Verein wir sind. Gerade für junge Fans oder Spieler aus anderen Vereinen ist das ein starkes Signal: „Boah, was ist das denn für ein Club?“. Die Jungs haben sich diese Unterstützung verdient.
Kann das nur der FC – 1.000 Fans in Luxemburg, ein ausverkauftes RheinEnergieSTADION für ein Jugendspiel?
Es gibt auch andere verrückte Vereine wie Dortmund oder Schalke. Die Kölner Mentalität ist es, euphorisch zu sein. Beim FC kommt dazu, dass internationale Spiele bei uns etwas Besonderes sind. Das ist nicht alltäglich – und genau deshalb ist die Euphorie so groß.
Wie nehmen Sie die aktuelle U19 wahr?
Als extrem homogene Mannschaft. Da gibt es keine Stars, sondern ein echtes Kollektiv. Man sieht, wie sie sich gemeinsam freuen. Klar, Fynn Schenten macht die Tore und schnuppert schon bei den Profis rein – aber insgesamt ist das eine Einheit. Mit Trainer Stefan Ruthenbeck haben sie jemanden, der wie ein Papa für sie ist. Das spürt man sofort. Das ist wirklich beeindruckend.
