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FC-Mitglieder verfolgen spannendes Podium zu 50+1 im Geißbockheim
Der deutsche Profifußball steht vor einer wegweisenden Phase: Nach der vorläufigen kartellrechtlichen Bewertung des Bundeskartellamtes zur 50+1-Regelung ist klar, dass die DFL konkrete Maßnahmen ergreifen muss, um künftig eine rechtssichere Anwendung zu gewährleisten. Für den 1. FC Köln ist das mehr als eine juristische Debatte – es ist eine Grundsatzfrage.
Der FC vertritt beim Thema 50+1 eine klare Haltung: Fußball soll als Volkssport erhalten bleiben – und genau das war Thema einer Podiumsdiskussion zur 50+1-Regelung, die 100 Mitglieder auf Einladung des Bereichs Fußball- und Fankultur in der Südkurve im Geißbockheim verfolgten.
„Wir möchten das abstrakte und für viele Fans sehr emotional besetzte Thema 50+1 greifbarer machen und versuchen zu erklären, was es für den Fußball in Deutschland und die Vereine bedeutet“, erklärte Moderator Christoph Biermann, Chefreporter des 11Freunde-Magazins, in seiner Begrüßung.
Auf dem Podium hatte sich mit Thomas Treß (Geschäftsführer Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA), Andreas Rettig (Geschäftsführer Sport beim DFB), Philipp Türoff (Sprecher der Geschäftsführung 1. FC Köln), Jörg Alvermann (Vizepräsident 1. FC Köln, Fachanwalt für Sport- und Steuerrecht) und Chaled Nahar (Freier Journalist, u.a. für Sportschau und Deutschlandfunk, Schwerpunkt 50+1) jede Menge Expertise zum Thema versammelt.
„Bei der Bundesliga-Gründung 1963 hatten wir zur 100 Prozent mitgliedergeführte Vereine. Im Laufe der Zeit kamen immer mehr Gesellschafter dazu und Ende der 1990er Jahre gingen die Vereine auf die Suche nach frischem Kapital“, erinnerte Rettig an die Zeit, als die 50+1-Regelung 1998/1999 zum Schutz der Vereine gegen ausufernde Investitionen von außen eingeführt wurde. Bayer Leverkusen, der VfL Wolfsburg und später auch die TSG Hoffenheim erhielten diesbezüglich Sondergenehmigungen, die bis heute viel diskutiert werden.
Podiumsdiskussion zu 50+1 im Geißbockheim
„Ein Verein liefert uns mit einer entsprechenden Satzung demokratische Elemente, die uns in der heutigen Welt oftmals fehlen. Das ist ein hohes Gut, das wir sichern müssen“, sagte FC-Vizepräsident Jörg Alvermann. „Wir setzen uns deshalb auch für eine einheitliche 50+1-Regelung ein, die für alle Vereine gilt. Auf dem Weg dorthin benötigen wir die Kompromissbereitschaft aller Interessengruppen.“
Thomas Treß berichtete aus seiner mehr als 20-jährigen Erfahrung als Geschäftsführer von Borussia Dortmund: „Ich finde es nicht schlimm, Geld vom Kapitalmarkt zu nehmen, wenn man es treuhänderisch verwaltet. Es schließt sich nicht aus, Geld zu verdienen, es gut zu verwalten und trotzdem dem Vereinszweck zu dienen. Wir müssen weiter beobachten, in welcher Form die 50+1-Regelung auch im internationalen Vergleich dauerhaft beizubehalten ist oder wie wir uns in diesem Thema weiterentwickeln müssen.“
Journalist Chaled Nahar erklärte das Risiko eines Investoreneinstiegs: „Was man sich immer wieder vor Augen führen muss: Anteile verkaufen kann jeder Verein bis 100 Prozent – nur die Stimmrechtsmehrheit muss beim Verein bleiben. Was daraus resultieren kann, haben wir bei Hertha BSC gesehen. Es fließt einmal viel Geld – und bei schlechter Verwendung ist dieses Geld dann genau so schnell weg, wie es gekommen ist.“
Investoren sind beim FC ohnehin kein Thema, doch FC-Geschäftsführer Philipp Türoff hielt selbst für die Akquise möglicher neuer Partner grundsätzlich fest: „Beim 1. FC Köln werden wir mit den zuständigen Gremien immer in die Diskussion gehen, ob ein Partner mit seinen Werten und seiner Strategie zu uns passt oder nicht.“ Einig waren sich alle Personen auf dem Podium, dass die 50+1-Regelung als elementarer Bestandteil der deutschen Fußballkultur dauerhaft geschützt werden muss.
Im Anschluss an die Podiumsdiskussion hatten die FC-Mitglieder die Möglichkeit, mit ihren Fragen in eine lebendige Diskussion mit dem Podium zu gehen, ehe die zweite Veranstaltung aus der Reihe „Fußball als Volkssport erhalten“ nach gut zwei Stunden ihr Ende fand.
„Wir möchten gemeinsam mit unseren Fans und Mitgliedern wichtige Themen aus dem Vereinsleben in unterschiedlichen Veranstaltungsformaten aufgreifen. Aufgrund der aktuellen Debatte ist uns das mit der 50+1-Podiumsdiskussion und einer prominenten Besetzung sehr gut gelungen. Wir werden auch in Zukunft ähnliche Angebote schaffen, die möglichst viele Fans und Mitglieder abholen, um ihnen zu ermöglichen, aktiv in die Diskussion einzusteigen“, sagte Kevin Brandenburg, Bereichsleiter Fußball- & Fankultur beim 1. FC Köln, nach einem gelungenen Abend im Geißbockheim.
