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Fynn Schenten: „Das war echt verrückt“
Fynn Schenten ist einer von fünf Young Goats, die mit den Profis des 1. FC Köln ins Trainingslager nach La Nucia in Südspanien gereist sind. Der Stürmer hat über eine starke Torquote in der U19 und in der Youth League auf sich aufmerksam gemacht und stand vor der Winterpause erstmals im Profikader. Im Interview gibt Schenten Einblicke in seinen Alltag, seine Rolle als junger Spieler und spricht über das U19-Spiel im RheinEnergieSTADION sowie den kuriosen Tag seiner ersten Kadernominierung bei den Profis.
Fynn, der Großteil des Trainingslagers ist bereits vorbei. Wie fällt Dein Fazit bislang aus?
Fynn Schenten: Die Intensität und die Qualität der Mitspieler ist bei den Profis natürlich viel höher als im Nachwuchsbereich. Aber es macht sehr, sehr viel Spaß.
Wann hast Du davon erfahren, dass Du dabei bist und mit welchen Gefühlen war dieser Moment verbunden?
Das war einen Tag vor dem Union-Spiel. Frank Kaspari kam zu mir und hat es mir mitgeteilt. Da habe ich mich natürlich sehr gefreut und mich auch direkt bedankt. Ich bin ein Typ, der in solchen Momenten nach außen nicht völlig ausrastet, aber nach innen habe ich mich extrem gefreut. Ich habe direkt meine Eltern angerufen.
Mit wem teilst Du solche Momente noch?
Mit meinem Bruder bin ich auch sehr eng, mein Berater ist eine wichtige Bezugsperson. Und ich habe einen französischen Freund, mit dem ich die ganze Zeit über Fußball rede. Ich glaube, der hat sich am meisten darüber gefreut.
Im Netz findet man, dass Du neben dem deutschen Pass auch einen französischen und algerischen besitzt. Woher kommt diese Verbindung?
Meine Mutter ist Französin und ihre Vaterseite hat algerische Wurzeln. Den Bezug zu Frankreich habe ich, weil dort noch viele aus meiner Familie leben und wir immer in den Ferien dort sind.
Im Trainingslager dabei zu sein, ist das eine. Erstmals im Profikader zu stehen, noch einmal etwas anderes. Gegen Union Berlin war es für Dich sehr kurzfristig so weit. Wie hast Du diesen Tag erlebt?
Das war schon echt verrückt. Ich war mit meiner Mutter auf dem Weihnachtsmarkt. Wir wollten dann das Spiel der Profis gucken und waren in der Bahn auf dem Weg zurück. Dort habe ich schon viele FC-Fans getroffen, die mich erkannt haben und wir haben ein bisschen gequatscht. Als wir am Stadion vorbei gelaufen sind auf dem Weg zum Internat, um uns ein bisschen aufzuwärmen vor dem Spiel, hat mich Frank Kaspari angerufen und gesagt: „Fynn, wo bist Du gerade? Wir brauchen Dich, Du bist im Kader.“ Dann ging es total schnell. Frank hat meine Fußballschuhe vom Geißbockheim mitgenommen. Ich bin ins Internat gegangen, habe mich umgezogen, noch schnell eine Banane gegessen und war dann als Erster des Teams im Stadion.
Was hat dieser Moment mit Dir gemacht?
Ich hatte die ganze Zeit Gänsehaut auf dem Weg dahin. Dann haben mich die Trainer begrüßt, der Coach hat noch ein kurzes Gespräch mit mir geführt, mir Mut gemacht und mir ein paar schöne Worte mitgegeben. Und dann ging es auch schon los. Das war ein magischer Moment für mich. Ich bin seit zehn Jahren beim FC und habe davon immer geträumt. Da ging ein Traum in Erfüllung – nur das Debüt hat noch gefehlt. Es war sehr, sehr schön, im Kader zu sein, das war ein mega Erlebnis. Schade, dass wir es nicht mit einem Sieg krönen konnten, aber ich habe mich dennoch sehr gefreut über diesen Tag.

Kannst Du das in dem Moment selbst genießen und aufsaugen, oder warst Du so nervös, dass Du es erst ein paar Tage später richtig realisieren konntest?
Sobald ich auf den Platz gegangen bin, war die Nervosität komplett weg und ich habe es schon genossen und habe alles mitbekommen. Ich war auch zu 100 Prozent bereit reinzukommen, habe mich vorbereitet wie auf jedes normale Spiel von mir auch. Zwei, drei Tage später, als wir frei hatten, habe ich dann so richtig realisiert, was passiert ist.
Wurde durch dieses Erlebnis der Hunger noch größer, nicht nur dabei zu sein, sondern in diesem Stadion auch einmal für die FC-Profis auf dem Platz zu stehen?
Auf jeden Fall, das bleibt mein Ziel und mein Traum. Ich war jetzt ganz nah dran und das hat noch mehr dieses Feuer in mir entfacht, in diesem Stadion auf dem Platz zu stehen und Tore zu schießen.
Lukas Kwasniok hat sich nach dem Testspiel gegen den FC Lugano sehr lobend über Dich geäußert und gesagt, dass du Qualitäten mitbringst, die so noch nicht im Kader sind. Wie würdest Du Dich selbst beschreiben?
Ich würde mein Tempo nennen und damit verbunden die tiefen Läufe. Dann noch meine Körperlichkeit, eine gewisse Wucht und meinen Torabschluss.

Arbeiten kann man sicher immer an allen Punkten. Wo musst Du Dich konkret noch verbessern?
Wie Du sagst, kann ich in allen Bereichen arbeiten und mich weiterentwickeln. Vor allen in Situationen, wenn ich mit dem Rücken zum Tor bin oder den Gegner im Rücken habe. Die Entscheidungsfindung, ob ich den Ball festmache oder weiterleite. Im Spiel gegen den Ball kann ich manchmal noch einen Ticken früher erkennen, wann ich draufgehe und wann ich zurückbleibe. Ansonsten das Laufpensum, die Intensität – das steigert sich von der U19 zu den Profis natürlich stark.
Was versuchst Du Dir bei der Arbeit mit den Profis konkret abzuschauen?
Das sind alles Top-Spieler, die nicht ohne Grund in der Bundesliga spielen. Ich versuche, vor allem auf die Spieler auf meiner Position zu gucken, was ich mir abschauen kann. Zum Beispiel, wenn Bülti hier in den Halbraum geht, oder wie Ragy den Ball verlängert. Dann versuche ich, das in der nächsten Situation als Option auch in meinem Hinterkopf zu haben.
Gibt es etablierte Spieler, die Dich besonders an die Hand genommen haben?
Da kann ich nicht den einen nennen. Denis Huseinbasic hat mich zum Beispiel schon an dem Tag, als ich im Kader war, an die Hand genommen. Aber auch Spieler wie Heintzi, Kainzi oder Luca Waldschmidt. Aber alle in der Mannschaft haben mich gut aufgenommen und ich habe mich schnell sehr wohlgefühlt.

Lukas Kwasniok hat sich von Euch jungen Spielern unter anderem versprochen, dass Ihr neue Energie ins Team bringt. Was versuchst Du einzubringen?
Ich will so spielen wie immer und mich nicht groß beeindrucken lassen, auch wenn es gerade eigentlich eine beeindruckende Situation ist. Ich versuche, meine Stärken einzubringen und das umzusetzen, was der Coach sagt und wofür er mich hochgenommen hat. Also mein Tempo, meinen Abschluss, den Tiefgang. Das versuche ich Tag für Tag zu zeigen.
Wie sieht Dein Alltag im Trainingslager aus?
Es ist alles sehr durchgetaktet – vor allem, wenn wir zweimal am Tag eine Trainingseinheit haben. Dann heißt es: Frühstück, Training, Duschen, Mittagessen. Dann hat man eine halbe Stunde, um sich auszuruhen, bevor es wieder zum Training geht. Das macht aber natürlich richtig Spaß und ist genau das, was ich liebe. Wenn ich dann mal auf dem Zimmer bin, ist es eigentlich nur zum Schlafen.
Mit wem bist Du auf dem Zimmer und wie würdest Du Euer Zimmer beschreiben?
Ich teile mir das Zimmer mit Bernie Lennemann. Manche würden unser Zimmer wahrscheinlich chaotisch nennen, ich nenne es einfach eingerichtet (lacht). Auf meiner Seite liegen überall meine Klamotten. Das passt für uns, wir sind nur zum Schlafen dort. Ab und zu spielen wir unten noch Darts, Tischtennis oder Kartenspiele.
Sprechen wir zum Abschluss noch über die U19. Am Montag wurde bekannt, dass das Youth-League-Sechzehntelfinale im RheinEnergieSTADION gespielt werden wird. Wie hast Du das als Spieler aufgenommen?
Youth League gegen Inter Mailand ist ohnehin etwas sehr Besonderes und da hat jeder schon eine riesige Vorfreude. Das jetzt noch im RheinEnergieSTADION vor den Fans spielen zu dürfen, die uns überall – ob in Luxemburg oder Dänemark – unterstützt haben, ist eine besondere Ehre. Das wird auf jeden Fall ein Fest.
