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Matthias Köbbing: „Das harmoniert einfach sehr gut”

8.1.2026

Er ist ein Mann im Hintergrund und dennoch seit Jahren für die Profis des 1. FC Köln von großer Bedeutung: Torhüter Matthias Köbbing. Im Interview spricht der 28-Jährige über das aktuelle Trainingslager, die Integration der Neuzugänge, seine Zeit beim kommenden Gegner 1. FC Heidenheim und die besondere Beziehung zu Stammtorhüter Marvin Schwäbe.

Matthias, weißt Du, zum wievielten Mal Du mit dem FC aktuell im Trainingslager bist?

Matthias Köbbing: Hm. Das müssten jedes Jahr zwei gewesen sein, also jetzt das zehnte.

Also ein Jubiläum.

Wenn man das so sehen will, dann ja (lacht).

Das sind auf jeden Fall schon einige. Wie würdest Du das aktuelle Trainingslager in dieser Riege einordnen?

Es ist schon anders, kein klassisches Trainingslager, da wir am Samstag ja gleich das Spiel haben. Wir trainieren die gleichen Inhalte, wie wir es in Köln machen würden – nur dass es hier ein paar Grad wärmer ist.

Und Ihr seid rund um die Uhr zusammen. Wie nimmst Du die Stimmung wahr?

Die ist schon trainingslagermäßig. Wir genießen die Zeit hier zusammen, wenn man dreimal am Tag zusammen isst oder abends Karten spielt. Das machst du im normalen Alltag ja eher selten. Dennoch ist man nach einem Trainingslager dann auch wieder froh, daheim zu sein.

Wie sind die Bedingungen vor Ort?

Die Trainingsbedingungen sind wirklich gut. Ich glaube, das ist der beste Platz, den wir je in einem Trainingslager hatten. In anderen Trainingslagern sind wir in der Regel mit dem Fahrrad zum Platz gefahren, hier ist es der Bus.

Wie sieht Euer Alltag aus?

Um 9 Uhr ist ganz klassisch Frühstück bzw. bei den Familienvätern ist es eigentlich immer 8 Uhr.

Weil Ihr diesen Rhythmus drin habt?

Genau, die innere Uhr lässt sich nicht abschalten (lacht). Dann folgen Training und Mittagessen. Wenn wir eine Doppeleinheit haben, geht es kurz aufs Zimmer, dann wieder auf den Platz und dann ist auch schon Abendessen. Am Mittwoch hatten wir einen freien Tag, da sind wir mit ein paar Jungs nach Benidorm gefahren.

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Neben dem Sportlichen geht es im Trainingslager auch immer ein Stück weit um Teambuilding. Wie siehst Du hier insbesondere Deine Rolle, was Zusammenhalt und Zusammenwachsen angeht?

Schon relativ hoch. Ich bin nach Jan und Kainzi inzwischen der dienstälteste Spieler. Es geht auch darum, den neuen Spielern ein Stück weit die Kölsche Mentalität näherzubringen. Da habe ich zum Beispiel am Dienstag beim Teamessen auch mal Kölsche Musik im Restaurant angemacht, damit wir ein bisschen Tradition reinkriegen. Aber das ist bei uns auch auf viele Schultern verteilt, was die Integration der neuen Spieler angeht, die die Stadt und den Verein noch nicht so kennen. Aber das passiert eher im Sommertrainingslager. Jetzt sind alle ein halbes Jahr da, da sollte das auch schon erledigt sein.

Im Sommer gab es einen größeren Umbruch, die Mannschaft wurde auch ein Stück weit internationaler. Hat diese Integration in Stadt und Club gut geklappt?

Ja, komplett. Der Charakter der Mannschaft hat sich schon verändert. Aus der Vergangenheit kannten wir es nicht so, dass einige Spieler gar kein Deutsch können. Aber das ist mittlerweile kein großes Thema mehr, weil jeder des Englischen so mächtig ist, dass sich alle verständigen können. Nicht so tiefgründig wie im Deutschen, aber es war auf der anderen Seite auch nicht schlecht, dass ein paar Eindrücke von Spielern dazukamen, die Erfahrungen im Ausland und in anderen Ligen gesammelt haben.

Was bringen die neuen Spieler denn rein?

Fußball wird überall gleich gespielt. Aber es gibt dann schon andere Abläufe. Bei Lundi in Italien war es mit den Zeiten zum Beispiel nicht so streng. Dann musste man im Sommertrainingslager noch ein paar Jungs vermitteln, dass sie nicht mit Badelatschen oder in kurzer Hose zum Essen kommen. Das sind Kleinigkeiten, die in anderen Ländern einfach anders sind.

Ein paar junge Spieler waren zum ersten Mal dabei. Mussten sie zum Einstand etwas machen?

Nein, darauf haben wir dieses Mal verzichtet. Die meisten sind auch schon wieder abgereist. Die waren zwar beim Abendessen am Dienstag dabei. Aber das muss man sich auch erstmal über einen längeren Zeitraum verdienen, bei uns den Einstand machen zu dürfen (lacht).

Blicken wir aufs Sportliche. Wie in Köln üblich, wird das Umfeld nach fünf Spielen ohne Sieg auch schnell etwas nervös. Gehört es auch zu Deiner Rolle, die Mannschaft hier zu sensibilisieren und die Ruhe zu behalten?

Wenn man es nüchtern betrachtet, hätte im Sommer jeder Platz elf zur Winterpause blind unterschrieben. Natürlich war die Fallhöhe nach den drei Siegen in den ersten Pflichtspielen und dem klaren Sieg im Test gegen Atalanta relativ hoch. Das ist dann für das Kölner Fanherz vielleicht von außen schwer zu verstehen, dass es nicht einfach so weitergeht und wir nicht um die Europapokalplätze mitspielen, sondern es nur um den Klassenerhalt geht. Von der Mannschaft wird das nüchtern betrachtet und so angenommen. Wir waren anfangs froh um jeden Punkt. Die Situation wurde damals richtig eingeordnet und wird es auch jetzt.

Du bewertest die Ausgangslage vor dem Start in 2026 also weiter als gut?

Ja. Es gibt auf jeden Fall sieben andere Mannschaften, die gerne unseren Platz hätten.

Ist Heidenheim nun dennoch ein ganz wichtiges Spiel, um gut ins Jahr zu starten und den Abstand nach unten zu halten oder sogar zu vergrößern?

Jeder Sieg ist wichtig, egal gegen wen. Aber Heidenheim ist ein direkter Konkurrent um den Klassenerhalt, da ist es sicher nochmal wichtiger, zu punkten. Deshalb kann unser Ziel für Samstag nur sein, dort zu gewinnen.

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Du hast selbst zwei Jahre in Heidenheim gespielt. Wie blickst Du auf diese Zeit zurück?

Es ist schon ein paar Jahre her, viel verändert hat sich aber nicht im Verein, wenn man von draußen draufblickt. Ich freue mich auf Samstag, ein paar alte Gesichter wieder zu sehen. Es sind auch noch ein paar Spieler dort, mit denen ich gespielt habe: Kevin Müller, Patrick Mainka und Marnon Busch. Diese Verbindungen werden Samstag, 15.30 Uhr, aber beiseitegelegt.

Auch der Trainer ist noch der gleiche wie zu Deiner Zeit. Sind es die Ruhe und Beständigkeit, die den Verein auszeichnen?

Ja, das kann man so drüberschreiben. Dazu kommt vollkommener Arbeitswille. In Heidenheim wird Mentalität ein Stück weit über die Qualität gesetzt. Das ist auch ein Grund, warum sie nun seit drei Jahren in der Bundesliga spielen. Weil sie jeden Tag einfach arbeiten und das in völliger Ruhe machen können. Dort wird niemand nervös im Verein. Das sieht man auch an der vergangenen Saison. Sie spielen Relegation, halten weiter am Trainer und allen Verantwortlichen fest und meistern es erfolgreich. Das ist schon etwas Besonderes in diesem Verein.

Hast Du dem FCH diese Entwicklung zugetraut?

Dass sie so lange Bundesliga und sogar europäisch spielen, nicht, da muss ich ehrlich sein. Ich glaube, das hat auch in Heidenheim so niemand erwartet. Zu meiner Zeit war es kein Thema, im Aufstiegsrennen dabei zu sein. Als dann 2020 die Relegation gegen Bremen verloren wurde, sind die Ansprüche ein bisschen größer geworden, glaube ich. Es ist auf jeden Fall ein kleines Fußballmärchen dort auf der Ostalb.

Wie hast Du Trainer Frank Schmidt zu Deiner Zeit erlebt?

Meine Rolle war damals die Nummer drei, da sind die Berührungspunkte zum Cheftrainer eher gering. Aber er war auf jeden Fall komplett klar in jeglichen Aussagen und in seiner Idee, wie er Fußball spielen wollte. Wenn er etwas gesagt hat, dann gab es keine Nachfragen danach.

Zurück zum FC: Hier wurde das Torhüterteam im Sommer weltmeisterlicher. Wie hat sich die neue Konstellation gefunden?

Ich habe mit Ron schon vor fünf Jahren trainiert, als er von Hannover ausgeliehen war, und beim Podolski-Spiel haben wir gegeneinander gespielt. Deshalb war ich sehr froh, als ich gehört habe, dass er zu uns kommt. Das ist qualitativ sehr gut und es macht jeden Tag sehr viel Spaß, in dieser Konstellation zu arbeiten.

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Es ist kein Geheimnis, dass Du mit Marvin Schwäbe sehr gut befreundet bist. Freut es Dich deshalb umso mehr, dass er bislang so gute Leistungen zeigt?

Uns verbindet sehr viel, wenn man über Jahre jeden Tag eine Stunde zusammen im Auto sitzt. Man spricht über viele Dinge, lernt sich sehr gut kennen. Wir wohnen nur fünf Minuten auseinander. Deshalb freut es mich enorm, wenn er auf dem Platz performt. Ich habe aber auch nichts anderes von ihm erwartet (lacht).

Was zeichnet ihn aus?

Er strahlt auf dem Platz schon eine immense Ruhe aus und ist fußballerisch sehr, sehr gut. Seine Reaktionen sind auf einem sehr hohen Niveau.

Und was macht Eure Freundschaft aus?

Wir sind auf einer Wellenlänge, haben den gleichen Humor, können über viele Dinge zusammen lachen. Und auf dem Platz verstehen wir uns fast schon blind und wissen, wenn wir uns gegenseitig die Bälle zuspielen, genau, was der andere braucht. Auch beim Warm-Up vor den Spielen sehe ich allein an seinem Blick, ob er nochmal einen Ball braucht und welchen Ball er braucht. Das harmoniert einfach sehr gut.