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Timo Hübers: „Das kann zum Trumpf werden“
Zwei Siege in allerletzter Minute. Der 1. FC Köln blickt auf einen positiven Saisonstart zurück und kann mit Rückenwind ins erste Heimspiel der Saison gegen den SC Freiburg gehen. Vor der Partie am Sonntagabend (19.30 Uhr) sprach Timo Hübers im Interview über den Stellenwert der beiden Last-Minute-Erfolge, wie weit der im Sommer neuaufgestellte FC bereits ist und worauf man bei den Breisgauern aufpassen muss.
Hallo Timo, hinter Euch liegen zwei turbulente, aber auch erfolgreiche Wochen. Wie hast du den Saisonstart erlebt?
Timo Hübers: Unterm Strich waren es zwei gute Ergebnisse. Leistungstechnisch sind wir aber noch nicht ganz da, wo wir uns selbst sehen. Wir haben noch Potenzial nach oben. Zu Beginn der Saison geht es darum, gute Ergebnisse einzufahren, gleichzeitig wollen wir aber nicht betriebsblind werden und uns auf den Erfolgen ausruhen. Deswegen sprechen wir klar an, dass einige Dinge noch nicht so laufen, wie wir uns das vorstellen oder wie wir sie in der Vorbereitung schon mit weniger Wettkampfdruck gespielt haben.
Die gesamte Mannschaft lag sich nach dem Lucky Punch in Mainz in den Armen. Waren die Last-Minute-Siege nach dem Kaderumbruch im Sommer doppelt wertvoll, weil Euch diese Momente enger zusammenschweißen?
Man kann sich neben dem Platz super verstehen oder als Team viele Gespräche führen, doch was dich wirklich miteinander verbindet, sind die gemeinsamen Erfolgserlebnisse. Im Fußball sind die Siege für die Gruppendynamik einfach durch nichts zu ersetzen. Ich denke, in Mainz haben auch die neuen Spieler einen Vorgeschmack bekommen, was sie fantechnisch beim FC erwartet. Man hat über weite Strecken der Partie nur unsere Fans gehört. Nach dem Spiel in die Kurve zu laufen, ist bei unserem Club auch etwas ganz Besonderes.
In Mainz habt Ihr den Gegner erstmal kommen lassen. In der Vorbereitung wählte man noch einen offensiveren Ansatz. War das Teil des Planes für den Bundesliga-Auftakt?
Wir haben Mainz natürlich im Vorfeld analysiert. Klar, wir haben auch immer einen Plan mit dem Ball, wir wollten aber zunächst den Druck herausnehmen. Hinten heraus haben wir den Ball dann einen Tick zu oft lang nach vorne geschlagen. Insgesamt wollten wir uns erstmal auf die Defensive fokussieren, da die Bundesliga schon nochmal etwas anderes als ein Testspiel ist. Am Ende hat uns das Ergebnis Recht gegeben, doch der Plan ist, dass wir in Zukunft auf jeden Fall wieder mutiger nach vorne spielen wollen.
In der zweiten Halbzeit könnt Ihr nochmal richtig Qualität von der Bank nachlegen. Könnte das in dieser Saison zu einem Trumpf werden?
Auf jeden Fall! Wir sind in der Spitze so breit aufgestellt, dass wir ab der 60. Minute nochmal ein paar ordentliche Eisen ins Feuer werfen können. Das hat in den ersten beiden Spielen den Unterschied gemacht, gerade weil wir verschiedene Spielertypen von der Bank bringen können. Luca ist zwischen den Linien außerordentlich gut und kann die entscheidende Flanke spielen. Ragnar kann die Hereingaben direkt verwerten oder nochmal ablegen. Die Jungs bringen nochmal neue Attribute auf den Platz. Da gilt es immer ein gutes Gespür zu finden, welchen Spielertyp die Partie gerade braucht. Je mehr du hast, desto mehr Optionen hast du.

Auch auf Deiner Position ist der Konkurrenzkampf groß. Wie siehst Du Euch hinten aufgestellt und was macht Deine Kollegen aus?
Das Schlüsselkriterium in der Defensive ist eine gute Kommunikation. Wir haben jetzt viele ausländische Spieler bei uns, da geht es zuerst darum, ein Gefühl füreinander zu entwickeln. Ob wir auf Englisch sprechen oder in der ein oder anderen Situation auch auf Deutsch, wechselt häufig. Das einfache Fußballlexikon haben die Jungs schon drin. Es liegt definitiv noch Arbeit vor uns, aber wir haben in den ersten Spielen schon gezeigt, dass wir gemeinsam erfolgreich arbeiten können.
Marvin Schwäbe hat Dich als Kapitän abgelöst. Der Trainer stellte gleichzeitig aber heraus, dass Du für ihn weiterhin zu den wichtigsten Führungskräften zählst. Wie bist Du mit der Situation umgegangen?
Insgesamt sehr positiv. Ich habe Marvin sofort gesagt, dass ich ihn bei allem unterstütze und ihm mit meinem Erfahrungsschatz aus der letzten Saison immer zur Seite stehe. Am Ende sollte sich deine Rolle im Team nicht ändern, wenn du Kapitän wirst. Gleichzeit sollte sie sich auch nicht ändern, wenn du es nicht mehr bist. Ich werde mich in meinem jetzt schon sechsten Jahr beim FC weiterhin mit all meinen besten Absichten ins Team einbringen.

Wie hast Du den Trainer in den ersten Monaten insgesamt erlebt?
Er ist sehr authentisch und nimmt kaum ein Blatt vor den Mund. Er spricht offen an, was ihm gefällt oder auch nicht gefällt. Er ist ein guter Fit und tritt uns immer wieder in den Hintern, damit wir uns weiterentwickeln und nicht aufstecken.
Schauen wir nach vorne. Am Sonntag steht nach über einem Jahr wieder ein Bundesliga-Heimspiel an. Wie groß ist Deine Vorfreude?
Sehr groß, im Testspiel gegen Bergamo haben wir schon einen kleinen Vorgeschmack bekommen. Jetzt geht es auch in der Liga los. Sonntagabend, Flutlichtspiel – das sind meistens sehr schöne Tage in Müngersdorf.

Als Fan oder Mitarbeiter hat man am vergangenen Sonntag wieder gemerkt, dass Bundesligaspiele etwas ganz Besonderes sind. Wie ist das für Euch auf dem Platz?
Da kann ich mich nur anschließen. In der Bundesliga hat man schon nochmal ein anderes Kribbeln. Es liegt einfach ein größerer Fokus auf einem, weil sich die Menschen mehr mit der ersten als mit der zweiten Liga beschäftigen. Man muss auch nicht drumherum reden: Es ist schon ein anderes Gefühl, wenn man die größeren Gegner bei sich zu Gast hat.
Mit dem SC Freiburg kommt am Sonntag einer der konstantesten Mannschaften der letzten Jahre ins RheinEnergieSTADION. Was zeichnet die Breisgauer aus und worauf wird es für Euch ankommen?
Sie haben eine sehr eingespielte Achse aus Spielern, die schon lange in der Bundesliga dabei sind. Sie wissen einfach, wie die Spiele ablaufen und die Bundesliga funktioniert. Darüber hinaus verstärken sie ihren Kader jeden Sommer mit einigen Top-Neuzugängen, die sie immer schnell integriert bekommen. Es wird ein Ritt auf der Rasierklinge, bei dem am Ende hoffentlich das Pendel in unsere Richtung ausschlägt.