
- Startseite
- Aktuelles
- News
- Von Barcelona nach Köln: ITP-Cheftrainer Jorge Arcila im Interview
Von Barcelona nach Köln: ITP-Cheftrainer Jorge Arcila im Interview
Jorge Arcila arbeitete bereits in den Akademien des FC Barcelona und Atletico Madrid. 2018 wechselte er zum 1. FC Köln, bei dem seither das International Talent Program als Cheftrainer betreut. Im Interview mit fc.de spricht er über seine Arbeit, wie er die Talente entwickelt und welche Ziele das Programm verfolgt.
Hallo Jorge, du bist der Trainer eines besonderen Teams. Was genau ist das Internationale Talentprogramm?
Das ITP ist ein Programm für ausländische Spieler. Unser Ziel ist es, die Spieler zu verbessern, insbesondere in den Details. Europa ist ein anderer Ort als die USA oder Asien, wo viele der Jungen herkommen. Die Intensität und das Verständnis des Spiels sind hier auf einem ganz anderen Niveau. Daran arbeiten wir, das ist unsere Aufgabe. Es macht uns wirklich Spaß, ihnen zu helfen. /den Spielern, besser zu werden.
Wie lange bleiben die Spieler normalerweise im Team?
Normalerweise bleiben die Jungs eine Saison lang, um sich über einen längeren Zeitraum als Team zu entwickeln. Es besteht jedoch auch die Möglichkeit, für sechs oder drei Monate hierher zu kommen.
Wie schwierig ist es für einen Trainer, mit so vielen personellen Veränderungen umzugehen?
Das ist natürlich nicht einfach. Nicht nur wegen der Wechsel, sondern auch, weil die Spieler zu Beginn unterschiedliche Leistungsniveaus haben. Unsere Aufgabe als Trainer ist es, die richtige Balance zu finden und die Jungs so schnell wie möglich zu verbessern. Das dauert sicherlich etwas länger als in anderen Teams. Aber umso mehr freut es uns, wenn wir sehen, dass die Spieler Fortschritte machen.
Ihr spielt nur Freundschaftsspiele. Was sind eure Ziele, wenn ihr keine Ligaplätze erreichen könnt?
Wir spielen gegen lokale Teams und ähnliche Programme anderer Profivereine, um ein wettbewerbsorientiertes Umfeld zu schaffen. Aber unser Fokus geht über die Ergebnisse hinaus. Unser Ziel ist es, die Spieler sowohl auf als auch außerhalb des Spielfelds zu fördern. Auf dem Spielfeld verbessern wir ihre technischen und taktischen Fähigkeiten; außerhalb des Spielfelds möchten wir ihnen eine lebenslange Erfahrung bieten, die ihnen hilft, persönlich und kulturell zu wachsen. Am Ende sollten sie mehr Möglichkeiten haben als vor ihrer Teilnahme am Programm – sei es durch den Beitritt zu europäischen Vereinen oder durch Stipendien an Colleges in den USA.
Für welche Art von Fußball stehen Sie als Trainer?
Ich komme aus Barcelona, wo man immer den Ball haben will. Allerdings muss jeder Pass einen Zweck haben. Wir wollen unsere Gegner mit kurzen Pässen binden und sie dann mit langen Bällen ausspielen. Man braucht Ballbesitz, um im richtigen Moment angreifen zu können. Das ist ein neuer Ansatz für die amerikanischen Jungs. Sie setzen auf Intensität und spielen meist Kick-and-Rush. Ihre Energie muss im richtigen Moment eingesetzt werden. Daran arbeiten wir in den ersten Wochen.
Bevor Sie zum FC kamen, haben Sie bei den Akademien des FC Barcelona und Atlético Madrid gearbeitet. Wie unterscheidet sich der Fußball in Spanien vom Fußball in Deutschland?
In Deutschland habe ich viel über Übergangsphasen gelernt. Deutsche Mannschaften sind auch besonders stark im Gegenpressing. Als Trainer kann man sehr erfolgreich sein, wenn man ein Gleichgewicht zwischen diesen Phasen und längeren Ballbesitzphasen findet. Der FC Bayern München unter Vincent Kompany demonstriert dies gerade. Als Trainer ist das beeindruckend zu sehen.
Vor welchen Herausforderungen stehen Sie, wenn Sie eine internationale Mannschaft ohne Spieler aus Ihrem Heimatland trainieren?
Natürlich ist das eine Herausforderung, da die meisten Spieler zum ersten Mal in Deutschland sind. Tägliche Sprachkurse, kulturelle Aktivitäten und ein starker Teamzusammenhalt helfen dabei, und unsere Partneragentur Warubi Sports leistet hervorragende Arbeit bei der Unterstützung der Spieler außerhalb des Spielfelds. Wir arbeiten sehr eng und vertrauensvoll zusammen, um die Mannschaft sowohl als Spieler als auch als Menschen weiterzuentwickeln.
Mit Herbert Zimmermann haben Sie eine FC-Legende an Ihrer Seite. Wie unterstützt er Sie im Trainerstab?
Eine Legende wie Herbert Zimmermann im Trainerstab zu haben, bringt Prestige und unschätzbare Erfahrung mit sich. Gleichzeitig arbeiten wir eng mit der nächsten Generation internationaler Trainer zusammen, die eine enge Verbindung zu den Spielern haben und sowohl auf als auch neben dem Platz wichtige Unterstützung leisten.
Sie sind seit 2018 Trainer für das ITP. Wie hat sich das Programm in dieser Zeit entwickelt?
Als wir 2018 als „Korea-Projekt” starteten, arbeiteten wir nur mit einer koreanischen Agentur zusammen. Später expandierten wir nach Japan und Nordamerika. Im Jahr 2020 hatten wir 18 Spieler, heute sind es konstant 24. Wie ich bereits erwähnt habe, hat die enge Zusammenarbeit mit Warubi Sports das Programm auf ein völlig neues Niveau gebracht. Die Unterstützung außerhalb des Spielfelds hat sich enorm verbessert, sodass wir uns wirklich auf die Entwicklung der Mannschaft auf dem Spielfeld konzentrieren können.
Was war bisher dein Highlight bei ITP?
Das Highlight dieser Saison war definitiv unser Spiel gegen den FC Bayern München. Wir haben 1:1 gegen eine Mannschaft mit vielen großartigen Spielern unentschieden gespielt. Das war eine unglaubliche Erfahrung für das gesamte Team und hat ihnen gezeigt, wie stark sie sein können, wenn sie zusammen spielen.
Wie verläuft die aktuelle Saison bisher?
Die Saison verläuft sehr gut, und die Mannschaft hat große Fortschritte gemacht. Im Februar nahmen wir an einem großen Showcase in Köln teil, das von unserer Partneragentur Warubi Sports organisiert wurde. Es war eine hervorragende Veranstaltung, bei der unsere Spieler die Gelegenheit hatten, zahlreiche Scouts von amerikanischen Spitzenuniversitäten zu beeindrucken.
