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Von Stuttgart bis ins Halbfinale

13.2.2026

26. November 1980. Nach einer 1:3-Niederlage in Stuttgart steht der 1. FC Köln vor dem Achtelfinalaus im UEFA Cup. Was folgt, ist ein denkwürdiges Comeback und ein Europapokallauf, der erst im Halbfinale endet. Stürmer Tony Woodcock blickt mit fc.de zurück.

„Wir wussten, dass wir uns immer zurückkämpfen können“, erzählt der heute 70-Jährige. Denn schon in der Runde zuvor legte der FC ein Rückspiel für die Geschichtsbücher hin. Nach einer 0:1-Heimniederlage war die Mannschaft von Cheftrainer Rinus Michels nach Barcelona gereist, um im Camp Nou mit 4:0 zu gewinnen. „Wir haben einfach fantastisch gespielt“, sagt Woodcock und erklärt weiter: „Das war eine andere Zeit. Wir hatten um die 16 Nationalspieler. Viele Leute waren nicht überrascht, dass dieser 1. FC Köln eine Mannschaft wie den FC Barcelona schlagen konnte.“

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Mit diesem Wissen ging der FC ins Rückspiel gegen den VfB. Der FC führte lange mit 2:0, bis Harald Konopka kurz vor Schluss ein Eigentor unterlief. „Der Platz war gefroren und sehr hart“, erinnert sich Woodcock. Nur eine Minute nach dem unglücklichen Gegentor schlug der FC bereits wieder zurück. Gerd Strack erzielte seinen zweiten Treffer des Tages und rettete seine Mannschaft in die Verlängerung. Dort sollte schließlich Woodcock zum Helden werden. Der englische Nationalspieler ballerte den FC in der 107. Minute eine Runde weiter: „Die Bälle waren nur schwer zu kontrollieren, dann habe ich ihn einfach in den Winkel geschossen“, fasst er sein Tor trocken zusammen.

Auch im Viertelfinale gegen Standard Lüttich bewies der FC seine Comeback-Qualitäten. Nach einem torlosen Hinspiel führten die Belgier in Köln nach 66 Minuten mit 1:2. 61.000 FC-Fans peitschten die Michels-Elf jedoch zurück. Erst glich Rainer Bonhof aus, ehe Pierre Littbarski drei Minuten vor dem Schlusspfiff das 3:2 gelang. „Das Stadion war wie elektrisiert“, erzählt Woodcock. Dass der FC vor solch einer Kulisse spielte, war zu jener Zeit nicht alltäglich. „Damals kämpften wir jedes Jahr um die vorderen vier Plätze. Das Stadion war gegen schwächere Teams nicht voll, weil die Fans annahmen, wir würden die sowieso schlagen. Wenn wir dann in den ersten 20 Minuten nicht getroffen hatten, wurde häufig auch gepfiffen“, sagt der Stürmer und lacht.

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Im Halbfinale wartete der englische Spitzenclub Ipswich Town. Für das Hinspiel hatte sich Trainer Michels einen interessanten Plan zurechtgelegt und ließ Woodcock gegen Ipswichs Verteidiger Mick Mills Manndeckung spielen. „Mills hat irgendwann die Seiten gewechselt und mich dabei ausgelacht, wie ich ihm gefolgt bin.“ Der Plan ging nicht auf, der FC verlor auf der Insel mit 0:1. „Vor dem Rückspiel war Ipswich dann im Phantasialand. Die Fotos tauchten am Spieltag im Express auf.“ Die Engländer wollten nach Rückschlägen in der Liga und im Pokal wieder lockerer werden. Mit Erfolg: Ipswich gewann auch das Rückspiel mit 1:0, zog ins Finale ein und gewann dort den Pokal. „Es war natürlich bitter, aber Ipswich war ein wirklich starkes Team“, blickt Woodcock auf das Ende einer unvergesslichen Europapokalreise zurück.