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„Wie ein Ritterschlag“: Toni Polster im Interview

23.4.2026

Es ist der 33. Spieltag der Saison 1996/97. Der 1. FC Köln empfängt Bayer 04 Leverkusen, das kurz vor Saisonende nur einen Zähler Rückstand auf die erstplatzierten Bayern hatte. Die Meisterhoffnungen des Nachbars waren jedoch schnell verflogen. Toni Polster markierte einen Dreierpack, der FC gewann mit 4:0. Im Interview mit fc.de spricht Polster über die Duelle mit der Werkself, seine WM-Erlebnisse sowie seinen Blick auf den modernen Fußball.

Hallo Toni, wo erwischen wir Dich gerade?

Toni Polster: Ich bin gerade zuhause in Österreich vor dem Computer.

Wie geht’s Dir aktuell?

Mir geht es sehr gut. Ich bin sehr glücklich, dass ich 26 Jahre nach meinem Karriereende immer noch so viele Events mitmachen darf. Gerade mit Hinblick auf die kommende Weltmeisterschaft habe ich viele Aufträge. Das ist nicht selbstverständlich, darüber bin ich sehr dankbar.

Wir haben Dich häufig als TV-Experte im österreichischen Fernsehen gesehen. Was machst Du gerade sonst noch?

Ich habe gemeinsam mit Andi Herzog von Werder Bremen ein Buch herausgebracht. Das ist ein Bestseller geworden, was unfassbar ist, darauf sind wir sehr stolz. Wir touren gerade durch viele Städte und treten zusammen auf. Nebenbei bin ich seit fast 14 Jahren Trainer bei der Wiener Viktoria. Wir spielen aktuell in der dritten Liga, das ist die Vorstufe zum Profifußball. Die Jungs wurden sehr gut ausgebildet, gehen aber nebenbei arbeiten oder studieren.

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Wir rufen Dich an, weil der FC am Samstag auf Bayer Leverkusen trifft. Kannst Du Dich noch an den 24. Mai 1997 erinnern?

Ja, das muss der 4:0-Sieg gewesen sein. Ich müsste einen Dreierpack geschossen haben.

Genau! Wie hast Du die Duelle mit Bayer Leverkusen damals erlebt?

Das waren schöne und faire Spiele. So kleine Nachbarschaftsduelle möchte man natürlich gewinnen. Leverkusen hatte damals eine tolle Mannschaft. Ich denke an Ulf Kirsten, Rudi Völler oder Bernd Schuster. Gegen solche Spieler zu spielen, war immer ein Highlight, weil es einfach fantastische Fußballer waren. Vom Budget her hatte Leverkusen damals schon deutlich mehr Möglichkeiten als wir.

Markus Babbel hat letztens erzählt, dass er es gehasst hat, gegen Dich spielen zu müssen. Kannst Du das rückblickend nachvollziehen?

Zuerst muss ich mich dafür bedanken. Das ist ja wie ein Ritterschlag. Er war ein fantastischer Spieler und hat nicht umsonst viele Titel gewonnen. Ich habe gerne gegen ihn gespielt und oft getroffen, das stimmt. Ich habe in diesen Duellen immer alles für meinen Club gegeben.

Werden Spielertypen wie Du damals heute immer seltener?

Das weiß ich nicht. In zehn Jahren werden wir bestimmt auch zurückblicken und erzählen, was das für Typen im Jahr 2026 doch waren. Die Spieler, die nicht mehr spielen, waren immer Typen. Das wird sich wahrscheinlich nie ändern.

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Was hat sich im Fußball seit Deiner aktiven Zeit verändert?

Die Torjäger verschwinden ein Stück weit. Zumindest ist das in Österreich so. Jeder wird so ausgebildet, dass er überall spielen kann. Das ist für mich ein No-Go, weil ich auf den Positionen meine Spezialisten brauche. In der letzten Zeit ist es wieder etwas besser geworden. Durch die falsche Neun ist vielleicht aufgefallen, dass es nicht schlecht wäre, wenn dein Stürmer auch Tore schießt (lacht).

Schaust Du zurzeit viel Fußball?

Sehr viel. Es lässt mich nicht los. Ich verfolge unheimlich viel, natürlich auch den FC.

Schaust Du auch das Spiel am Samstag?

Logisch! Wir sind vorher selbst im Einsatz. Danach werde ich nach Hause fahren und den Sender aufdrehen.

Was erwartest Du für eine Partie?

Wir brauchen natürlich Punkte. Keiner möchte, dass es am letzten Spieltag ein Finale gibt. Von daher wäre es gut, wenn wir es schon vorher klarmachen können. Vielleicht mit einem Sieg am Samstag.

Wie siehst Du den FC in dieser Saison?

Vor Saisonbeginn war es schon abzusehen, dass es als Aufsteiger nicht leicht werden würde. Ich drücke die Daumen, dass es in Zukunft wieder in ruhigere Gewässer geht und dass man auf diesem Weg auch ohne Personalwechsel auskommt.

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Du hattest die WM anfangs schon angesprochen. Österreich ist das erste Mal seit 1998 wieder für die Endrunde qualifiziert. Damals warst Du noch aktiv. Wie besonders ist es, beim größten Turnier auf dem Rasen stehen zu dürfen?

Das sind einmalige Erlebnisse. Es geht schon ein halbes Jahr früher los. Sobald man sich qualifiziert hat, schreiben dir Mama, Papa, Oma, wie toll du doch bist. Darauf darfst du dich aber nicht ausruhen, sondern musst weiter hart arbeiten. Da bei dieser WM selbst einige der Gruppendritten weiterkommen, wird das Turnier sicher anders ablaufen. Bei uns kamen damals nur zwei Teams weiter, dadurch war klar, dass du auf jeden Fall ein Spiel gewinnen musst. Wir sind mit zwei Remis gegen Kamerun und Chile gestartet. Dann mussten wir im letzten Spiel gegen Italien gewinnen. Das war damals sehr schwierig, heute ist es sicher ein wenig einfacher gegen die Italiener zu gewinnen. Wir standen unter großem Druck und mussten uns dann leider 1:2 geschlagen geben.

Was traust Du der österreichischen Auswahl in diesem Sommer zu?

Wir sind gut vorbereitet. Ich hoffe, dass die Jungs die Nerven im Griff haben werden. Dann wird es sicher gut ausgehen. Erst überstehen wir die Gruppe und dann schauen wir mal, was auf uns zu kommt.