
Heinz Flohe
28.01.1948
GeburtstagDer Double-Kapitän
Filigrantechniker am Ball, begnadeter Dribbler, torgefährlicher Spiellenker und Liebling der FC-Fans – Heinz Flohe vereinte diese und weitere Attribute und wurde so zur FC-Legende, die den Club als Kapitän zu seinem bislang größten Erfolg führte.
Obwohl stets eng mit seiner Heimatstadt Euskirchen verbunden, erblickte Heinz Flohe in der Kölner Uniklinik das Licht der Welt. Dem Besuch der Volksschule folgte eine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker, doch neben der Passion für Autos und Motorräder, gehörte seine Leidenschaft von Kindesbeinen an dem Fußball. Schon als Schüler galt Heinz Flohe, der ab dem 6. Lebensjahr beim TSV Euskirchen aktiv war, als größtes Fußballtalent der Region. „Was der Junge mit dem Ball anstellte, war Zirkusreif. Stundenlang trainierte er mit Begeisterung“, so sein früherer Jugendtrainer. Berufungen in die Kreis-, Mittelrhein- und Westauswahl waren die logische Folge. Als ihm schließlich auch der Sprung in die Juniorennationalmannschaft gelang, war sein Wechsel zum 1. FC Köln zur Saison 1966/67 längst beschlossene Sache. Die FC-Legenden Jupp Röhrig und Georg Stollenwerk hatten das Top-Talent mehrfach beobachtet und konnten nur positives an FC-Präsident Franz Kremer berichten. Auch der aus der Nähe von Euskirchen stammende FC-Profi Toni Regh hatte sich als „Vermittler“ engagiert. Mit einem alten VW-Käfer pendelte Heinz Flohe täglich von Euskirchen nach Köln zum Training, deutete bereits im ersten Profijahr seine enormen Qualitäten an und kam regelmäßig zum Einsatz.
„Flocke war der Größte aller Zeiten“
Kein Wunder, denn „Flocke“, so sein zeitlebens omnipräsenter Spitzname, vereinte Schnelligkeit, Dribbelstärke, ein enormes Laufpensum und Passgenauigkeit auf geniale Weise. Hinzu kam eine überragende Schusstechnik, die ihn vor allem aus der Distanz enorm torgefährlich machte. All dies hielt ihn zusätzlich nicht davon ab, noch „nebenbei“ das Spiel zu lenken und aus der zentralen Position heraus immer wieder Akzente zu setzen. Sein ehemaliger Mitspieler Harald Konopka urteilt kurz und knapp: „Flocke war der Größte aller Zeiten.“ Viele Jahre lang stand Heinz Flohe trotz seiner Klasse etwas im Schatten von Regisseur und Kapitän Wolfgang Overath. Umso bemerkenswerter ist die Tatsache, dass es ihm dennoch gelang, sich beim FC dauerhaft zu etablieren und sogar zum Nationalspieler zu werden. 1968 feierte er mit dem DFB-Pokalsieg den ersten Titel im FC-Trikot, gut zwei Jahre später debütierte Heinz Flohe in der A-Nationalmannschaft.
Weltmeister 1974
Ab 1973 spielte Heinz Flohe dort regelmäßig, obwohl das Verhältnis zu Bundestrainer Helmut Schön nicht immer optimal war: „Mit dem konnte ich gar nicht. Der hatte keinen Mumm, keinen Bock auf mich. Außerdem hatten Overath und Netzer eine große Lobby“, sagte „Flocke“ später rückblickend. 1974 wurde Heinz Flohe Weltmeister, bestritt beim Turnier in Deutschland drei Spiele, saß beim Finale jedoch auf der Bank. Der WM folgte die größte Krise seiner Laufbahn: Rheumatische Schmerzen machten den Sport zur Hölle, die Nächte zur Qual. Unzählige Behandlungen führten nicht zum Erfolg. Erst der Freiburger Mediziner Armin Klümper diagnostizierte einen Beckenschiefstand und schaffte es, den Nationalspieler wieder fit zu machen. Ab 1976 startete der beidfüßig starke Linksfuß dann richtig durch: Bei der Europameisterschaft in Jugoslawien drehte er im Halbfinale gegen die Gastgeber nach seiner Einwechslung gemeinsam mit Dieter Müller nach einem 0:2-Rückstand noch das Spiel und sorgte so maßgeblich für den Finaleinzug des deutschen Teams. Das Endspiel verlor man gegen die CSSR nach Elfmeterschießen. Kurze Zeit später schoss Heinz Flohe beim „Revanchespiel“ gegen die CSSR am 17. November 1976 das tausendste Tor in der Historie der deutschen Nationalmannschaft. Den Ball, mit dem er dieses historische Tor erzielte, schenkte „Flocke“ anschließend seinem Freund, dem FC-Koch Jupp Müller.
Große Triumphe mit dem FC
Noch besser lief es im Verein: Im Sommer 1976 war Erfolgstrainer Hennes Weisweiler nach Köln zurückgekehrt und machte Heinz Flohe zur zentralen Figur, zum Lenker und Denker des FC-Spiels. Mit Herbert Neumann hatte er dabei einen kongenialen Mittelfeld-Partner an seiner Seite. In der Saison 1977/78, Heinz Flohe hatte inzwischen das Kapitänsamt von Wolfgang Overath übernommen und 1977 den DFB-Pokal gewonnen, führte er den FC zum legendären „Double“, dem Gewinn von deutscher Meisterschaft und DFB-Pokal. Anschließend nahm er in Argentinien an seiner zweiten Weltmeisterschaft teil. Insgesamt bestritt Heinz Flohe 39 A-Länderspiele – und alle Fachleute sind sich einig, dass es bei seinen Fähigkeiten locker doppelt so viele hätten sein können. Als Mannschaftskamerad genoss Heinz Flohe auch neben dem Platz großes Ansehen, nicht zuletzt auch deshalb, weil er sich unter anderem um die Integration der Neuzugänge kümmerte und jungen Spielern half, sich im ungewohnten Umfeld zurechtzufinden. In der Spielzeit 1978/79 kam Heinz Flohe mit dem FC bis ins Halbfinale des Europapokals der Landesmeister und scheiterte unglücklich am englischen Meister Nottingham Forest. Der Mannschaft und dem Spielmacher versetzte das Ausscheiden gegen Nottingham einen Knacks. Bei der 0:6-Niederlage beim Hamburger SV am 8. Mai 1979 wurde Heinz Flohe wegen Nachtretens nach einem Foul seines Gegenspielers Jimmy Hartwig vom Platz gestellt. Anschließend wurden „Flocke“ und Herbert Neumann, von Hennes Weisweiler suspendiert und mussten eine Geldstrafe zahlen. Es entstand ein Riss, der nicht mehr zu kitten war, so dass Heinz Flohe 1979 zu 1860 München wechselte.
Schwerer Schicksalsschlag
Die Zeit bei den Löwen sollte nur von kurzer Dauer sein: beim Spiel gegen den MSV Duisburg am 1. Dezember 1979 erlitt er nach einem Foul des späteren FC-Profis Paul Steiner einen Schien- und Wadenbeinbruch, der schlussendlich zur Sportinvalidität führte. Dem Fußball und auch dem FC blieb „Flocke“ sowohl als Chef- und Co-Trainer des TSC Euskirchen, als auch an der Seite seines Freundes Stephan Engels bei den FC-Amateuren und den Profis erhalten. Am 11. Mai 2010 dann der schwere Schicksalsschlag: Heinz Flohe brach in Köln zusammen, wurde wochenlang im Herzzentrum der Kölner Uniklinik behandelt und ins künstliche Koma versetzt. Fans, frühere Weggefährten und die Medien nahmen großen Anteil am Schicksal des ehemaligen FC-Kapitäns, über dessen Leben es zwei Bücher und eine Filmdokumentation gibt. Am 18. Mai 2012 fand im Franz-Kremer-Stadion ein Ehrenspiel für Heinz Flohe statt. Mehr als 3.000 Fans und zahlreiche Weggefährten von „Flocke“ waren gekommen und stellten sich in den Dienst der inzwischen im Wachkoma befindlichen FC-Legende. Am 15. Juni 2013 starb Heinz Flohe in einer Pflegeeinrichtung in Vettweiß. Die Mannschaft des 1. FC Köln bestritt das erste Heimspiel der Saison 2013/14 gegen Fortuna Düsseldorf mit Trauerflor, es gab einen bewegend-emotionalen Ehrenapplaus vor dem Anpfiff. Am 28. Juni 2013 eröffnete der 1. FC Köln zu Flockes Ehren die „1. FC Köln Fußballschule Heinz Flohe“, wo fußballbegeisterte Kinder die Möglichkeit haben, unter professionellen Bedingungen zu trainieren. Eine lebensgroße Bronzestatue des Bildhauers Anton Fuchs steht zu Ehren des Double-Kapitäns seit 2014 auf dem Platz vor der Südtribüne des RheinEnergieStadion. Zudem trägt das frühere Euskirchener Erftstadion seit 2024 den Namen „Heinz-Flohe-Stadion“.
Heinz Flohe
Geboren: 28.01.1948 in Köln
Verstorben: 15.06.2013 in Vettweiß
Position: Mittelfeld
FC-Trikotnummer: 8
Statistik beim 1. FC Köln
FC-Pflichtspiele: 453
Tore: 118
FC-Freundschaftsspiele: 174
Tore: 69
Total
Spiele: 627
Tore: 187
Erfolge beim 1. FC Köln
Deutscher Meister 1978
DFB-Pokalsieger 1968, 1977, 1978
Deutscher Vizemeister 1973
DFB-Pokal-Finalist1970, 1971, 1973
ARD-Sportschau Torschütze des Monats November 1976
FC-Kapitän 1977-1979
Als Trainer
Mittelrheinpokalsieger 1995
Laufbahn als Spieler
7/1954-6/1966 TSV Euskirchen (Jugend)
7/1966 -7/1979 1. FC Köln
7/1979-6/1980 TSV 1860 München
39 A-Länderspiele/8 Tore für Deutschland (alle für den 1. FC Köln) (1970-1978)
1 B-Länderspiel/0 Tore für Deutschland (für den 1. FC Köln) (1974)
4 U23-Länderspiele/0 Tore für Deutschland (für den 1. FC Köln) (1967-1973)
4 U18/U17-Länderspiele/1 Tor für Deutschland (davon 3/1 für den 1. FC Köln) (1965-1966)
Internationale Erfolge
Weltmeister 1974
WM-Teilnehmer 1974 (Deutschland), 1978 (Argentinien)
Vize-Europameister 1976
EM-Teilnehmer 1976 (Jugoslawien)
Laufbahn als Trainer
2/1981-3/1991 TSC Euskirchen 1848/1913
7/1991-6/1992 TuS Olympia Ülpenich 1910
8/1992-6/1993 SSV Eintracht Lommersum 1920 7/1993-6/1994 TSC Euskirchen 1848/1913 (Co-Trainer)
7/1994-27.08.1995 1. FC Köln (Co-Trainer Amateure) 28.08.1995-31.03.1996 1. FC Köln (Co-Trainer Lizenzspieler) 7/1996-6/1999 1. FC Köln (Co-Trainer Amateure)
Laufbahn als Funktionsträger
7/1999-5/2010 1. FC Köln (Scout Nachwuchsabteilung/Lizenzspielerabteilung)
25.12.2004-12/2007 TSC Euskirchen 1848/1913 (Beisitzer Sport)








