
Johannes „Hannes“ Löhr
Vom Straßenfußballer zum Rekordtorschützen
Hannes Löhr war der Mann mit der Torgarantie: erster FC-Bundesliga-Torschützenkönig und bis heute FC-Bundesliga-Rekordtorschützte. Fast 22 Jahre lang stand „die Nas“ in Diensten des 1. FC Köln – als Spieler, Funktionär und Trainer
Dass Hannes Löhr sich schon früh für den Fußball begeisterte, verdankte er seinem älteren Bruder: der war Torwart bei Eitorf 09 und sein großes Vorbild. Eitorf im Rhein-Sieg-Kreis, gut 60 Kilometer von Köln entfernt, war auch Löhrs Heimatort, in dem die Eltern die bis 2013 existierende Gaststätte „Löhrs Eck“ betrieben. Hannes Löhr besuchte die Volksschule, danach das Siegtal-Gymnasium und wurde seit der Jugendzeit als Mittelstürmer eingesetzt. Berufungen in die Kreis- und Mittelrheinauswahl belegen das Talent des klassischen Straßenfußballers, der schon als18-jähriger in der 1. Mannschaft kickte und von Scouts der Sportfreunde Saarbrücken bei einem Länderpokalspiel mit der Mittelrheinauswahl entdeckt wurde. Neben dem Vertragsspielerstatus bot ihm der Südwest-Oberligist an, seine Ausbildung in Saarbrücken weiterführen zu können. So wechselte Hannes Löhr schließlich ins Saarland und etablierte sich als Torschützenkönig auch auf sportlich höherem Niveau.
Wunschspieler von FC-Trainer Georg Knöpfle
Dass er nach zwei Jahren an der Saar wieder ins Rheinland zurückkehrte, war dem damaligen FC-Trainer Georg Knöpfle zu verdanken, der sich intensiv für eine Verpflichtung seines Wunschspielers einsetzte. Als der Angreifer im Sommer 1964 zum Trainingsauftakt am Geißbockheim erschien, war der FC soeben erster Deutscher Meister der Bundesliga geworden. „Da hat Köln einen guten Fang gemacht“, urteilte Bundestrainer Sepp Herberger vorausschauend. Anfangs noch auf praktisch allen Angriffspositionen agierend, fand Hannes Löhr als linker Stürmer, ja fast schon als Linksaußen, seine Idealposition, auf der er bis zum Ende seiner Laufbahn zuhause war. Das Debüt im FC-Trikot feierte er passenderweise beim „Ablösespiel“ gegen die Sportfreunde Saarbrücken am 12. August 1964, bei dem er auch sein erstes von insgesamt 421 Toren für den 1. FC Köln erzielte. Bereits im ersten Jahr beim FC wurde er Deutscher Vizemeister und war einer der Protagonisten des berühmten „Liverpool Dramas“, das der FC nach drei jeweils Unentschieden endenden Begegnungen per Losentscheid verlor. Mit seinem Tor zum 2:2 im dritten Spiel in Rotterdam hatte Hannes Löhr den legendären Münzwurf erst möglich gemacht. Als schneller und trickreicher Linksfuß mit enormer Torquote begeisterte er fortan die FC-Fans. Lohn der Mühen war das Debüt in der Nationalmannschaft am 22. Februar 1967 gegen Marokko, dem noch 19 weitere A-Länderspiele sowie die WM-Teilnahme 1970 in Mexiko folgen sollten. International sorgte er nicht nur mit der Nationalmannschaft, sondern auch mit dem FC für Furore: Insgesamt drei Mal erreichte er zwischen 1969 und 1975 ein europäisches Halbfinale.
„Die Nas“
Ob seines etwas größeren Riechorgans verpassten ihm die FC-Fans den Spitznamen „die Nas“, seine immer gut gelaunte, lustige Art machten ihn auch bei den Mannschaftskameraden überaus beliebt. Hannes Löhr war das, was man als rheinisches Schlitzohr bezeichnen kann – auf und neben dem Platz, ohne dabei die Bodenständigkeit zu verlieren. 1968 wurde er mit 27 Saisontoren erster Bundesligatorschützenkönig des 1. FC Köln und gewann mit dem FC den DFB-Pokal – ebenfalls eine Premiere für den Club. Noch während der Profizeit absolvierte er 1967 die Fußballlehrer-Ausbildung und begann anschließend Sport zu studieren. Als Hannes Löhr 1975 seine Karriere beenden und das Training der FC-Nachwuchsmannschaften übernehmen wollte, überredete ihn Trainer „Tschik“ Cajkovski doch als Lizenzspieler weiterzumachen.
Große Erfolge im Herbst der Karriere
Mit Erfolg, durfte Hannes Löhr doch ausgerechnet in der folgenden Zeit noch große Erfolge feiern: mit Trainer Hennes Weisweiler wurde der FC1977 erneut DFB-Pokal-Sieger und gewann im Folgejahr sogar das „Double“. Im Februar 1978 ernannte ihn Weisweiler dann zu seinem Co-Trainer – ein Amt, das Hannes Löhr bis August 1980 behielt und dann die Managerposition übernahm. In diese Zeit fällt mit dem DFB-Pokalsieg 1983 ein weiterer Titelgewinn. Gemeinsam mit seinem Freund Wolfgang Weber bestritt der Mann, der bis heute die meisten FC-Bundesligatore (166) erzielt hat, am 25. Oktober 1978 in Müngersdorf sein Abschiedsspiel gegen die deutsche Nationalmannschaft. Im August 1983 entließ er als Manager Trainer Rinus Michels und nahm selbst auf der Bank Platz. Fast drei Jahre lang war der frühere Nationalspieler für die FC-Profis zuständig, konnte den damaligen Erfolgsansprüchen in Form von Titelgewinnen jedoch nicht entsprechen.
Olympiabronze in Seoul 1988
Der Tätigkeit beim FC folgten viele Jahre beim DFB: Hannes Löhr betreute bis 1990 die Deutsche Olympiaauswahl, mit der er bei den Spielen in Seoul 1988 die Bronzemedaille gewann. Ab 1990 war er 12 Jahre lang für die U21-Nationalmannschaft zuständig. Als Vorsitzender des Fördervereins der Pfarrgemeinde St. Pankratius in Köln-Junkersdorf, der sich um hilfsbedürftige Menschen kümmert, war Hannes Löhr auch sozial überaus engagiert. 2015 erlitt der Rekordtorjäger, der jedes FC-Heimspiel besuchte und oft die FC-Traditionsmannschaft verstärkte, einen Schlaganfall und laborierte an einer Lungenentzündung. Nur ein Jahr später verstarb Hannes Löhr, nachdem er noch wenige Wochen zuvor die FC-Karnevalssitzung besucht hatte.
Johannes Franz „Hannes“ Löhr
Geboren: 05.07.1942 in Eitorf
Verstorben: 29.02.2016 in Köln
Position: Angriff
FC-Trikotnummer: 11, 9
FC-Pflichtspiele: 505
Tore: 235
FC-Freundschaftsspiele: 219 Tore: 186
Total
Spiele: 724 Tore: 421
Erfolge beim 1. FC Köln
Deutscher Meister 1978
Deutscher Pokalsieger 1968, 1977, 1978
Deutscher Vizemeister 1965, 1973
Deutscher Vizepokalsieger 1970, 1971, 1973
Bundesliga-Torschützenkönig 1968 (27 Tore)
Deutscher Vizemeister 1982 (als Sportdirektor)
Deutscher Pokalsieger 1983 (als Sportdirektor)
UEFA-Cup-Finalist 1986 (als Trainer)
Sportschau Torschütze des Monats Januar 1976
Fritz-Walter-Plakette 1971 (mannschaftsdienlichster Spieler der Bundesliga)
Laufbahn als Spieler
7/1948-6/1960 SV Eitorf 05 (Jugend)
7/1960-6/1962 SV Eitorf 05
7/1962-6/1964 Sportfreunde 05 Saarbrücken
7/1964-1/1978 1. FC Köln
Torschützenkönig Regionalliga Südwest 1964 (33 Tore)
20 A-Länderspiele/5 Tore für Deutschland (alle für den 1. FC Köln) (1967-1970)
1 U23-Länderspiel/0 Tore für Deutschland (für den 1. FC Köln) (1965)
Internationale Erfolge
WM-Teilnehmer 1970 (Mexiko)
EM-Kader 1972 (Belgien) (kein Einsatz)
Laufbahn als Trainer
01.02.1978-03.08.1980 1. FC Köln (Co-Trainer)
24.08.1983-06.02.1986 1. FC Köln
01.07.1986-30.06.1990 Deutscher Fußball Bund (Olympiaauswahl)
01.07.1990-30.06.2002 Deutscher Fußball Bund (U21-Nationalmannschaft)
Erfolge
Olympiabronze 1988 (Seoul, Südkorea)
Laufbahn als Funktionär
04.08.1980-23.08.1983 1. FC Köln (Sportdirektor/Sporttechnischer Leiter)








