
Wolfgang Overath
Der ewige Spielmacher
Er wurde Weltmeister, mit dem FC Deutscher Meister und DFB-Pokalsieger und prägte als Spielgestalter fast anderthalb Jahrzehnte lang das Spiel des 1. FC Köln. Ein klassischer „Zehner“, der auf dem Höhepunkt seiner Karriere als bester Mittelfeldspieler der Welt galt und dem FC immer treu blieb.
Als jüngstes von acht Kindern wurde Wolfgang Overath1943 geboren und wuchs in Siegburg auf. Die Leidenschaft für den Fußball begann früh und mit einem Plastikball: „Noch bevor ich in die Schule kam, gab es für mich nichts anderes, als Fußball. Ich musste gegen alles treten: Blechbüchsen, Stoffbälle, unreife Äpfel. Zum sechsten Geburtstag gab es dann endlich den lange ersehnten Plastikball“, erinnert sich Wolfgang Overath an die ersten Begegnungen mit jenem Spielgerät, dass ihn sein Leben lang begleiten sollte. Ab dem 9. Lebensjahr wurde es dann organisierter, kickte er doch fortan in der Jugendabteilung des Siegburger SV – stilecht auf Asche. Dort trainierte er nicht nur mit der Mannschaft, sondern oft auch stundenlang alleine und zeigte früh seinen ausgeprägten Ehrgeiz. Wolfgang Overath besuchte nach der Volksschule das altsprachliche Gymnasium in Siegburg und machte auf den Fußballplätzen der Region als ungewöhnlich talentierter Halbstürmer auf sich aufmerksam. Mit elf Jahren in der Kreis- und Mittelrheinauswahl eingesetzt, spielte er zwölf Monate später mit der deutschen Schülerauswahl vor 100.000 Zuschauern im Wembley-Stadion gegen England.
Förderer Karl-Heinz Heddergott
Sein größter Förderer war der damalige Mittelrhein-Verbandstrainer und spätere Kurzzeit-FC-Coach Karl-Heinz Heddergott. „Ich wohnte ja nicht weit von der Sportschule Hennef weg. Da fuhr ich mit dem Fahrrad oder dem Bus hin. Heddergott hat immer mit mir trainiert. Natürlich orientierte ich mich auch an großen Spielern wie Ferenc Puskas, Hans Schäfer oder Omar Sivori“, so Wolfgang Overath. Auch dem FC entging das Talent nicht, der Wechsel ans Geißbockheim im Sommer 1962 war die logische Folge. Mittlerweile als Auszubildender beim „Kaufhof“ tätig, musste Wolfgang Overath statutengemäß wegen seines Wechsels eine einjährige Sperre in Kauf nehmen – ein „Schicksal“, dass er mit dem ebenfalls neu zum FC gekommenen Wolfgang Weber teilte. Beim FC waren die Verantwortlichen bestens vorbereitet: Die Neuverpflichtung arbeitete fortan im Kölner Kaufhof, schloss 1965 die Kaufmannsausbildung ab und trainierte sowohl mit der A1-Jugendmannschaft, als auch mit den Vertragsspielern. Seinen ersten Titel im FC-Trikot gewann Wolfgang Overath 1963, als er mit der A1-Jugend bei einem internationalen Turnier in Mailand den ersten Platz belegte. Kurz darauf wurde er Lizenzspieler, die Bundesliga startete in ihre Premierensaison und die Karriere des Mittelfeldspielers nahm weiter Fahrt auf.
Erster Bundesligameister, erstes A-Länderspiel
Gemeinsam mit Kapitän Hans Schäfer dirigierte Wolfgang Overath den FC zur deutschen Meisterschaft in der Bundesliga-Premierensaison und debütierte in der A-Nationalmannschaft. Am 24. August 1963 erzielte er beim 2:0-Sieg in Saarbrücken das erste Bundesligator des 1. FC Köln. Bei der 1966er WM in England wurde Wolfgang Overath mit der Nationalmannschaft Vizeweltmeister. Mit dem DFB-Pokal-Sieg 1968 kam ein weiterer Titelgewinn hinzu, als FC-Kapitän löste er Karl-Heinz Thielen ab. Obwohl ihm während seiner gesamten Laufbahn zahlreiche Angebote vorlagen, blieb Wolfgang Overath dem FC immer treu. Einmal wäre er aber dann doch um ein Haar in München gelandet: „Hätten wir 1968/69 nicht am letzten Spieltag durch den 3:0-Heimsieg über den 1. FC Nürnberg den Klassenerhalt geschafft, wäre ich wohl zu den Bayern gewechselt“, sagt er über die möglichen Folgen eines Abstiegs. Bis heute ist ihm diese Situation intensiver in Erinnerung geblieben, als alle Triumphe und Erfolge. „Wären wir abgestiegen, hätten die Leute mit dem Finger auf mich gezeigt. ‚Der war auch dabei‘, würden sie sagen und in allen Kölner Straßen stände der Spott Spalier. Zum Glück ist es nicht so weit gekommen.“
Fünf Mal im DFB-Pokalendspiel
Fünf Mal stand Wolfgang Overath mit dem FC im DFB-Pokal-Finale, doch „nur“ zweimal verließ man als Sieger den Platz. Mit dem FC ohne internationalen Titel, gelang ihm mit der Nationalmannschaft der ganz große Wurf: bei der WM 1970 in Mexiko erneut in allen Begegnungen eingesetzt, wählte ihn die internationale Fachpresse zum besten Spieler des Turniers. Vier Jahre später war er trotz Verletzungspech rechtzeitig zur Weltmeisterschaft in Deutschland topfit, bestritt erneut alle Spiele und wurde nach einem 2:1-Endspielerfolg über die Niederlande Weltmeister. Nur kurze Zeit später erklärte er nach 81 A-Länderspielen, davon 14 als Kapitän, seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft. Mit der Vita von Wolfgang Overath sind seine sportlichen Qualitäten eng verbunden: Er vereinigte alle Eigenschaften, die einen Spielgestalter internationalen Formats auszeichneten: Beidfüßig und stark am Ball, technisch versiert und mit enormer Spielübersicht ausgestattet. Zentimetergenau erreichten seine Pässe oft über mehr als 30 Meter ihren Adressaten. Auch im Torabschluss und bei Standardsituationen bewies er unzählige Male seine Klasse.
„Ja, mein Temperament“
Doch Wolfgang Overath konnte auch polarisieren – die Fans ebenso, wie Mitspieler, Funktionäre, Trainer und Schiedsrichter. Aus gutem Grund trägt seine 1970 erschienene Autobiographie den Titel „Ja, mein Temperament.“ Mit 765 Pflicht- und Freundschaftsspielen für den 1. FC Köln hält er wohl einen Rekord für die Ewigkeit. Als Hennes Weisweiler im Sommer 1976 nach Köln zurückkehrte, begann das Ende der Ära Overath beim FC. Noch während der Hinrunde ließ Weisweiler den FC-Vorstand wissen, dass er keinesfalls mit dem Kapitän in die neue Saison gehen werde. Kurz darauf kündigte Wolfgang Overath schließlich seinen Rücktritt an. Am 17.Mai 1977 dann das Abschiedsspiel im Müngersdorfer Stadiongegen die WM-Elf von 1974. Nach der aktiven Zeit kümmerte er sich unter anderem um seine Immobilienfirma und war Repräsentant von Sportartikelhersteller adidas. Am Ball blieb das FC-Ehrenmitglied trotzdem, spielte mit unveränderter Leidenschaft für die FC-Traditionsmannschaft oder für die „Lotto-Elf“.
Achter Präsident des 1. FC Köln
Im Rahmen einer außerordentlichen Mitgliederversammlung wurde Wolfgang Overath am 14. Juni 2004 zum achten Präsidenten der FC-Vereinsgeschichte gewählt und blieb bis zu seinem Rücktritt am 13. November 2011 im Amt. Eine Zeit, die von sportlichem Auf- und Ab geprägt war. Seit den 1970er Jahren setzt sich der Weltmeister intensiv für soziale Projekte ein. Angefangen hatte alles mit dem Engagement für Strafgefangene der JVA-Siegburg. Inzwischen hilft der „Wolfgang-Overath-Fonds“ sowohl Menschen mit besonderen sozialen Schwierigkeiten, als auch Einrichtungen wie beispielsweise dem Kinderhospiz Balthasar.
Wolfgang Overath
Geboren: 29.09.1943 in Siegburg
Position: Mittelfeld
FC-Trikotnummer: 10
FC-Pflichtspiele: 542
Tore: 119
FC-Freundschaftsspiele: 223
Tore: 168
Total
Spiele: 765
Tore: 287
Erfolge beim 1. FC Köln
Deutscher Meister 1964 Deutscher Vizemeister 1965, 1973
Deutscher Pokalsieger 1968, 1977
DFB-Pokal-Finalist 1970, 1971, 1973
Westdeutscher Pokalsieger 1964
Kapitän 6/1968-5/1977
Ehrenmitglied seit 1/1978
Berufung in die Weltauswahl/November 1968 (in Rio de Janeiro gegen Brasilien)
Meister 2. Bundesliga 2005 (als Präsident)
Bundesligaaufstieg 2005, 2008 (als Präsident)
Laufbahn als Spieler
7/1951-6/1962 Siegburger SV 04 (Jugend)
01.07.1962-30.06.1977 1. FC Köln
81 A-Länderspiele/17 Tore für Deutschland (alle für den 1. FC Köln) (1963-1974)
13 Juniorenländerspiele/3 Tore für Deutschland (1960-1962)
Weltmeister 1974
Vizeweltmeister 1966
WM-Teilnehmer 1966 (England), 1970 (Mexiko), 1974 (Deutschland)
Laufbahn als Funktionär
21.11.1991-11/1998 1. FC Köln (Mitglied Verwaltungsrat)
3/2004-14.06.2004 1. FC Köln (Berater des Präsidiums)
14.06.2004-13.11.2011 1. FC Köln (Gesellschafterversammlung)
14.06.2004-13.11.2011 1. FC Köln (Präsident)
Persönliche Auszeichnungen
Bundesverdienstkreuz 1. Klasse (Februar 2008)
Egidius-Braun-Preis (Juni 2013)








